Der Iran ist alles andere als ein Paradies

«Ma Dar Behesht» heisst übersetzt «Paradies». Ein sarkastischer Titel für einen Film, der ein deprimierendes Bild von Schulmädchen und Frauen im Iran zeigt. Sina Ataeian Denas Film wäre nur zum Heulen, wären da nicht ein paar Lichtblicke.

Eine junge verhüllte Frau schaut in ein Aquarium mit Fischen drin.

Bildlegende: Gefangen in einer Religionsdiktatur: Die junge Hanieh ist Primarlehrerin im Iran. Bon Voyage Films

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Trailer zu «Ma Dar Behesht»

1:53 min, vom 7.8.2015

Der Titel dieses Films ist ziemlich sarkastisch: Der Iran, in dem die junge Hanieh als Primarlehrerin arbeitet, ist alles andere als ein Paradies. Schon gar nicht für die Frauen und Mädchen, um deren Alltag sich der Film bemüht.

Gezielt deprimierend

Schon auf der Tonspur zum dunklen Vorspann hören wir, wie eine andere Frau Hanieh zu ihren Kenntnissen der Schicklichkeit und Kleidervorschriften befragt, zu Niqab und Länge der Gewänder.

Von den wenigen Männern, die auftauchen, bekommen nur zwei ein Gesicht: Haniehs liebenswerter Freund, und ein sehr charmanter älterer Herr, der die junge Frau ernst nimmt. Der Rest ist System, Erziehung, Ayatollah-Bilder in Amtsräumen, Fussballverbot für die Schulmädchen und eine staatliche Planwirtschaft, die Hanieh die erwünschte Versetzung an eine Schule in Teheran bürokratisch verweigert.

Es ist ein gezielt deprimierendes Bild aus einer Religionsdiktatur. Wären da nicht die Momente, in denen die Lebensfreude der Schulmädchen bei einem Popsong oder beim frenetischen Treten eines verirrten Fussballes aufblitzen, müsste man heulen.

Frisch ab Leinwand

SRF-Filmkritiker Michael Sennhauser schaut sich am Filmfestival Locarno Filme an und schreibt über seine ersten unmittelbaren Eindrücke.

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