Miike Takashi am NIFFF «Filme machen ist wie eine Zigarette rauchen»

Der japanische Regisseur Miike Takahsi hat am Neuchâtel Fantastic Film Festival NIFFF seinen 101. Film vorgestellt. Begegnung mit einem Vielfilmer, der keine Berührungsängste kennt.

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Die Filme des vielseitigen Workaholics Takashi Miike

3:19 min, vom 5.7.2017

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Trailer zu «Jojo’s Bizarre Adventure»

1:30 min, vom 5.7.2017

SRF: Ihr neuster Film «Jojo’s Bizarre Adventure» hat einen sehr europäischen Look, obwohl er in einer japanischen Kleinstadt spielt. Warum?

Miike Takashi: Der Film basiert auf einem Manga von Araki Hirohiko. Und der wiederum erschuf den Ort nach einem Kindheitstraum, den er von einer wunderschönen europäischen Kleinstadt hatte.

Europa war also nicht meine Idee. Gedreht haben wir dann in der katalonischen Küstenstadt Sitges, zu der ich eine gute Verbindung habe. Ich bin schon viele Male zum Fantastic Filmfestival dort eingeladen worden [eines der wichtigsten Fantastic Film Festivals in Europa, Anmerkung der Redaktion].

Die Buchvorlage ist ein Manga, eine gezeichnete Geschichte. Was ist die grösste Herausforderung, wenn man einen Manga in einen Realfilm übersetzt?

Weil «Jojo’s Bizarre Adventure» ein extrem verbreiteter und berühmter Manga ist, waren die ersten Fragen, die ich mir gestellt habe: «Wie würde sich ein Fan diesen Film ausdenken? Was mögen Fans am liebsten an Jojo?».

Gleichzeitig ist es nicht meine Aufgabe, die Welt dieses Mangas zu analysieren. Ich habe mich auf meine Intuition verlassen und mich gefragt: Warum ist dieser Manga so unterhaltsam und aufregend?

Andererseits sollte Araki Hirohiko es nicht bereuen müssen, dass er mich diesen Film machen liess. Er sollte sehen, dass sein Manga auch als Film funktioniert. Trotzdem habe ich mich mit Araki nie getroffen, um über Jojo zu sprechen.

Ein junger Japaner mit exzentrischer Elvis-Tolle.

Bildlegende: Tolle Tolle: Kento Yamazaki in der Manga-Verflimung «Jojo’s Bizarre Adventure: Diamond is Unbreakable». NIFFF

«Jojo’s Bizarre Adventures» ist Ihr 101. Film. Warum drehen Sie so viel?

Filme machen ist für mich etwas Alltägliches – wie frühstücken, eine Zigarette rauchen, Bier trinken oder atmen. Es ist nicht so, dass ich versuche, 1000 Filme zu drehen. Es passiert einfach. Irgendwann werde ich zu alt und zu gebrechlich sein, aber bis dahin werde ich einfach weiter machen, so wie ich weiter atme.

Viele Filmemacher in Japan sind wählerisch. Sie warten sehr lange bis zu ihrem nächsten Projekt, weil das Budget zu klein ist oder ihnen sonst etwas nicht passt. Ich packe und geniesse jede Chance, einen Film zu machen.

Sie drehen in den unterschiedlichsten Genres: Horrorfilme wie «Ichi the Killer» oder «The Audition», Kinderfilme «Ninja Kids!!!», Mangaverfilmungen, aber auch Autorenfilme. Ist jedes Filmgenre gleich wichtig für Sie?

Ich fokussiere selten auf ein Genre, wenn ich einen Film mache. Genre ist etwas für das Marketing. Ich selber fände es seltsam, für einen Horrorfilm Eintritt zu bezahlen, weil ich Horrorfilme nicht mag. Gewalttätige Filme würde ich mich nicht ansehen, wenn ich dafür Geld zahlen müsste. (lacht)

Für mich sind Filme so individuell wie unsere Lebensstile. Manchmal ist es eine Komödie, manchmal einfach normal. Leute haben Unfälle oder sie möchten singen. Und manchmal hat man einfach Lust, etwas Verrücktes zu tun.

«Jojo’s Bizarre Adventure»

Miike Takashis Real-Verfilmung des Manga-Klassikers handelt von einem Jungen mit magischen Kräften. Keine zerstörerischen, sondern heilende. Jojo kämpft gegen einen mysteriösen Killer, der ihm selbst nicht so unähnlich ist.

Filmkritiken vom NIFFF

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