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Legende: Video Tarantino und die Frauen abspielen. Laufzeit 02:32 Minuten.
Aus SRF Kultur vom 24.05.2019.
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Der neue Tarantino Zwei Cowboys in Zeiten der Spoiler-Panik

Grosse Gefühle, ein Genuss für Filmfans: Quentin Tarantino jongliert mit der Realität auf seiner fiktionalen Spielwiese.

Es war so gut wie sicher, dass «Once Upon a Time in Hollywood» Tarantinos Liebesfilm werden würde. Eben so sicher war, dass er keine gewöhnliche Liebesgeschichte erzählen würde.

Nun steht im Zentrum eine Männerfreundschaft. Eine zwischen zwei falschen echten Cowboys im Land der echten falschen Cowboys. In Hollywood.

Leonardo DiCaprio spielt den verblassenden Western-Star Rick Dalton – Brad Pitt seinen Stuntman, Handlanger, Fahrer, Freund und Aufpasser Cliff Booth.

Der junge Polanski

Noch vermag Rick sein Haus in den Hollywood Hills zu halten. Zu seiner Begeisterung ist im Haus nebenan Roman Polanski mit seiner Frau Sharon Tate eingezogen.

Polanski – der Regisseur von «Rosemary’s Baby», der heisseste Name Hollywoods. Und vielleicht der Mann, der Ricks Karriere wiederbeleben könnte?

Brad Pitt und Leonardo DiCaprio sitzen in einer Bar und trinken Cocktails.
Legende: Zwei falsche echte Cowboys: Stuntman Cliff Booth (Brad Pitt) und Schauspieler Rick Dalton (Leonardo DiCaprio). Sony Pictures

Von Filmliebhaber zu Filmliebhaber

Noch bevor die Geschichte losgeht, gibt's einen offenen Brief von Quentin Tarantino an die Journalisten des Filmfestivals von Cannes.

Von Filmliebhaber zu Filmliebhaber beschwört er uns, keine der Wendungen des Films zu verraten. Auf dass künftige Kinogängerinnen und Kinogänger sein Werk mit der gleichen Unschuld erleben können wie wir.

Das sollte im Zeitalter der grossen Spoiler-Panik selbstverständlich sein. Halten wir uns also an das, was in den letzten Monaten schon bekannt war.

«Once Upon a Time in Hollywood» spielt im Jahr 1969 in Hollywood. Es ist das Jahr der Manson-Murders an Sharon Tate und ihren Freunden, aber das liegt im Februar 1969 noch in der Zukunft.

Während Rick Dalton erst mal keine mehr hat. Zumindest erklärt ihm das der Agent Marvin Schwarzs (Al Pacino). Er weist Rick darauf hin, dass er nur noch in Gastauftritten die Bösewichte in neuen Fernsehserien spiele. Ein Produzenten-Trick, um die neuen Stars besonders neu und stark wirken zu lassen.

Das grosse Heulen

Als Mittel dagegen schlägt er ihm vor, es ein paar Monate in Italien zu versuchen. Italo-Western hätten schon etliche Karrieren neu belebt.

Rick kommt darauf das grosse Heulen, was wiederum seinen Freund und Fahrer Cliff eher peinlich berührt. Der setzt ihm seine Sonnenbrille auf und fährt ihn nach Hause.

Legende: Video Trailer zu Tarantinos «Once Upon a Time in Hollywood» abspielen. Laufzeit 02:34 Minuten.
Aus Kultur vom 22.05.2019.

Er hätte ihm auch von Clint Eastwood und Sergio Leone erzählen können. Aber dann wäre der erste schöne Gag in Tarantinos neuem Film von ihm selber gespoilert worden.

Brad Pitt vs. Bruce Lee

Ein weiterer Höhepunkt folgt, als sich Cliff (Pitt) von seinem Freund daran erinnern lassen muss, warum der Set-Verantwortliche des Studios ihn nicht mehr als Stuntman auf dem Dreh haben will.

In einer grossartigen Rückblende erleben wir, wie ein souveräner Brad Pitt einen grossmäuligen Bruce Lee zuerst auflaufen lässt und dann in die Tür eines parkierten Autos donnert. Leider gehört das Auto der Frau (Zoe Bell) des Set-Verantwortlichen.

Charles Manson mittendrin

Aus vielen solchen funkelnden, kleinen, Filmfan-begeisternden Episoden besteht ein Teil von «Once Upon a Time in Hollywood». Aber Tarantino verflicht die diversen Realitäten nachgebastelten Geschichten aus dem Leben von Rick und seinem Buddy Cliff mit der historischen Realität der Manson-Familie.

Dass Charles Manson sich mit seinen Hippie-Mädchen ausgerechnet auf jener Movie-Farm eingerichtet hat, auf der Cliff acht Jahre früher noch mit Jack einen Western nach dem anderen gedreht hatte, ist einer dieser «tarantinesken» Kunstgriffe, die Realität mit Realität fiktiv verknüpfen.

Drei Männer sitzen in einer Bar am Tresen. Zwei von ihnen schütteln die Hand.
Legende: Entscheidet über die Karriere von Rick (DiCaprio) und Cliff (Pitt): Agent Marvin Schwarzs (Al Pacino). Sony Pictures

Grosse Ideen, grosse Gefühle

Überhaupt ist das ein Film voller Spielfreude. All die Leute, die hier in kurzen Rollen hollywoodreferentielle Auftritte hinlegen, tun dies mit sichtlicher Begeisterung.

Sie alle spielen in den Backlots ihrer eigenen Hollywoodträume die Legenden, von denen sie und wir noch immer zehren.

Tarantino kennt die Filmgeschichte – die offizielle und die inoffizielle. Er spielt damit und tut das, was Hollywood immer am besten konnte: Er schrammt satt an der Realität vorbei mit grossen Ideen, grossen Gefühlen und kleinen Momenten.

Fanfiction-Film

Wenn «Once Upon a Time in Hollywood» vielleicht doch ein kleineres Publikum anziehen wird als Tarantinos bisherige Filme, dann liegt es daran, dass er hier mit seinen eigenen Spielsachen zu seinem eigenen Vergnügen spielt.

Das hat er zwar schon immer getan, aber stets so, dass man auch von aussen seinen Weg über den Spielplatz gefunden hat. Diesmal gehört man dazu. Oder eben ein bisschen weniger. Und das gilt für alles in diesem Film. Er ist seine eigene Fanfiction.

Sendung: Laufende Berichterstattung zu Cannes

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