Johnny Depp wird 50 – aber zum Glück nicht erwachsen

Die Regenbogenpresse kürt Johnny Depp alle paar Jahre zum «Sexiest Man Alive», also zum «heissesten Typ der Welt». Kein Wunder: Er sieht toll aus, der ewig Jungenhafte – und er tut so, als würde er sich nicht drum kümmern, als wäre es ihm beinahe etwas peinlich. Die Masche funktioniert. Auch mit 50.

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«Happy Birthday, Depp»

0:28 min, vom 9.6.2013

Johnny Depps bisheriges Leben liest sich wie ein Hollywoodmärchen: Rebellischer Teenager will Rockstar werden und bricht die Schule ab. Er haut ab nach Los Angeles, um einen Millionendeal mit einer Plattenfirma zu ergattern. Natürlich wird nichts draus. Seine Band löst sich auf – aus der Traum. Was geschieht? Der Teenager wird für den Film entdeckt. Es folgt ein kometenhafter Aufstieg. Das gibt’s nur in Hollywood.

Bengel mit Engelsgesicht

Johnny Depp als Captain Jack Sparrow.

Bildlegende: Tollpatschig, aber sexy: Depp als Captain Jack Sparrow. Keystone

Johnny Depp hat keine Angst davor, den Trottel zu mimen. Er wird der deutschen Bedeutung seines Namens gerecht und spielt den Depp mit Gusto. Von «Edward Scissorhands» («Edward mit den Scherenhänden») bis «Pirates of the Caribbean» («Fluch der Karibik») ist dies einerseits ein Garant für Mitgefühl und andererseits für Lacher. Damit schlägt der Depp gleich zwei Fliegen mit einer Klatsche: Wer vom melancholischen Loser («Scissorhands») bis zum tollpatschigen Haudegen («Karibik») sämtliche Rollen mit soviel Sex Appeal spielen kann, dem liegt die Welt zu Füssen.

Aus dem Fluch der Karibik wird ein (Geld-)Segen

Depp’s ewig bekifft-betrunkener Captain Jack Sparrow wurde zum Phänomen. Sein Vorbild für diese Rolle, so meint er, sei «Rolling Stones»-Gitarrist Keith Richards gewesen. Der spielt ja dann auch seinen Papa im dritten und vierten Teil der nicht endenden, weil enorm erfolgreichen, Piraten-Sage.

Das Ganze funktioniert, weil Depp es mit Stil und mit Schalk in den Augen macht. Seinem hinterlistigen, manchmal auch ganz schön rücksichtslosen Jack Sparrow, kann man einfach nicht böse sein. Depps Timing und Wortwitz sind genial, sein Spiel und seine Erscheinung (von den Dreadlocks bis hin zum Hippie-Schmuck) einzigartig. Johnny Depp hat hier einen neuen Charakter kreiert, der weltweit geliebt wird. So was muss ihm einer mal nachmachen.

Kollaboration – kein Fremdwort für Depp

Abgesehen vom Grosserfolg der Piraten-Sage fühlt sich Johnny Depp in ganz anderen Genres viel wohler und arbeitet mit Regisseuren zusammen, die mehr dem Kult-Kino, denn dem Blockbuster-Business zuzuschreiben sind. Da ist Ex-«Monty Python» Terry Gilliam, in dessen Filmen Johnny Depp ein gern gesehener Gast ist.

Johnny Depp und Tim Burton.

Bildlegende: Ein Dreamteam böser Jungs: Johnny Depp und Tim Burton. Keystone

Oder Horror-Märchen-Spezialist und persönlicher Freund Tim Burton. Seine Filme bieten Johnny Depp immer wieder ungemein spannende Figuren. Da sind die typischen Depp-Figuren «Edward Scissorhand» oder «Ichabod Crane» («Sleepy Hollow»). Oder auch der melancholisch-böse «Sweeney Todd» aus dem gleichnamigen Musical-Film. Diese Rollen sind Meilensteine in Johnny Depp’s Karriere.

Dass es dem Star bei diesen Kollaborationen nicht um Geld und Gage geht, sondern um Inhalt und Geschichte, das ist klar, und das nimmt man einem Johnny Depp auch ab. Startum ist nicht so sein Ding. Zwar zeigt er sich auf Roten Teppichen, sagt was auf Pressekonferenzen, doch eigentlich ist er ein sehr privater Mann, der genau kontrolliert, was die Öffentlichkeit erfahren soll und was nicht.

Man weiss, dass er sich vor kurzem von seiner langjährigen Lebenspartnerin, der französischen Sängerin und Schauspielerin Vanessa Paradis getrennt hat. Man weiss, dass er mehrere Anwesen, darunter sogar eine Insel, verstreut auf der ganzen Welt besitzt. Aber wilde Partys – das war einmal. Drogen – wohl schon längst kein Thema mehr.

Alles Gute, Depp!

Nun wird er 50 und seine Masche funktioniert immer noch: Er ist der heisseste Typ der Welt und irgendwie scheint es ihm beinahe etwas peinlich zu sein. Ob tollpatschig, hinterlistig, mörderisch oder ulkig – den Depp, den mag man einfach gerne sehen, bestimmt noch eine ganze Weile lang.

Happy Birthday, Johnny!

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