«Right Now Wrong Then»: Zwei sehen sich zweimal zum ersten Mal

Vor einem antiken Palast spricht ein Regisseur eine faszinierende Künstlerin an. Die beiden verbringen den ganzen Tag miteinander. Doch Klick macht es zwischen den beiden nicht. Doch dann beginnt «Right Now Wrong Then» nochmal von vorne ...

Ein Mann und eine Frau am Tisch.

Bildlegende: Wenn ich doch nur alles nochmal machen könnte: Diesen Wunsch nimmt «Right Now Wrong Then» filmisch auf. Filmfestival Locarno

Der Südkoreaner Hong Sang-soo macht immer wieder sehr ähnliche Filme. Ein Mann (hier wieder ein Filmemacher) begegnet auf der Durchreise in einer Stadt einer Frau, die ihn fasziniert.

Er spricht sie an, sie gehen ins Café, dann zum Sushi Essen, wo vor allem er zu viel trinkt. Danach gehen sie zu Freunden von ihr, wo er noch mehr trinkt. Die Annäherung verläuft im Nichts – zu viele Phrasen, zu wenig Ehrlichkeit.

Nochmal von vorne

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Trailer «Right Now Wrong Then»

1:35 min, vom 13.8.2015

Und dann beginnt der Film noch einmal von vorne, an den gleichen Orten, mit den fast gleichen Dialogen. Bloss sind sie nun im entscheidenden Mass gehaltvoller, ehrlicher und neugieriger. Sowohl er wie auch sie zeigen mehr Interesse am anderen und weniger am Selbstbild.

Das ist sehr fein geschrieben und auch gespielt, die Nuancen sind subtil, der Effekt erheblich. Und doch bleibt der Film federleicht und heiter. Und erstaunlicherweise wirken beide Varianten auf ihre Weise realistisch und genau.

Frisch ab Leinwand

SRF-Filmkritiker Michael Sennhauser schaut sich am Filmfestival Locarno Filme an und schreibt über seine ersten unmittelbaren Eindrücke.

Mehr Filmbesprechungen unter sennhausersfilmblog.ch.