«Floride»: Vom Warten auf die verstorbene Tochter

Witwer Claude ist ein charmanter Monsieur, im Alter noch rüstig und selbstständig. Zumindest soll das seine ältere Tochter glauben. Ihre Hilfe will er nicht akzeptieren – genauso wenig den Tod seiner jüngeren Tochter. Ein Film über den letzten Lebensabschnitt, der ans Herz geht.

Ein Mann mit einem blauen Hut.

Bildlegende: Er lässt sich seine Autonomie nicht nehmen: Jean Rochefort als Claude Lherminier. Frenetic Films

Video «Trailer «Floride»» abspielen

Trailer «Floride»

1:52 min, vom 10.8.2015

Vor 25 Jahren spielte der stets hinreissende Jean Rochefort für Regisseur Patrice Leconte in «Le mari de la coiffeuse».

Heute ist er 85 Jahre alt und perfekt in der Rolle des Claude Lherminier: ehemaliger Patron einer Papierfabrik in Annecy, geschiedener Witwer und der Schrecken all der Haushälterinnen, die seine energische Tochter Carole immer wieder für ihn anstellt.

Claude ist charmant, hat oft ein strahlendes Lächeln im Gesicht. Er ist überzeugt, alleine ganz gut zurechtzukommen. Er freut sich auf den Besuch seiner jüngeren Tochter aus Florida, ohne sich einzugestehen, dass diese vor Jahren bei einem Autounfall tödlich verunfallt ist.

«Floride» wäre bloss ein weiterer gut und sorgfältig gemachter Spielfilm über die Abenddämmerung eines Elternteils, wäre da nicht Rochefort mit seiner unglaublichen Präsenz noch in der rührendsten Abwesenheit und die ebenso starke Sandrine Kiberlain als seine Tochter Carole, die ihm auf jeder Ebene Paroli bietet.

Frisch ab Leinwand

SRF-Filmkritiker Michael Sennhauser schaut sich am Filmfestival Locarno Filme an und schreibt über seine ersten unmittelbaren Eindrücke.

Mehr Filmbesprechungen unter sennhausersfilmblog.ch.