Überraschungssieger am Filmfestival Locarno

Am 66. Festival del Film Locarno geht der «Goldene Leopard» für den besten Film an den katalanischen Regisseur Albert Serra für seinen Film «Historia de la meva mort». Im Siegerfilm von Locarno trifft der Frauenheld Casanova auf Graf Dracula.

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Filmfestival Locarno: ein unkonventioneller Film gewinnt

2:13 min, aus Tagesschau vom 18.8.2013

Albert Serras Film - zwischen Aberglauben und Aufklärung angesiedelt - ist ein zweieinhalbstündiger Konversationsfilm in der Tradition von Scola und Resnais, in dem sich Casanova auf seine letzte Reise begibt. Ein Film mit immer wieder grossartigen Nachtszenen von besonderer Intimität.

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Trailer zu «Historia de la meva mort»

2:15 min, vom 17.8.2013

Der Spezialpreis der Jury geht an «E agora? Lembra-me» des Portugiesen Joaquim Pinto. Pinto, der seit fast 20 Jahren mit HIV und Hepatitis infiziert ist, dokumentiert darin seine Teilnahme an einer Studie mit toxischen, bewusstseinsverändernden Substanzen. Mit 164 Minuten Länge erfordert der zweitplatzierte Film noch mehr Sitzfleisch als der erste. Der Film überzeugt als persönliches Dokument mit immer wieder umwerfenden Bildern.

Der Preis für die beste Filmregie geht an Hong Sangsoo für den Film «U ri sunhi», ein charmanter kabinettstückhafter Film, der vom Versuch dreier Männer erzählt, eine Frau zu fassen, von der sie denken, sie würden sie kennen.

Shooting Star Brie Larson

Heimlicher Sieger des Festivals ist allerdings «Short Term 12» des Amerikaners Destin Cretton: Der Film über eine junge Frau, die in einer Auffangstation für problembelastete Jugendliche arbeitet, erhielt auf dem Festival minutenlangen Applaus und wurde mit insgesamt drei Preisen ausgezeichnet, darunter dem Silbernen Leoparden für die beste Hauptdarstellerin Brie Larson.

Es ist nicht deren erste Auszeichnung dieses Jahr. Im März war die 23-Jährige die Sensation am Festival South by Southwest in Austin, Texas: Dort erhielt sie für «Short Term 12» den Jury- und den Publikumspreis. Kurz darauf wählte die Zeitschrift «Entertainment Weekly» Larson zu den zehn meistversprechenden Newcomern.

Lobende Erwähnung für Schweizer Altmeister

Der Leopard für den besten Darsteller geht an Fernando Bacilio in «El Mudo» von Daniel und Diego Vega. Der Film erzählt von einem Mann, der sein Leben in einem Land, das von Korruption bestimmt ist, nicht mehr einfach so hinnehmen will, der seine Stimme erheben will - und sie, welch tragische Ironie des Schicksals, dabei verliert.

Besondere Erwähnungen erhielten «Short Term 12» von Destin Cretton und der Schweizerische Film «Tableau noir» von Yves Yersin. Die Dokumentation über eine abgelegene Schule im Jura erhielt zudem eine lobende Erwähnung von der Ökumenischen Jury. Die Jugendjury verlieh dem Film den Umweltpreis.

Publikumspreis für französischen Film

Wie schon in früheren Jahren bewies das Piazza-Publikum ein gesundes Misstrauen gegenüber Blockbustern: Es widerstand grossen Namen wie Christoph Blocher in «L'Expérience Blocher, Denzel Washington in »2 Guns«, Michael Caine in »Mr. Morgan's Last Love« oder Rachel McAdams in »About Time«. Es schenkte sein Herz stattdessen der leicht behinderten »Gabrielle« der Französin Louise Archambault.

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