Das dokumentarisch-didaktische Kino von Franz Schnyder

Die beiden Dokumentationen «Der Souverän» und «Der Sittlichkeitsverbrecher» zeigen die didaktische Seite des Regisseurs Franz Schnyder. Die Dokumentarfilme sind aus heutiger Sicht eher untypisch und vor allem kurios.

«Der Souverän – Lebendige Demokratie« (1947)

Mit dem Dokumentarfilm «Der Souverän» zeigt der Regisseur Franz Schnyder das Leben der ländlichen Bevölkerung mit ihrem Bewusstsein für den eigenen Grund und Boden als Wurzeln der Demokratie. Selbstverantwortung  spielt eine zentrale Rolle im Film.

Am Beispiel einer fiktiven Bauernfamilie schildert der Film nebst dem landwirtschaftlichen Alltag den Umgang mit Rechten und Pflichten in der freien und demokratisch regierten Schweiz.

Geplant war ursprünglich eine sechsstellige Dokumentarfilm-Reihe zum Thema «lebendige Demokratie». Daraus enstand schliesslich ein stark gekürzter Dokumentarfilm von 22 Minuten Länge. Das Lehrstück über die Souveränität freier Staatsbürger drehte Franz Schnyder in seiner Heimat, dem Emmental.

«Der Sittlichkeitsverbrecher» (1963)

«Der Sittlichkeitsverbrecher» ist ein dokumentarischer Spielfilm, in dem der Regisseur Franz Schnyder vier Fälle von pädophilen Übergriffen nachzeichnet. Der Film hatte zum Ziel, die damals modernen Methoden forensischer Forschung zu demonstrieren.

Im Zentrum des von Schnyder mitverfassten Drehbuchs standen die Akten tatsächlicher Gerichtsverfahren. Obwohl der Film aus heutiger Sicht bisweilen etwas kurios anmutet, entsprach der Gegenstand des Films zu dem Zeitpunkt der Aktualität. Es wurden zahlreiche Sexualdelikte an Kindern begangen, was Schnyder thematisierte.

Für Kritik sorgte allerdings die einseitige Darstellung  der Kriminellen als künstlerisch Tätige oder Homosexuelle. Im «Der Sittlichkeitsverbrecher» finden sich die gängigen Vorurteile der Drehbuchautoren und des Publikums dieser Zeit wieder.