Oliver Stone will «Snowden» den Weg nachhause ebnen

Zum dritten Mal besuchte Oliver Stone das Zürich Film Festival. Dabei hatte er seinen neuesten Film: «Snowden». Es geht um das Leben und Leiden des Whistleblowers. Der Film ist ein Aufruf Edward Snowden zu rehabilitieren, damit er nach drei Jahren im Moskauer Exil nach Hause zurückkehren kann.

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5 Fragen an Oliver Stone

4:53 min, vom 28.9.2016

Ein Rubik‘s Cube, eine «Pole»-Tänzerin, ein Hotelzimmer, das sind die Ingredienzen, die Oliver Stone benutzt um die Geschichte rund um Edward Snowden zu dramatisieren.

Der Rubik‘s Cube Würfel steht am Anfang des Filmes «Snowden». Der scheue Computeranalyst Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) trifft in Hong Kong auf die Journalisten Laura Poitras und Glenn Greenwald. Sein Erkennungszeichen ist der Würfel.

US-Soldat mit Helm.

Bildlegende: Der scheue Computeranalyst Edward Snowden gespielt von Joseph Gordon-Levitt. Pathé Films

Unbeschwerte Tänzerin und paranoider Nerd

Derselbe Würfel ist es, der im Film die zentrale Rolle spielt, als Snowden die Daten herausschmuggelt, die die Welt verändern werden. Er versteckt nämlich den Chip mit den Informationen in dem Spielzeug und kann so die Informationen unbehelligt aus dem Hochsicherheitstrakt der NSA schaffen. Das hat nie so stattgefunden, ist aber wirksam für die Dramaturgie der Geschichte.

Die «Pole»-Tänzerin ist seine Freundin Lindsay Mills (Shailene Woodley). Naiv, hübsch, verführerisch – sie ist das Gegenteil des zur Geheimhaltung verdonnerten CIA-Agenten Snowden. So unbeschwert sie sich gibt, so paranoid verhält sich Snowden, weil er alles weiss und sie nicht das Geringste ahnt.

Mehr Liebe als ihm wahren Leben

Ein bisschen Erotik, viel naive Neugierde - die Rolle von Snowdens Freundin besteht darin, dem emotionslosen Nerd ein bisschen menschliches «Faible» einzuhauchen. Und ja ihr Hobby ist «pole dancing».

Die Liebesgeschichte zwischen den beiden, die im Film - wie auch im Leben - immer wieder auf die Probe gestellt wurde, haucht dem Datenklau die nötige Portion Emotionen ein. Stone, so scheint es, hat diese Liebesgeschichte ausgebaut, vor allem weil Snowdens Verwandlung vom Patrioten zum Whistleblower nicht genug Stoff hergab.

Mann und Frau schauen sich an

Bildlegende: Ihre Liebesbeziehung wird im Film, wie auch im wahren Leben, auf die Probe gestellt. Pathé Films

Das ominöse Hotelzimmer

Eine der Schlüsselszenen im Film: Ein Dutzend NSA-Mitarbeiter verfolgt am Fernsehen wie der Direktor der National Security Agency vor dem Kongress lügt und behauptet, nie im grossen Stil Daten von US-Bürgern gesammelt zu haben. Auf einen Schlag wird allen klar: was sie tun, ist illegal. Umso erstaunlicher ist es, dass Snowden der einzige war, der an die Öffentlichkeit trat.

Die Rahmenhandlung des Films spielt im ominösen Hongkonger Hotelzimmer, in dem Snowden von den Journalisten Laura Poitras und Glenn Greenwald interviewt wurde und er die Daten übergeben hat.

Wer wissen will wie es wirklich war: Der Dokumentarfilm «Citizenfour», aus dem Jahr 2014, von Laura Poitras erzählt chronologisch, was damals in Hongkong passierte.

Oliver Stone nutzt das Hotelzimmer vor allem, um Rückblenden über Snowdens Leben einzuleiten. Diese verschiedenen Episoden des jungen Geheimagenten Snowden sind relativ unspektakulär.

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Oliver Stone zu Gast am Zurich Film Festival

5:50 min, vom 28.9.2016

Lasst Snowden heimkehren

Wer Stones Filme kennt, weiss, er will die Geschichte hinter der offiziellen Geschichtsschreibung erzählen. Er will die Wahrheit hinter den Floskeln der Regierung ans Licht bringen. Das hat er in seinen Filmen «Nixon» (1995) und «JFK»(1991) versucht - und in seiner dokumentarischen Fernsehserie «The Untold History of the USA» (2012) zum Prinzip erhoben. Auch «Snowden» gehört in diese Reihe von Filmen.

Stones Fiktionalisierung von Snowdens Geschichte hilft allerdings wenig, die Verwandlung des Patrioten und treuen NSA-Soldaten zum Whistleblower zu verstehen. Und auch die Frage, wie es zu dieser gigantischen Überwachungsmaschinerie kommen konnte, wird nur gestreift. Der Film ist mehr ein Aufruf Edward Snowden zu rehabilitieren, damit er nach drei Jahren im Moskauer Exil, endlich nach Hause zurückkehren kann.