Film-Tipp des Tages: Taxiphone

Ein Schweizer Paar (Pasquale Aleardi und Mona Petri) strandet in der Wüste Nordafrikas. Während er nichts wie weiter will, nähert sie sich den Bewohnern der Oase an. Fabel von Mohammed Soudani.

Ein Mann und eine Frau beim Morgenessen.

Bildlegende: Gestrandete Schweizer. SRF/Amka Films Productions

Das junge Schweizer Paar Oliver (Pasquale Aleardi) und Elena (Mona Petri-Fueter) fährt mit einem Lastwagen durch die weite Wüste Algeriens Richtung Timbuktu, Mali, wo sie das Fahrzeug Moussa, einem Kunden, übergeben sollen. Wegen einer Panne mitten in der Wüste müssen Oliver und Elena in der Oase Tar Halt machen. Verschiedene Schwierigkeiten, keine Ersatzteile, keine spezialisierten Mechaniker: Der Aufenthalt zieht sich in die Länge.

Oliver kümmert sich obsessiv um die Reparatur des Vehikels und vernachlässigt dabei Elena. Diese langweilt sich und beschliesst, die Oase alleine zu erkunden. Dabei begegnet sie einer geheimnisvollen Wahrsagerin (Sonia). Und im «Taxiphone» - einer Telefonzentrale, die Tar mit der Aussenwelt verbindet - lernt sie die junge Aya (Adila Bendimerad) kennen.

Gestrandete Europäer

Diese versucht mit Elenas Hilfe ihren Mann Omar zu erreichen, der illegal in Italien arbeitet. Saïd (Tarik Bouarrara), der Betreiber des «Taxiphone», erzählt Elena von seinen Träumen, das digitale Zeitalter nach Tar zu bringen. Die Schweizerin findet an dem stolzen Targi Gefallen, und die beiden kommen sich näher.

Elena und Oliver sind nicht die einzigen Europäer, die in Tar gestrandet sind. Der schwedische Computerfachmann Magnus (Stefan Kollmuss) sollte hier einen Kunden treffen, der jedoch nicht erscheint. Ein ehemaliger Fremdenlegionär (Jean-Luc Bideau), «Alter Kojote» genannt, betreibt einen Schrottplatz, auf dem Oliver Nützliches für seine Reparatur zu finden hofft. Und selbst der Schauspieler Bruno Ganz entpuppt sich als Stammkunde des «Taxiphone».

Regisseur aus zwei Welten

Mohammed Soudani, 1949 in Algerien geboren, lebt seit 1972 in der Schweiz und ist inzwischen Doppelbürger. Nach seiner Ausbildung in Paris am Institut des Hautes Écoles Cinématographiques hat Soudani sich vor allem als Dokumentarfilmer betätigt, insbesondere in Zusammenarbeit mit dem Fernsehen der italienischen Schweiz.

Die Langzeitdokumentation «Sud - Les diseurs d'histoires» wurde 1998 in Locarno (Cinéastes du Présent) sowie an zahlreichen weiteren Festivals gezeigt. In «Guerre sans images - Algérie, je sais que tu sais» (2002) erkundete Soudani zusammen mit dem Fotografen Michael von Graffenried die Schicksale von Menschen, die von Graffenried Jahre zuvor abgelichtet hatte.

Kulturgrenzen

2011 hat Soudani unter dem Titel «Unbelgiocare» ein Porträt des Tessiner Theatermannes Daniele Finzi Pasca geschaffen, dessen jüngste Produktion «La Verità» im Herbst 2013 in Zürich aufgeführt wird. Neben Dokumentationen hat Soudani auch Fernsehspiele und Spielfilme gedreht. Dazu gehört der märchenhafte Kinderfilm «Lionel» (2010), der unlängst bei SRF zu sehen war.

In «Taxiphone - El Mektoub» (2010) widmet sich Soudani dem viel beschworenen Konflikt zwischen der europäischen Kultur und derjenigen der Araber beziehungsweise der Tuareg. Mona Petri-Fueter und Pasquale Aleardi verkörpern ein Schweizer Paar, das umständehalber gezwungen wird, sich zu entschleunigen und mit den Bewohnern einer algerischen Oasenstadt auseinanderzusetzen. Dabei zeigt sich, dass der zielorientierte und materialistisch denkende Mann Mühe hat, sich den Unwägbarkeiten des Lebens in der Wüste und dem «Inschallah»-Denken der Einheimischen anzupassen; die Frau hingegen ist eher bereit, ihre bisherigen Wertvorstellungen zu hinterfragen und sich der faszinierenden Kultur Nordafrikas zu öffnen.

Sendeplatz

Mittwoch um 20:00 Uhr auf SRF zwei.