Film-Tipp des Tages: «Zum Beispiel Suberg»

In nur drei Jahrzehnten hat sich Suberg im Kanton Bern vom verschlafenen Bauern- zum anonymen Schlafdorf entwickelt. Filmemacher Simon Baumann zeigt die Veränderungen im menschlichen Zusammenleben: Vereinsamung, Zersiedelung und der Druck der Rentabilität in einer globalisierten Welt.

Simon Baumann steht vor der Schranke, ein Zug fährt durch.

Bildlegende: Der Filmemacher Simon Baumann an der Bahnschranke, die sein Heimatdorf Suberg in zwei Teile teilt. SRF/Balzli und Fahrner AG

Simon Baumann lebt seit seiner Geburt in Suberg. Doch 32 Jahre lang hat der Filmemacher («Image Problem», 2012) das Dorf und seine Bewohnerinnen und Bewohner erfolgreich ignoriert. Anders als sein Grossvater, der als Bauer ein starker Ring in der Kette der Dorfgemeinschaft war, kennt Simon hier kaum jemanden. Aber viele kennen ihn: Seine Eltern waren das erste Nationalratsehepaar der Schweiz und haben sich als linke Politiker im Dorf viele Feinde geschaffen. Auf der Suche nach Anschluss trifft Simon deshalb nicht nur auf offene Türen, man droht ihm sogar mit Handgreiflichkeiten.

Zu Zeiten von Grossvater Baumann war Suberg noch von einer kleinbäuerlichen Struktur geprägt. 14 Landwirtschaftsbetriebe belebten das Dorf. Die Bauern waren aufeinander angewiesen und halfen sich gegenseitig aus. 40 Jahre später ist die Einwohnerzahl von Suberg zwar leicht gestiegen, aber die Anzahl der Haushalte hat sich verdoppelt. Die wenigsten Subergerinnen und Suberger arbeiten im Dorf. Bauernbetriebe gibt es gerade noch zwei.

Das Ende der Dorfbeiz

Wer wie Simon Baumann im Dorf nicht nur schlafen, sondern auch am Leben teilnehmen möchte, hat ein Problem: Es fehlt an Orten der Begegnung. Wohl gibt es noch einen Bahnhof und ein Schulhaus, aber schon lange keine Post und keinen Dorfladen mehr. Die ehemalige Dorfbeiz ist einem Restaurant für gehobene Ansprüche gewichen. Also versucht der Filmemacher, den ehemaligen Dorfplatz zu reanimieren, spricht mit Menschen, die das Dorf geprägt haben und findet auf der Suche nach dem Lebensgefühl seiner Vorfahren schliesslich im Männerchor eine letzte kleine, ebenfalls vom Aussterben bedrohte Oase des Gemeinsinns.

Mit feinsinnigem Humor zeigt der Filmemacher die Veränderungen im ländlichen Zusammenleben: Vereinsamung, Zersiedelung und der Druck der Rentabilität in einer globalisierten Welt. «Man sagt, die Welt sei ein Dorf geworden. Nehmen wir an, dieses Dorf heisse zum Beispiel Suberg, dann kann man hier die ganze Welt sehen.»

Sendeplatz

Freitagnacht um 22:25 Uhr auf SRF 1