Franz Schnyder, der vergessene Filmstar

Franz Schnyder war der erfolgreichste Schweizer Filmregisseur des 20. Jahrhunderts. Kürzlich sind Fragmente eines Stummfilms aufgetaucht, die den blutjungen Schnyder als Schauspieler zeigen – zum ersten Mal. Ein junger Cineast will den Film ins Kino bringen.

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Produktionstrailer zu «Das kalte Herz» (1933)

2:55 min, vom 28.7.2015

Schnyders Gotthelf-Adaptionen wie «Uli der Knecht», «Die Käserei in der Vehfreude» oder «Anne Bäbi Jowäger» gehören zum kulturellen Erbe unseres Landes. Jetzt ist ein Film aufgetaucht, in dem Schnyder während seiner Lehrjahre in Deutschland als Schauspieler auftritt. Das ist eine kleine Sensation: Die Produktion «Das kalte Herz» aus dem Jahr 1933 war bisher unbekannt.

Per Zufall ist der junge filmbegeisterte Emmentaler Raff Fluri auf diesen Schatz gestossen. 2009 recherchiert er im Nachlass von Franz Schnyder, um eine Ausstellung zu dessen 100. Geburtstag vorzubereiten. Er stösst auf eine VHS-Kassette mit Filmausschnitten, die er nicht zuordnen kann. Der Hauptdarsteller in diesen Fragmenten hat verblüffende Ähnlichkeit mit dem Regisseur. Kann es sein, dass es tatsächlich Franz Schnyder ist?

Herzblut für ein kaltes Herz

Die Entdeckung lässt Raff Fluri keine Ruhe. Erste Nachforschungen bleiben ergebnislos. Weder in Schnyders Unterlagen noch in den schweizerischen Filmarchiven gibt es Hinweise. Auch das Internet bringt keine Resultate. Enttäuscht stellt Fluri die Suche ein.

Zwei Männer und eine Frau sitzen auf einem Felsen.

Bildlegende: Karl Ulrich Schnabel, Franz Schnyder und Herta Kröhling bei den Dreharbeiten zu «Das Kalte Herz» 1932. schnabelmusicfoundation.com

Drei Jahre später taucht ein Foto auf, das Franz Schnyder mit Regisseur Karl Ulrich Schnabel beim Dreh von «Das kalte Herz» zeigt. Fluri macht die Schwägerin von Schnabels Tochter ausfindig. Sie schickt ihn zur Akademie der Künste in Berlin. Dort entdeckt er schliesslich die originalen 16mm-Elemente und ein Drehbuch des fertiggestellten Films. «Das kalte Herz» ist ein Stummfilm mit Musik und Zwischentiteln. In Schnabels Adaption von Wilhelm Hauffs gleichnamigen Märchen spielt Schnyder den Kohelmunk-Peter, einen Köhlersohn mit grossen Träumen.

Schon vor der geplanten Uraufführung von den Nazis zensiert, blieb dem Film damals die Kinoleinwand verwehrt. Fluri will das nun ändern. Er versucht, die ursprüngliche Fassung von «Das kalte Herz» zu rekonstruieren und zu restaurieren.

Für die Finanzierung dieses filmarchäologischen Projekts greift Raff Fluri auf ein modernes Mittel zurück: Einen Teil der Kosten will er durch Crowdfunding beschaffen. 2016 soll «Das kalte Herz» in die Kinos kommen – 83 Jahre nach der Herstellung.

SRF hilft mit

Als Verwalter des filmischen Nachlasses von Franz Schnyder beteiligt sich SRF an der Restaurierung zu «Das kalte Herz». Der Film ist eine historisch wertvolle Ergänzung zur Biographie Schnyders.