Film-Tipp des Tages: Winters Knochen

Düsteres Sozialdrama und packender Thriller mit Jennifer Lawrence. Die damals 19-jährige Hauptdarstellerin ist in dieser starken Literaturverfilmung ein Ereignis und wurde für einen Oscar nominiert (empfangen hat Jennifer Lawrence die Auszeichnung 2013 für «Silver Linings Playbook»).

Eine junge Frau rennt durch den Wald.

Bildlegende: Auf sich allein gestellt: Ree (Jennifer Lawrence). SRF/LookNow!

Ree (Jennifer Lawrence) lebt in den Ozark Mountains, einer rauhen Hochlandschaft im US-Hinterland mit von Armut gezeichneten Bewohnern. Der Vater, ein Drogenpanscher, ist abwesend, die psychisch kranke Mutter kaum weniger. Und so obliegt es der tapferen 17jährigen, sich und ihre beiden kleineren Geschwister irgendwie durchzubringen, mit Sozialhilfe und ihren Nachbarn abgerungenen Brosamen.

Die Lage spitzt sich zu

Diese misslichen Lebensumstände werden mit dem Auftauchen des Sheriffs noch prekärer. Rees Vater hat den einzigen Besitz, das Grundstück der Familie, als Kaution für seine Bewährung verpfänden. Nun ist er spurlos verschwunden. Um nicht auch noch das Dach über dem Kopf zu verlieren hat Ree eine Woche Zeit, ihren Vater zu finden - tot oder lebendig.

Auf ihrer Suche stösst Ree auf eine Mauer des Schweigens. Ihr Onkel Teardrop (John Hawkes) warnt die junge Frau, weiter Fragen zu stellen. Beharrlichkeit und unbändiger Überlebenswillen treiben Ree voran und drohen sie das Leben zu kosten.

Trostlos und feindselig ist die Welt, in der diese Geschichte spielt - und ist «Winter's Bone» (Originaltitel) zwar ein harter Brocken, so doch auch Independent-Kino von seltener Wucht. Vor Ort im US-Bundesstaat Missouri und mit tief dort verwurzelt scheinenden Laiendarstellern in Nebenrollen hat Regisseurin Debra Granik ihren erst zweiten Spielfilm gedreht, freilich mit der Stilsicherheit einer Koryphäe ihrer Zunft. Sie befreite das ungeschminkte Sozialdrama von den mythischen Elementen der Vorlage zu einer vom Neorealismus inspirierten Literaturverfilmung.

Preisregen

«Winter's Bone» wurden etliche Auszeichnungen zuteil, unter anderen der Grosse Preis der Jury am Sundance-Festival. Debra Granik durfte sich zudem über vier Oscar-Nominierungen freuen, Jennifer Lawrence über jene für die Beste Hauptdarstellerin. Trotz eines Auftritts, der als Grundstein für eine ganz grosse Schauspielkarriere taugt, unterlag Lawrence zwar Natalie Portman (für «Black Swan»). Im Februar 2013 hatte die mittlerweile 22jährige bereits die nächste Chance, das begehrte Goldmännchen entgegenzunehmen, für «Silver Linings Playbook» - und gewann.

Jennifer Lawrence' sich anbahnenden grossen Karriere können auch Rollen in Popcorn-Kinofilmen wie «X-Men: First Class» und «The Hunger Games» nichts anhaben. Von beiden sind Fortsetzungen angekündigt: «The Hunger Games: Catching Fire» läuft am 21. November 2013 an, «X-Men: Days of Future Past» erst 2014.

Sendeplatz

Donnerstagnacht um 00:17 Uhr auf SRF 1.