Diese 7 Filme sollte man sich in Locarno anschauen

Hunderte Filme werden in Locarno gezeigt – da fällt es nicht leicht, eine Auswahl zu treffen. Als Hilfestellung haben wir sieben Perlen aus dem Programm herausgesucht: Das sind die Favoriten der SRF-Redaktoren am diesjährigen Filmfestival.

    • 1.
      «The Girl with All the Gifts»
      Ein Junge einer Art Maulkorb um den Kopf und blutigem T-Shirt neben einer Frau in Militäruniform.

      Bildlegende: Finstere Minen eröffnen heuer das Filmfestival: Sennia Nanua und Glenn Close in «The Girl with All the Gifts». Festival del Film Locarno

      In nicht allzu ferner Zukunft hat ein Parasit den grössten Teil der Menschheit ausgelöscht. Die wenigen Verbleibenden kämpfen ums Überleben und versuchen, ein Gegenmittel zu finden. Mehr braucht man gar nicht zu wissen bei diesem Zombie-Film, der das Filmfestival eröffnet. Der Schotte Colm McCarthy hat bis jetzt vor allem TV-Serien wie «Peaky Blinders» oder «Sherlock» produziert, aber seine Kino-Adaption der erfolgreichen Dystopie «The Girl with all the Gifts» aus dem Jahr 2014 tönt vielversprechend. Und: Paddy Considine spielt mit. Normalerweise ein sicherer Wert. Tom Hägler

      • Mittwoch, 3.8., 21.30 Uhr, Piazza Grande
    • 2.
      «Vor der Morgenröte»
      Mann mit Hut und einer Zeitung vor einem üpiigen, exotischen Wald.

      Bildlegende: Hader spielt für einmal nicht Hader, sondern Zweig: Josef Hader in «Vor der Morgenröte». Festival del Film Locarno

      Ich freue mich immer über Filme mit unerwarteter, mutiger Besetzung. Und Josef Hader als Stefan Zweig ist ziemlich überraschend. Der kultige Kabarettist spielt den feingeistigen Autor – kann das funktionieren? Viele Kritiker zeigten sich begeistert von Haders nuancenreicher und tiefsinniger Darstellung in «Vor der Morgenröte». Es geht um die letzten Lebensstationen von Stefan Zweig im Exil in Südamerika. Josef Hader sei ein Grund ins Kino zu gehen, schrieb ein Kritiker. Genau das werde ich in Locarno tun. Barbara Peter

      • Dienstag, 9.8., 21.30 Uhr, Piazza Grande
    • 3.
      «La Femme et le TGV»
      Ein Frau schaut aus einem Fenster und winkt mit einer Schweizerfahne.

      Bildlegende: Jane Birkin kam für ein kurzes Gastspiel in die Schweiz: Der Kurzfilm «La Femme et le TGV». Festival del Film Locarno

      Timo von Gunten ist einer der begabtesten Schweizer Jungregisseure. Mit seinen Kurzfilmen hat er einen ganz eigenen, fantastisch-realistischen Stil entwickelt. Zum Beispiel beim dialogfreien Kampf eines Mannes gegen eine Mücke in «Mosquito». Nun ist ihm ein spezieller Coup gelungen. Für seinen jüngsten Kurzfilm konnte er Jane Birkin in der Hauptrolle besetzen. Sie spielt jene ältere Dame an der TGV-Linie Bern-Paris, welche täglich einem Lokomotivführer zuwinkt und schliesslich einen Briefwechsel mit ihm anfängt. Bis die Linie stillgelegt wird. Michael Sennhauser

      • Freitag, 5.8., 14.00 Uhr, La Sala
      • Samstag, 6.8., 9.30 Uhr, L’altra Sala
      • Sonntag, 7.8., 21.00 Uhr, L’altra Sala
    • 4.
      «Jeunesse»
      EIn Mann packt einen anderen am Kragen und schreit ihn an.

      Bildlegende: Nicht nur das Meer ist stürmisch, sondern auch die Matrosen: Kévin Azaïs (rechts) in «Jeunesse». Festival del Film Locarno

      «Gib mir ein Schiff, das fährt, und ich bringe dich hin, wo du willst»: Zico, ein junger Franzose, hat Fernweh. Mit einer schrulligen Schiffscrew macht er sich auf eine waghalsige Reise – bei der nicht nur das Meer, sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen stürmisch sind. Der Film ist eine Adaption von Joseph Conrads «Heart of Darkness» – die Odyssee eines jungen Menschen ins Erwachsensein – und der erste Spielfilm des französischen Regisseurs Julien Salmani. Danja Nüesch

      • Mittwoch, 10.8., 14.00 Uhr, Auditorium FEVI
      • Donnerstag, 11.8., 23.15 Uhr, La Sala
      • Freitag, 12.8., 11.00 Uhr, PalaVideo
    • 5.
      «Wet Woman in the Wind»
      Ein Mann steht an einem Hafen, im Hintergrund sieht man eine Frau mit nacktem Oberkörper.

      Bildlegende: Frivoles Kino: «Wet Woman in the Wind». Festival del Film Locarno

      Festival-Leiter Carlo Chatrian schrieb animierend zu diesem Film: «Wenn ein Regisseur wie Akihiko Shiota sich vornimmt, den Softcorefilm wieder zu beleben, wendet er sich einem Genre zu, das im Japan der Siebziger- und Achtzigerjahre in voller Blüte stand: dem Nikkatsu Roman Porno. Frivoles Kino, einfache Handlungen, ein Netz der Sehnsucht und ein Schuss aufreizender Szenen.» Viele grosse japanische Regisseure haben in den 1970ern mit solchen Filmen angefangen. Sie hatten jeweils sieben Tage Drehzeit, alle künstlerischen Freiheiten, nur die Auflage, alle zehn Minuten eine Sexszene zu bringen. Deshalb kamen Filme raus, die oft mehr waren als wilde Bettspiele. Enno Reins

      • Freitag, 5.8., 18.30 uhr, Auditorium FEVI
      • Samstag, 6.8. 23.00 Uhr, L’altra Sala
      • Sonntag, 7.8., 23.30 uhr, Cinema Ex*Rex
    • 6.
      «Lost Highway»
      Ein Mann und eine Frau stehen mit ernsten Blicken nebeneinander

      Bildlegende: Fremd im eigenen Haus: Bill Pullman und Patricia Arquette in «Lost Highway» von David Lynch. Festival del Film Locarno

      Bill Pullman, der heuer mit dem «Excellence Award» geehrt wird, kennt man vor allem aus zwei Filmen. Zeitlich liegen sie nah beieinander, aber sie könnten nicht unterschiedlicher sein: 1996 gab Pullman in «Independence Day» den Präsidenten, ein Jahr später die Hauptfigur in David Lynchs «Lost Highway». Als zutiefst Verstörter schlafwandelt Pullman da durch dunkle Räume. Diesem Mann sind das eigene Haus und die eigene Frau derart fremd, das es schon fast logisch ist, dass er sich plötzlich in einen Anderen verwandelt. In Locarno kann man den Film wieder mal dort schauen, wo er am besten hinpasst: in einem dunklen Raum. Andres Hutter

      • Mittwoch, 3.8., 15.00 Uhr, La Sala
      • Freitag, 12.8., 13.30 Uhr, Teatro Kursaal
    • 7.
      «I, Daniel Blake»
      Eine weinende Frau neben einem Mann.

      Bildlegende: Treibt nicht nur Sozialisten die Tränen in die Augen: Hayley Squires und Dave Johns «I, Daniel Blake» von Ken Loach. Festival del Film Locarno

      Ein klassischer Loach-Film im Stil des «kitchen sink realism». Und wahrscheinlich Loachs letzter Film. Kollege Sennhauser beschreibt sein Kinoerlebnis so: «‹I, Daniel Blake› geht zu Herzen. Die junge Dame im Sitz neben mir erklärte, sie habe noch keinen Loach-Film gemocht. Der sei ein Sozialist und das sei nicht mehr ‹very fashionable›. Ihre Mutter habe seine Filme allerdings geliebt. Am Ende des Films sass sie heulend und schnuffelnd neben mir.» Eliane Leiser

      • Donnerstag, 11.8., 21.30 Uhr, Piazza Grande

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