70. Filmfestival Locarno Locarno zeichnet chinesischen Sterbe-Dokumentarfilm aus

Der Goldene Leopard geht an den chinesischen Film «Mrs. Fang». Er zeigt die letzten Tage einer sterbenden Frau.

Ein Mann hält eine goldene Leoparden-Statue. im Hintergrund Publikum auf der Piazza Grande in locarno.

Bildlegende: Regisseur Wang Bing konnte auf der Piazza Grande den goldenen Leoparden entgegennehmen. Keystone

Die Jury des internationalen Wettbewerbes des Filmfestivals Locarno gibt den Goldenen Leoparden dem Film «Mrs. Fang».

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Ausschnitt aus «Mrs. Fang»

1:01 min, vom 12.8.2017

Der Dokumentarfilm des Chinesen Wang Bing zeigt die letzten Tage im Leben einer Frau. Fang Xiuying leidet an Alzheimer, ihre Behandlung wurde nach Misserfolgen eingestellt. Sie kehrt nach Hause zurück um zu sterben.

Verstörendes Sterben im Familienkreis

Verstörend an diesem Film ist für westliche Zuschauer der Umstand, dass die Frau tatsächlich im Kreis ihrer Familie stirbt, wie sich das viele Menschen wünschen würden. Aber in einem lauten und auf den ersten Blick kaltschnäuzig wirkenden Familienalltag, wo im Sterbezimmer auch geraucht und gestritten wird.

Der Goldene Leopard für «Mrs. Fang» sei eine doppelte Überraschung, sagt Filmkritiker Michael Sennhauser: «Einerseits gab es starke Spielfilme im diesjährigen Wettbewerb, andererseits ist gerade das schnörkellose filmische Begleiten des Sterbens einer alten Chinesin auf heftige Reaktionen gestossen in Locarno.


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Preis für Isabelle Huppert

Der Spezialpreis der Jury geht an das ungewöhnliche brasilianische Werwolf-Drama «Good Manners». Der Preis für die beste Regie geht an den Franzosen F.J. Ossang für «9 Doigts».

Als beste Schauspielerin wird Isabelle Huppert für ihre Rolle als verschüchterte Lehrerin in «Madame Hyde» geehrt, bester Schauspieler ist Elliott Crosset Hove in «Winter Brothers».

Als Favorit wurde in Locarno der Film «Lucky» gehandelt. Dass dieser komplett leer ausgeht, ist eine Überraschung. Ebenso unerwartet ist, dass mit «Mrs. Fang» ein Dokumentarfilm den Hauptpreis gewinnt.

Vielfältiges Filmprogramm

Der Wettbewerb sei dieses Jahr zugänglicher gewesen, sagt der künstlerische Leiter Carlo Chatrian. Und tatsächlich fanden sich im Wettbewerb wieder mehr narrative Filme und weniger Experimentelles als auch schon. Der Mix mit Dokumentar- und Genrefilmen sorgte dennoch für einen vielfältigen Wettbewerb.

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Filmfestival Locarno 2017: Das TV-Spezial

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Auch auf der Piazza war das Programm vielfältig. Filme wie der harte französische Film «Chien» oder das langsame Familiendrama «Drei Zinnen» verlangten dem Publikum einiges ab. Daneben gab es aber auch leichter zugänglichen Stoff wie die Komödie «The Big Sick» oder den Action-Film «Atomic Blonde».

Zurückhaltende Jubiläumsfeier

Im Rahmen des Festivals wurden prominente Filmschaffende mit Ehrenpreisen ausgezeichnet. Unter anderem durften Adrien Brody, Nastassja Kinski, Todd Haynes und Mathieu Kassovitz Goldene Ehrenleoparden in Empfang nehmen.

Die 70. Ausgabe ging ohne grosse Jubiläums-Feierlichkeiten über die Bühne. Festivalpräsident Marco Solari sagte dazu: «Wir sind ein äusserst ambitioniertes Festival sind, was das Programm und die Inhalte angeht, aber ein äusserst bescheidenes, wenn es um die Form geht.»

Die grösste Neuerung an der 70. Ausgabe war der neu eröffnete «Palazzo del Cinema». Das Gebäude am hinteren Ende der Piazza Grande enthält drei neue Kinosäle und wird ab der nächsten Ausgabe zum Standort der Festivalleitung.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 11.8.2017, 12.10 Uhr.

70. Filmfestival Locarno

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