Verliebt in eine hübsche Projektionsfläche

In «U ri Sunhi» versuchen drei Männer eine Frau zu fassen, die sie eigentlich kennen müssten, aber doch nicht kennen. Die klare, einfache Ausgangslage macht den Film zu einer herzlichen Miniatur mit Charme.

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U ri Sunhi (Filmszene)

2:59 min, vom 11.8.2013

In koreanischen Autorenfilmen spielt sich immer wieder ein guter Teil des Lebens oder doch wenigstens der Gespräche der Protagonisten im Café ab, oder beim Essen im Restaurant. Im jüngsten Film von Hong Sangsoo ist das besonders auffällig, weil er aus lauter starren Einstellungen besteht, der jeweils die junge Frau Sunhi im Gespräch mit einem der drei Männer zeigt, oder die Männer im Gespräch unter sich.

Drei Männer an einem See.

Bildlegende: Professor Choi (Kim Sang-Jung), Moon-Soo (Lee Sun-Kyun) und Jae-Hak (Jung Jae-Young) sprechen über Sunhi. Jeonwonsa Film Co.

Sunhi möchte doch nur eine Empfehlung

«Unsere» Sunhi, so der Filmtitel, ist eine junge Frau, welche ihr Filmstudium abgeschlossen hat und nun von ihrem Professor eine Empfehlung für ein Postgraduate-Studum in den USA haben möchte. Aber sowohl er, wie auch ihr Ex-Freund Munsu und ein ehemaliger Komilitone erklären, dass sie sie nicht wirklich kennen würden, weil sie so zurückhaltend und verschlossen sei. Zugleich wird aber deutlich spürbar, dass alle drei Männer nicht nur fasziniert sind von Sunhi, sondern verliebt. Verliebt in die hübsche Projektionsfläche.

Einfache Erzählweise

Sunhi und Jae-Hak unter einem Regenschirm.

Bildlegende: Sunhi (Jung Yu-Mi) die schöne Projektionsfläche in Begleitung einer ihrer Verehrer (Jung Jae-Young als Jae-Hak). Jeonwonsa Film Co.

Einer der der Treffpunkte ist ein Café Gondry, und die Referenz an den Franzosen ist kein Zufall. Ein Café Tati wäre ebenfalls passend gewesen. Mit beiden verbindet die amüsierte Gutmütigkeit und die kindliche Einfachheit der Erzählweise den Film. Eines der wenigen Stilmittel sind die hin und wieder in die starre Einstellung integrierte kurze Zooms, ein Näherrücken des Blicks auf die Figuren oder auf Bäume, als ob die Kamera blinzeln und dann neu fokussieren würde. Das sind tatsächlich Momente des Näherrückens und des leisen Erstaunens.

Ein kleines Kabinettstückchen

Eine junge Frau auf der Suche und drei Männer, die sich ein Bild von ihr machen: Viel einfacher und zugleich komplexer könnte die Ausgangslage nicht sein. Und dabei bleibt es wunderbarerweise auch. «U ri Sunhi» ist ein Kabinettstückchen, eine herzliche Miniatur mit dem Charme eines Stummfilms – auch wenn andauernd geredet wird.

Dass die Tonspur am ersten Screening in Locarno unterirdisch schlecht war, liess mich erst denken, der Film sei mit Direktton und Mobiltelefon gedreht worden – angesichts der einfachen Machart nicht von der Hand zu weisen. Aber wahrscheinlich war eher etwas an der digitalen Kopie kaputt. Ein zweiter Versuch des Operateurs nach fünf Minuten Film zeitigte jedenfalls das gleiche Resultat.