Kino-Technologie Filmisch ist von 3D nicht mehr viel zu erwarten – technisch schon

3D ist tot: Zumindest im Wohnzimmer. 3D-Fernseher sind vom Markt verschwunden. Im Kino kann sich der 3D-Film hingegen behaupten – in einer Nische.

Mann mit 3D-Brille alleine in einem Kinosaal

Bildlegende: 3D-Brillenträger haben sich etabliert, bilden aber nur einen kleinen Teil des Kinopublikums. Getty Images

Noch vor wenigen Jahren waren Elektronikgeschäfte voll mit 3D-Fernsehern. Heute sucht man vergeblich danach: Sämtliche grossen Hersteller von TV-Geräten haben die 3D-Technologie aufgegeben, neue Geräte werden nicht mehr hergestellt.


3D hat sich in der Nische etabliert

3:45 min, aus Kultur kompakt vom 22.02.2017

Im Kino konstant

Anders sieht es im Kino aus: Dort hat sich 3D etabliert. 2009 kamen die ersten 3D-Filme ins Kino, seither hat sich ihr Marktanteil in der Schweiz bei rund 20 Prozent eingependelt. Jährlich kommen etwa 40 neue 3D-Filme in die Schweizer Kinos.

«Wir gehen davon aus, dass 3D ein fester Bestandteil des Kinoprogramms geworden ist – und bleiben wird», sagt der Kinobetreiber Stephan Herzog. Er leitet das Multiplex-Kino Pathé in Dietlikon. Es gehöre zu den Aufgaben eines Kinos, den Kunden stets neue Technologien anzubieten, sagt Herzog.

3D bringt's nicht bei allen Filmen

In der Breite hat sich das 3D-Kino nicht durchgesetzt. Etablieren konnte es sich nur in bestimmten Nischen, sagt Filmwissenschaftlerin Barbara Flückiger von der Universität Zürich. «Bei Computer-Animationsfilmen zum Beispiel, oder bei Genres, die stark die Erlebnisdimension bedienen wie Science-Fiction oder Fantasy». Bei anderen Genres sei der Mehrwert für den Zuschauer gering.

3D ist nicht in die Kinos gekommen, weil die Zuschauer es gewünscht haben. «3D war ein Vehikel, um die digitale Projektions-Technologie ins Kino zu bringen», sagt Flückiger.

Die digitale Projektion bringt den Kinos und den Verleihern Vorteile, dem Zuschauer hingegen nicht. Der Mehrwert des digitalen Kinos für das Publikum wurde mit 3D geschaffen.

Filmszene: Ein menschenähnliches Wesen mit blauer Haut und spitzen ohren.

Bildlegende: James Cameron's Film «Avatar» verhalf dem 3D-Kino 2009 zum Durchbruch. Fox

«Avatar» macht nur mit Brille Spass

«3D bringt dem Zuschauer ein besseres Kino-Erlebnis», sagt Kinobetreiber Herzog. Wer einen Film wie «Avatar» in 3D gesehen hat, wird das nicht bestreiten. Ein solches Spektakel ist heute aber eher die Ausnahme. Denn die Studios setzen meistens nicht konsequent auf 3D.

Die Filme kommen fast immer auch in 2D in die Kinos, müssen also auch ohne dritte Dimension funktionieren. «Ob ich einen Film wie ‹Rogue One: A Star Wars Story› in 3D oder 2D schaue, spielt eigentlich keine Rolle», sagt Filmkritiker Michael Sennhauser.

Natürlich gebe es auch Ausnahmen, die wirklich mit der 3D-Technologie spielen, sagt er: «Tim Burtons ‹Miss Peregrine's Home for Peculiar Children› zum Beispiel.»

Die zweite Kamera ist meistens virtuell

Aber viele Filme setzen nur halbherzig auf 3D. Das zeigt sich auch darin, dass meistens in 2D gedreht wird. «Filme werden je länger je weniger in 3D gedreht», sagt Barbara Flückiger. Gerade bei Filmen mit viel computergeneriertem Bildmaterial geht die Konvertierung von 2D zu 3D relativ einfach.

Denn da kann man die für das 3D-Bild notwendige zweite Kamera einfach vom Computer simulieren lassen. Bei einem Realfilm muss man wirklich zwei Kameras aufstellen – das ist aufwändig und teuer.

Die Experimente sind vorbei

Auch wegen diesem Kostenaufwand kann man davon ausgehen, dass der 3D-Film sich ausserhalb seiner Nische nicht mehr gross verbreiten wird.

Experimente abseits des Mainstream-Kinos, wie sie Regisseure wie Werner Herzog, Jean-Luc Godard oder Wim Wenders gemacht haben, sind zu kostspielig, als dass sie mehr als Ausnahmeerscheinungen sein könnten.

Was bringt «Avatar 2»?

Filmisch sind von 3D keine grossen Fortschritte mehr zu erwarten. Technisch hingegen schon. Die Technik wird laufend weiterentwickelt: Auflösung, Framerate, Lichtstärke und Farbtiefe von 3D-Filmen werden künftig noch besser werden.

Einen technischen Quantensprung erhofft man sich erneut von James Cameron, dem Schöpfer von «Avatar». Die Fortsetzung des Filmes soll 2018 in die Kinos kommen und das Publikum nochmals von Neuem für 3D-Filme begeistern.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 21.2., 12:10 Uhr

3D in Zahlen

Der Dachverband der Schweizer Kinos Procinema listet im Jahresbericht 2016 40 3D-Filme, die in diesem Jahr ins Kino kamen (2015: 36; 2014: 45). 21 Prozent der verkauften Tickets waren für 3D-Filme (2015: 19 Prozent; 2014: 21). Es gibt in der Schweiz 161 Kinos und 289 Säle, die 3D-Filme zeigen konnten (2015: 166 Kinos, 298 Säle).

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