Japans Kinostar Takashi Miike: Vom Schocker zum Samurai

Lange war der japanische Regisseur Takashi Miike auf blutige Filme an der Schmerzgrenze spezialisiert. Mit «13 Assassins» hat sich dies geändert: Miike schuf damit einen Samurai-Film mit ernsthaftem Unterton. SRF zeigt den Film über die untergehende Epoche des Schwertadels am Samstagabend.

«Kiri-kiri-kiri» flötet eine zierliche Japanerin unschuldig, während sie ihr Opfer genüsslich mit Nadeln und Sägedraht peinigt. Wer je den Horrorfilm «Audition» von Takashi Miike gesehen hat, dürfte sich zeitlebens an ihr Zwitschern erinnern. Es mag bei besagter Szene nicht jeder Besucher in Ohnmacht gefallen sein wie jener arme Kerl im Zürcher Kino Riff-Raff, der es damit sogar in die Lokalnachrichten schaffte. Schmerzverzerrte Gesichter hatten aber alle.

Brutal und surreal zugleich

Quentin Tarantino nannte Takashi Miike den Grossmeister ultrabrutaler Filme, die unter die Haut gehen. Oft übersehen wird dabei Miikes ausgeprägter Sinn für bizarren Humor und Surrealismus: Etwa im Film «Zebraman» (2004), in dem sich ein Primarlehrer als Rächer im Zebrakostüm auftritt. Oder in «Gozu» (2003) in einer bizarren Szene mit einem Kuhkopfdämon.

2010 stellt der Regisseur die Vielseitigkeit eines begnadeten Erzählers unter Beweis, die viele dem vermeintlichen Springteufel nicht zugetraut hätten: Mit «13 Assassins» leistete Takashi Miike einen ernsthaften Beitrag zum «Jidai-geki»-Genre, dem Historienfilm, über dem seit seinen «Sieben Samurai» Akira Kurosawa mit gezogenem Schwert wacht.

Erst Zurückhaltung, dann der Blutrausch

«13 Assassins» ist ein Remake des gleichnamigen, neun Jahre nach dem Kurosawa-Klassiker gedrehten Samuraifilm von Eiichi Kudô. Es ist ein Schwanengesang auf die untergehende Epoche des Schwertadels – einer vom Ehrbegriff geprägten Welt, in der Gut und Böse noch unterscheidbar waren. Ein letztes Mal rappeln sich die vom Mythos des Samurai zehrenden Männer, die aus der Zeit gefallen sind, auf und nutzen die letzte Gelegenheit, ehrenhaft zu sterben.

Die erste Hälfte seines Zweistünders inszeniert Takashi Miike mit vornehmer Zurückhaltung, um dann einen wahren Blutrausch zu entfesseln. «13 Assassins» ist ein Meilenstein im Schaffen dieses faszinierenden Filmemachers: Grosses Actionkino in historischem Gewand.

Vielfilmer zwischen Trash und Cannes

Porträt von Takashi Miike.

Bildlegende: Mutet seinen Fans einiges zu: Regisseur Takashi Miike. Keystone

Im Vergnügungspark Kino hat Takashi Miike stets die Achterbahn betrieben. Man darf zwar sicher sein, die Fahrt lebend zu verlassen, nimmt aber weiche Knie und einen grünen Teint in Kauf. Der Japaner hat seinen Fans viel zugemutet.

In seinen neusten Filmen lässt er mehr und mehr vom Schock als Selbstzweck ab. Nun merken auch gemässigtere Cinéphile, was sie an ihm haben: den potentesten Regisseur des aktuellen japanischen Filmschaffens.

Dabei wollte Takashi Miike gar nie Klassenprimus werden. Der 1960 am Rande Osakas geborene Filmemacher verspottete Regisseure pauschal als Pausenclowns der Intelligenzija. Wie B-Movie-König Roger Corman dreht Miike nicht fürs Pantheon der Filmgeschichte – dafür unglaublich viel. Imponierende 90 Mal hat er im Regiestuhl Platz genommen und kommt damit auf vier Produktionen jährlich.

In der Fülle seiner Filme waren längst nicht alle Grosserfolge, doch nebst «Audition» (1999) sind «Ichi the Killer» (2001) und «Visitor Q» (2001) längst nicht nur einem Genrepublikum bekannt. Auch im diesjährigen Programm der Filmfestspiele von Cannes ist Miike vertreten, mit dem Film «Shield of Straw».

Sendeplatz

«13 Assassins» wird am Samstag, 18. Mai, um 23.45 Uhr auf SRF zwei gezeigt.