Französisches Quasselkino aus Polen – hinreissend und anstrengend

Der Pole Andrzej Zulawski hat mit französischen Schauspielern einen Film gedreht, bei dem fast so viel geredet wird wie bei Éric Rohmer. «Cosmos», der in Locarno im interantionalen Wettbewerb läuft, kann man hinreissend finden. Oder anstrengend.

Ein Mann mit verkrampftem Lächeln und einer Zigarette zwischen den Zähnen.

Bildlegende: Einer von vielen Schnellsprechern: Jean-François Balmer als Leon. Festival del Film Locarno

Das ist mit ziemlicher Sicherheit der Film mit der grössten Wörterdichte im diesjährigen Wettbewerb von Locarno. Schon die zwei jungen Männer, die sich für ein paar Tage in eine Familienpension einmieten, geben abwechselnd poetische und flappsige Sentenzen von sich. Ganz zu Schweigen von der Pensionsfamilie, bestehend aus der von Sabine Azéma gespielten Madame Woytis, ihrem Mann Leon (der stets umwerfende Jean-François Balmer) und ihren beiden Töchtern.

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«Cosmos» (Ausschnitt)

0:30 min, vom 8.8.2015

Zunächst wirkt der auf französisch gedrehte Film des polnischen Altmeisters Zulawski wie eine Parodie auf das leichtfüssige Quasselkino von Éric Rohmer – jene Filme, in denen pausenlos räsoniert, geflirtet und poetisiert wird.

Und dann geht das auch noch über in eine Variation auf Shakespeares Sommernachtstraum. Mit einem erhängten Spatz am Waldrand fängt es an, dann muss die Familienkatze dran glauben, weil sich einer der jungen Männer in die frisch verheiratete Tochter des Hauses verliebt. Und bald steht die Frage im Raum, ob es noch weitere Opfer geben wird.

Die 103 Minuten sind absolut hinreissend, wenn man das Ohr dafür hat. Und ebenso anstrengend.