Uli der Knecht (1954)

Im Bauernepos «Uli der Knecht» verkörpert Hannes Schmidhauser den Uli, der es vom Waisenkind zum Meisterknecht und schliesslich zum angesehenen Pächter der Glungge bringt. Liselotte Pulver ist das Vreneli, seine spätere Frau. Der Film wurde zum Kinorenner und machte beide Hauptdarsteller zu Stars.

Inhalt

Einem Knecht, der den Kopf voll Wein und Schnaps hat, will der Bodenbauer (Heinrich Gretler) sein Vieh nicht anvertrauen. Das erfährt Uli (Hannes Schmidhauser) bei einem nächtlichen Gespräch auf der Bank vor dem Haus. Der Knecht, der als Waisenkind aufgewachsen ist, geht in sich.

Auf dem Markt treffen sich wenig später der Bodenbauer und der eigenwillige Joggeli von der Glungge (Emil Hegetschweiler). Joggeli sucht einen Meisterknecht und bekommt guten Rat.

Uli tritt zu Neujahr auf dem Glunggenhof an. Hier erwartet ihn allerdings wenig Freundlichkeit. Der Knecht (Max Haufler) will Ulis Pferd nicht in den Stall führen. In der Stube streitet sich Joggeli mit seinem Sohn Johannes (Erwin Kohlund) und dessen Frau Trinette (Stephanie Glaser). Nur die Glunggenbäuerin (Hedda Koppé) heisst Uli herzlich willkommen, und das uneheliche Vreneli (Liselotte Pulver), das hier im Dienst steht, zeigt ihm, wo er schlafen kann.

Obwohl der Meister ihm kaum hilft, weiss Uli sich gegen zwei faule, bösartige Knechte durchzusetzen. Als sie absichtlich ein geladenes Fuder in den Graben fahren lassen, überspannen sie den Bogen und werden von Joggeli entlassen.

Nicht nur der Glunggenbauer, sondern auch seine Tochter Elisi (Marianne Matti) merken allmählich, was in Uli steckt. Ungeniert sucht ihn Elisi für sich zu gewinnen. Doch Uli entdeckt, wie gut die Magd Vreneli zu ihm passen würde.

Hintergrundinformationen

Der in Burgdorf BE geborene Franz Schnyder (1910 bis 1993) kannte das Emmental wie seine Hosentasche. Und Jeremias Gotthelf, der Erzähler und Prediger aus Lützelflüh, war ihm geistesverwandt. So lag es nahe, dass die Gloriafilm sich an ihn wandte, als im Vorfeld von Gotthelfs 100. Todestag daran gedacht wurde, die erfolgreiche Radioserie «Uli der Knecht» auf die Leinwand zu bringen.

Zusammen mit dem erfahrenen Autor Richard Schweizer und dem jungen Werner Düggelin schrieb Schnyder ein Drehbuch, das sich eng an die Vorlage hielt. Gotthelfs Denkweise blieb erhalten, die Dialoge wurden zum grossen Teil der Romanvorlage entnommen. Weil das knappe Budget teure Studiobauten kaum zuliess, wurde vor allem auf zwei alten Bauernhöfen in Wynigen und Eggiwil im Emmental gedreht.

Emil Berna sorgte für kernige Bilder mit poetischem Touch. Und die populäre Besetzung (Hegetschweiler, Gretler, Rasser, Kohlund und so weiter) wurde aufgefrischt mit zwei jungen Hauptdarstellern: der Bernerin Liselotte Pulver, im deutschen Film bereits bekannt und gefragt, verkörperte das Vreneli, der aus Locarno gebürtige Hannes Schmidhauser war Uli. Für beide wurde «Uli der Knecht» zum nationalen Meilenstein.

Zahlen und Fakten

  • Produktion: Gloriafilm AG, Zürich
  • Produzenten: Dr. Oscar Düby und Max Dora
  • Erstaufführung: 19.10.1954 im Kino Scala in Zürich
  • Drehzeit: 12. April bis 19. Juni 1954
  • Innenaufnahmen: Filmstudio Rosenhof, Zürich
  • Aussenaufnahmen:
  • Emmental (BE): Brechershäusern ob Wynigen, Eggiwil, Heimischmatt, Würzbrunnen
  • Bern: Junkerngasse

Quelle: «Geschichte des Schweizerfilms» (Hervé Dumont, Lausanne 1987)

Cast

u.v.a.

Crew

  • Regie: Franz Schnyder
  • Drehbuch: Richard Schweizer, Werner Düggelin und Franz Schnyder
  • nach dem Roman «Wie Uli der Knecht glücklich wird. Eine Gabe für Dienstboten und Meisterleute» von Jeremias Gotthelf
  • Kamera: Emil Berna
  • Musik: Robert Blum
  • Schnitt: Hans-Heinrich Egger und Hermann Haller