Film-Tipp des Tages: «Lollipop Monster»

Die deutsche Comic-Zeichnerin Ziska Riemann schuf mit ihrem Spielfilm-Debut «Lollipop Monsters» ein Coming-of-Age-Drama, das völlig aus dem Rahmen fällt: ein überbordendes, knallbuntes Teenage-Pop-Märchen, das die Pubertät als schrillen Fiebertraum zwischen Übermut und Verzweiflung zeigt.

Eine junge Frau schminkt sich vor einem Spiegel.

Bildlegende: Schön geschminkt: Sarah Horváth als Oona. SRF/Aktis Film Int. GmbH

Die Mädchen Oona (Sarah Horvath) und Ariane (Jella Haase) wachsen in sehr unterschiedlichen Familien auf. Oonas Eltern (Nicolette Krebitz, Fritz Hammel) sind Künstler, die in ihrem durchgestylten Zuhause in einer erkalteten Ehe leben. Als Oona ihre Mutter bei einem Seitensprung mit dem verhassten Onkel Lukas (Thomas Wodianka) erwischt und das an die grosse Glocke hängt, hat das drastische Konsequenzen. Ihr Vater, der seit langem in einer Krise steckt, erhängt sich. Oona, die sich selbst die Schuld am Tod des Vaters gibt, zieht sie sich in ihre innere Welt zurück. Sie ritzt sich die Arme blutig und bannt ihre Gewaltphantasien mit wilden Kohlestrichen auf das Papier.

Ari leidet auf ganz andere Weise: Sie erlebt zu Hause eine kunterbunte Scheinwelt, in der sich alle lieb haben, wo es jedoch unter der Oberfläche brodelt. Ihre Mutter (Sandra Borgmann) behandelt sie wie ein Kleinkind und konzentriert ihre ganze Aufmerksamkeit auf Aris Bruder Jonas (Janusz Kozaj), der die Familie mit rätselhaften Anfällen terrorisiert. Ari holt sich die fehlende Zuneigung, indem sie mit fremden Männern schläft.

Ari in ihrem aufreizend fröhlichen Lolita-Look und die mysteriöse, schwarzgekleidete Oona könnten äusserlich verschiedener nicht sein. Und doch entsteht, als sie sich auf dem Pausenplatz begegnen, zwischen ihnen eine enge Freundschaft, die für beide zur Rettung wird. Oona lernt von Ari, ihre Wut nach aussen zu kehren, und Ari erfährt durch die Beziehung mit Oona endlich Selbstachtung. Doch dann beginnt Ari eine Affäre mit Lukas.

Über die Produktion

«Lollipop Monster», der an der Berlinale 2011 uraufgeführt wurde, ist eine wilde Mixtur aus Trash und ernsthaftem Jugenddrama mit schrillen Comic- und Videoclip-Anleihen, die bei Kritikern und Publikum gleichermassen auf Begeisterung stiess. Jella Haase wurde beim Bayrischen Filmpreis als Beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet, wo auch die Leistung des Kameramanns Hannes Hubach mit einem Preis gewürdigt wurde.

Sendeplatz

Montagnacht um 00:40 Uhr auf SRF 1