Film-Tipp des Tages: «Mord hinterm Vorhang»

Der elfjährige Nick wurde für ein Wochenende bei seinen Grosseltern «parkiert», als er Zeuge eines Mordes im Nachbarhaus wird. Als die Polizei eintrifft, ist die Leiche weg. In bester Miss-Marple-Manier machen sich Oma und Enkel auf die Suche nach Beweisen und erleben das Abenteuer ihres Lebens.

Ein Junge, ein Mann und eine alte Frau.

Bildlegende: Der Kommissar glaubt nicht an die Mordgeschichte. SRF/Lukas Unseld

Die in die Jahre gekommene Krimischriftstellerin Lydia Walliser (Stephanie Glaser) strotzt vor Energie und hält ihre Mitmenschen mit ihren knapp 90 Jahren immer noch ganz schön auf Trab. Der Öffentlichkeit präsentiert sie sich als weltoffen, gewitzt und feinfühlig, doch ihr Ehemann (Peter Wyssbrod) bekommt täglich ihre weit uncharmantere und bärbeissigere Seite zu spüren. Zudem schlägt der erfolgsverwöhnten Autorin gerade eine hartnäckige Schreibblockade aufs Gemüt.

Eines Tages steht ihr Sohn Herbert (Oscar Bingisser) vor der Tür und bittet sie inbrünstig darum, sich ausnahmsweise und nur für dieses eine Wochenende um ihren elfjährigen Enkel Nick (Noah Weber) zu kümmern. Widerwillig und nur unter drei Bedingungen geht sie auf die Bitte ein: kein Mobiltelefon, kein Fernsehen, kein Lärm. Nick wird sofort klar, dass die drei Tage bei seinen Grosseltern zu den schlimmsten seines Lebens werden könnten.

Die Leiche im Nachbarsgarten

Der Widrigkeiten aber noch nicht genug. Als Gute-Nacht-Geschichte bekommt Nick einen Kriminalroman aus der Feder seiner Grossmutter in die Hand gedrückt. Während ihm jedoch das Buch wenig Spannung bietet, liefert ihm der Blick aus seinem Fenster um so grösseren Nervenkitzel: Hinter dem Vorhang der Nachbarsvilla scheint gerade jemand umgebracht zu werden. Nick rennt - entgegen dem Gebot, sich still und unauffällig zu verhalten - aufgebracht zu Lydia. Diese will aber vorerst von den Nöten ihres Enkels nichts wissen. Der Jungspund habe zu viel Phantasie und zu wenig körperliche Betätigung. Sie verdonnert ihn zum Laubrechen auf dem riesigen Grundstück.

Doch kurz darauf droht Lydia selber fast das Herz stehen zu bleiben, als sie an der Grenze zum Nachbarsgarten auf die Leiche einer jungen Frau stossen. Während sich Lydia hilfesuchend an die Polizei wendet und sich nach wenigen Sätzen in heillose Streitereien mit den Beamten verwickelt, lässt der Mörder die Tote spurlos verschwinden. Nun will ihnen niemand mehr so richtig glauben. Also versuchen Grossmutter und Enkel - von Abenteuerlust gepackt - dem gewieften Mörder auf eigene Faust das Handwerk zu legen.

Eine Hommage an Stephanie Glaser

«Mord hinterm Vorhang» ist eine warmherzige, spannende und zeitlose Krimikomödie, die das erwachsene wie das junge Publikum gleichermassen ansprechen soll. Die Idee, eine rüstige Dame in Miss-Marple-Manier zu kreieren, hatte die Filmemacherin Sabine Boss und dachte dabei sofort an die Grande Dame des Schweizer Films: Stephanie Glaser. Die Schauspielerin wurde einem breiteren Publikum erstmals durch ihre Rollen in den Gotthelf-Verfilmungen «Uli der Knecht» sowie «Uli der Pächter» bekannt und begeisterte später mit ihrer Figur «Tante Elise» das Publikum der Fernseh-Show «Teleboy». Im Film «Die Herbstzeitlosen» feierte sie im Alter von 86 Jahren als Lingerie-Boutique-Besitzerin Martha ihren bisher grössten Erfolg. Danach war sie in grösseren und kleineren Nebenrollen in mehreren Fernsehfilmen und Kinoproduktionen zu sehen, bis sie in «Mord hinterm Vorhang» als charmant bärbeissige Hobbydetektivin noch einmal die Hauptrolle übernahm.

«Mord hinterm Vorhang» ist eine Hommage an Stephanie Glaser, die über 50 Jahre ihr Publikum begeisterte. Die grosse Schauspielerin verstarb am 14. Januar 2011 im Alter von 90 Jahren im Spital Zollikerberg.

Sendeplatz

Samstag um 20:10 Uhr auf SRF 1