70. Filmfestival Locarno Filmreife Momente: 70 Jahre Stars in Locarno

Nebst den Filmen spielen in Locarno die Stars die Hauptrolle. Von Marlene Dietrich bis Quentin Tarantino – ein Blick auf die denkwürdigsten Star-Auftritte in der Geschichte des Filmfestivals.

1947: Linda Darnell

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Linda Darnell in Locarno (1947)

0:20 min, vom 28.7.2017

Schon ganz zu Beginn brachte das Filmfestival Hollywood-Stars nach Locarno. In einem Extrablatt mit 22'000 Exemplaren verkündete die «Echo di Ticino» 1947 die Ankunft Linda Darnells.

Die Star-Texanerin kam am frisch gegründeten Festival gut an: «Sie benahm sich so natürlich und liebenswürdig, wie es sich heute für Publikumslieblinge ziemt», berichtete die Wochenschau des Schweizer Fernsehens. Ein Star – wie gemacht für die Schweiz.

1960: Marlene Dietrich

Die Dietrich kommt nach Locarno – das war 1960 eine Sensation. An den Lago Maggiore lockte sie aber nicht das Rampenlicht. Der kleine Sohn des Regisseurs Josef von Sternberg überredete die Diva, zum Locarneser Filmfestival anzureisen.

Das Schweizer Fernsehen folgte Dietrich auf Schritt und Tritt – sogar zum Shopping. Drei Tage wurde sie im Chevrolet rumchauffiert. Doch auch mit edler Karosse: Richtig in Gang kam die Schauspielerin nicht. Sie zeigte sich in Locarno eher schweigsam. Gern gesehen war sie am Festival ohnehin.

1983: Spike Lee

Spike Lee mit Brille. Er ist in Locarno.

Bildlegende: Da kennt ihn in Europa kaum einer: Spike Lee, 1983 in Locarno. Filmfestival Locarno

Es war seine erste Reise nach Übersee. Der Weg lohnte sich: Der Regisseur Spike Lee zeigte in Locarno «Joe's Bed-Stuy Barbershop: We Cut Heads», seinen ersten Spielfilm. Der wurde prompt mit einem Goldenen Leoparden ausgezeichnet. Der wenig bekannte US-Amerikaner kam auf einmal zum weltweiten Ruhm.

1984: Jim Jarmusch

Jim Jarmusch in Locarno.

Bildlegende: Blieb auch in Locarno cool: Jim Jarmusch erhielt 1984 einen Goldenen Leoparden. Locarno Filmfestival

«Festivals und Preise bedeuten mir nichts», sagte Jarmusch kürzlich in einem Interview mit der NZZ am Sonntag. Nichtsdestotrotz: 1984 gewann der junge Regisseur den Goldenen Leoparden für «Stranger than Paradise».

Jarmusch war die Entdeckung, der Preis ein Meilenstein in der Karriere des Regisseurs. An ihn kann sich Jarmusch aber kaum erinnern: «Besonders gefallen hat es mir, im Tal bei diesen Felsen zu schwimmen.»

1994: Quentin Tarantino

Tarantino geht.

Bildlegende: Kein Foto in Starqualität: Tarantino liess sich in Locarno nicht richtig ablichten. Filmfestival Locarno

Sozusagen mit der Goldenen Palme im Gepäck reiste Quentin Tarantino zum Filmfestival Locarno. «Pulp Fiction» wurde auf der Piazza Grande gezeigt. Doch statt sich selbst zu feiern, mischte sich der Regisseur unters Publikum. Er schaute sich in Ruhe die Retrospektive zu Frank Teshlin an. Ein bisschen Dolce Vita – nicht nur Arbeit: Das darf in Locarno auch sein.

2005: Wim Wenders

Wim Wender zeigt sein Leoparden-Shirt.

Bildlegende: Hatte eine wilde Katze drunter: Wim Wenders, 2005 im Locarno. Locarno Festival,

Was bedeutet es eigentlich, einen Ehrenpreis zu gewinnen? Das fragte sich Wim Wenders. 2005 wurde der deutsche Regisseur auf der Piazza mit einem «Pardo d’onore» prämiert – und spürte den Preis am eigenen Leib(chen): «Alle fragen mich, was es bedeutet, einen Ehrenpreis zu erhalten. Nun weiss ich es: Auch ich bin ein Leopard geworden.» Wenders Auftritt erntete einen rekordverdächtigen Applaus.

2011 und 2015: Bruno Ganz

Bruno Ganz hält einen Preis hoch.

Bildlegende: Roten Teppichen geht er lieber aus dem Weg: Bruno Ganz. Getty Images

Er hatte eigentlich einen Grund zu feiern: Bruno Ganz bekam 2011 einen Leoparden für seine Karriere. Doch ein Partytiger ist der Schweizer nicht. Lucius Barre, der Meister des roten Teppichs in Locarno, erinnert sich: «Statt direkt zur Afterparty zu gehen, wollte Ganz lieber einen kurzen Spaziergang zum Hotel machen.»

2015 jedoch war Ganz in Piazza-Laune: Zusammen mit Barbet Schroeder und Marthe Keller gab er statt wie geplant nur einem gleich drei Interviews – und wollte nicht mehr aufhören.

2016: Harvey Keitel

Harvey Keitel hält den Leoparden in der Hand.

Bildlegende: Er trug den Leoparden auf Händen: Harvey Keitel zeigte sich in Locarno in bester Laune. Keystone

«Ich versuche herauszufinden, wer zum Teufel ich überhaupt bin.» Gut gelaunt und streng überwacht zeigte sich Harvey Keitel in Locarno. Er beehrte das Festival, um einen Preis für sein Lebenswerk abzuholen.

Keitel plauderte aus den Nähkästchen – etwa über Tarantino, der ständig seinen Kühlschrank leer ass – und sprach über Highlights seiner Karriere. Über eine Rolle freute sich der fast 80-Jährige aber am meisten: Als Vater eines Sohnes erlebe er gerade «die beste Zeit seines Lebens».

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 4.8.2017, 12:10 Uhr.