Hip-Hopper aus der Muckibude: «Teenage Mutant Ninja Turtles» 2014

Mutierte Riesenschildkröten, benannt nach italienischen Renaissance-Künstlern retten die Welt. Was sich nach einer Freakshow anhört, war der Kult-Cartoon der 90er. Jetzt sollen die «Teenage Mutant Ninja Turtles» – perfekt Computer animiert – eine neue Generation begeistern.

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Filmkritik: «Teenage Mutant Ninja Turtles»

3:52 min, vom 15.10.2014

Seit den 1980er-Jahren unterhalten die «Teenage Mutant Ninja Turtles», kurz «TMNT», die Kids von heute und von gestern. Pünktlich zum 30. Jubiläum kommt nun die technisch aufgepeppte Version der grünen Karate-Kröten ins Kino.

Am Kern der Geschichte hat sich nicht viel geändert. Die Verbrecherorganisation «Foot Clan» und ihr Anführer Shredder bedrohen New York. Zusammen mit einem machtgierigen Wissenschaftler (William Fichtner) soll die Stadt mittels eines gefährlichen Virus lahm gelegt werden. Mit dem Gegengift in der Tasche wollen sie die New Yorker zur Kassen bitten. Doch Rettung naht durch mutierte Riesenschildkröten, die «Teenage Mutant Ninja Turtles». Menschliche Unterstützung erhalten die Turtle-Jungs von der rasenden Reporterin April O’Neil (Megan Fox). Ob die Turtle-Power ausreicht um den abscheulichen Plan zu vereiteln?

Wer oder was sind die «Teenage Mutant Ninja Turtles»?

3 Ninja Turtles mit April O'Neil in der Mitte

Bildlegende: Gruppenfoto mit Megan Fox als April O'Neil Paramount Pictures

Aus einer Anti-Helden Bewegung in den 80ern entstanden die vielleicht kuriosesten Comic-Helden: Vier mutierte Riesenschildkröten, benannt nach italienischen Renaissance-Künstlern. Leonardo, Donatello, Raphael und Michelangelo. Eine ebenfalls mutierte Riesenratte, Meister Splinter, führt die Turtles in die Ninjutsu-Kampfkunst ein. Die Kanalisation von New York ist ihre Heimat, Pizza ihre Leibspeise und wenn sie nicht gegen das Böse kämpfen, sind sie normal, freche Teenies die stets einem coolen Spruch auf Lager haben.

Diese untypischen und skurrilen Helden, erschienen erstmals 1984 in einer Comic-Reihe. Der Erfolg war so gross, dass von 1987 - 1996 die berühmte Zeichentrickserie «Teenage Mutant Hero Turtles» über den Fernseher flimmerte. Wer nun um die 30 Jahre alt ist, wird jetzt vielleicht Frank Zanders Titelsong vor sich hin summen: «Hey jetzt kommen die Hero Turtles, superstarke Hero Turtles….».

Ninja Turtel Raphal im Kampf

Bildlegende: Raphael: Muskulöse Turtle-Power Paramount Pictures

Nach der Zeichentrickserie folgten viele Real-Verfilmungen und weitere animierte TV-Serien. Die Turtles-Magie lässt nicht nach. Für die Neuaufmachung 2014 hat der berühmte Actionfilm-Produzent Michael Bay («Transformers») dick aufgetragen. Doch funktionieren die schrulligen Kröten auch unter den Bedingungen moderner Blockbuster- und Action-Standards?

Nostalgiebrille vs. 3D-Brille

Dank perfekter Computeranimationen sind die «TMNT» 2014 zu fast lebensechten Figuren geworden. Doch hätten sich alte Fans die Turtle-Jungs in Real so ausgemalt? Muskelbepackte, drei Meter grosse Schildkröten mit Stiernacken, die dazu auf Hip-Hop machen? Vielleicht nicht. Aber der Film will ganz klar eine neue Generation ansprechen und die alten Fans dazu animieren, die Nostalgie- durch die 3D-Brille auszutauschen. Daran ist nichts verkehrt. Doch will «TMNT» auch als harter Action-Kracher ernst genommen werden. Und hier scheitert das Konzept. Ernsthaftigkeit und Ninja Turtles ist wie falsch verstandene Ironie. Nur der Endgegner Shredder ist in seiner neuen Hightech Klappmesser-Rüstung so überspitzt gezeichnet, dass es wieder lustig ist.

Bösewicht in komischer Ninjarüstung

Bildlegende: Schick aufgerüstet. Shredder im neuen Klappmesser-Kampfanzug Paramount Pictures

Freunde von «No-Brainer»-Action-Streifen mit makellosen Animationen und Effekten dürfen sich im Schildkröten-Schlagen-Schurken-Spektakel gut aufgehoben fühlen. Wer aber an den alten Kampfruf «Cowabunga» denkt, sollte vielleicht doch lieber die alten «TMNT»-VHS-Kassetten ausgraben.