Film-Tipp: «Les grandes ondes - Revolution auf Langwelle»

Drei Journalisten werden nach Portugal geschickt für eine Reportage über Schweizer Entwicklungshilfe. Es erwarten sie gescheiterte Projekte - dafür aber die Nelkenrevolution. Vergnügliche Komödie von Lionel Baier, die einen ironischen Blick auf die 1970er-Jahre wirft. Free-TV-Premiere.

Zwei Männer und eine Frau sitzen in einem Auto.

Bildlegende: Michel Vuillermoz als Cauvin, Valérie Donzelli als Julie, Patrick Lapp als Bob. SRF/Rita Productions

Im Frühling 1974 schickt der Programmdirektor des Westschweizer Radios Philippe de Roulet (Jean-Stéphane Bron) drei seiner Mitarbeiter nach Portugal. Sie sollen dort eine Reportage über die Schweizer Entwicklungshilfe im Land machen. De Roulet wurde nämlich unlängst zum Bundesrat zitiert, der sich darüber ärgerte, dass im Radio nur über Missstände und kaum Positives über die Schweiz berichtet werde.

So stellt de Roulet ein Grüppchen zusammen: Da ist Julie (Valerie Donzelli), eine Feministin und de Roulets Geliebte, die sich von ihm längst eine eigene Sendung wünscht, Bob, ein alter Technikhase kurz vor der Pensionierung, der die Reise nach Portugal mit dem VW-Bus bestreitet, und schliesslich Cauvin, ein ehemaliger Kriegsberichterstatter, der vorgibt, Portugiesisch zu sprechen, der Sprache aber alles andere als mächtig ist und an fortschreitendem Gedächtnisverlust leidet.

Nur leeres Terrain

In Portugal angekommen geraten Julie und Cauvin bereits das erste Mal aneinander, denn als Feministin duldet Julie keine Geschlechterrollen. Dazu kommt, dass die Gruppe ohne Sprachkenntnisse kaum vorwärtskommt. Da kommt ihnen ein junger sprachgewandter Mann gerade recht. Sie engagieren Pelé (Francisco Belard) als Dolmetscher. Noch viel schlimmer als das Sprachproblem aber wiegt sowieso, dass alle Projekte, die mit Schweizer Entwicklungsgeldern hätten erstellt werden sollen, entweder lächerlich oder aber inexistent sind wie eine Wohnsiedlung, die es nur gerade bis zur Errichtung eines Schildes, welches das leere Terrain benennt, geschafft hat. Den Journalisten fehlt das Material.

Da vernehmen sie Gerüchte über eine Revolution und folgen anderen Fernseh-- und Radioteams nach Lissabon, wo gerade die Nelkenrevolution vonstatten geht. Vollkommen überrumpelt stürzen sie sich in das friedliche Treiben und erleben jeder für sich eine unvergessliche Nacht.

Baier als belgischer Journalist

Der Westschweizer Lionel Baier gehört zu einem Kollektiv aus mehreren welschen Filmemachern, die zusammen die Produktionsfirma Bande à part Films gegründet haben. Zu ihm gehören neben Baier Frédéric Mermoud («Complices», «Les revenants»), Ursula Meier («Home», «Sister»), die in «Les grandes ondes» einen Kurzauftritt als belgische Radiomacherin hat, und Jean-Stéphane Bron («Mais im Bundeshuus», «L'expérience Blocher»), der die Rolle des Radiodirektors spielt.

Baier konnte zudem die beiden französischen Stars Valérie Donzelli und Michel Vuillermoz gewinnen. Er selber tritt neben Ursula Meier als belgischer Journalist auf. Dieses Jahr zeigte Lionel Baier bereits einen neuen Film auf der Piazza Grande am Filmfestival Locarno, wo 2013 auch «Les grandes ondes» Weltpremiere feierte.

«La vanité» mit Carmen Maura in der Hauptrolle wird im Oktober ins Kino kommen. Es ist bereits der siebte Spielfilm des knapp 39-Jährigen.

Sendeplatz

Mittwoch um 20:00 Uhr auf SRF zwei

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