«Kingsman»: Colin Firth ist der wahre Gentleman-Agent

007 war gestern. Heute ist «Kingsman». Die Agenten-Komödie rund um den Secret Service spart weder mit Tweed-Anzügen noch mit Gadgets. Aber auch die Starbesetzung von Colin Firth über Michael Caine bis zu Samuel L. Jackson macht aus der Comicverfilmung eine durchaus vergnügliche Angelegenheit.

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Keine 3 Minuten: «Kingsman»

2:59 min, vom 13.3.2015

Daniel Craig kann einpacken. Roger Moore wirkt einfach nur billig. Einzig Sean Connery könnte ihm das Wasser reichen: Colin Firth ist der perfekte Gentleman, und das in einer Agenten-Parodie.

Er mimt den vornehmen britischen Spion, allerdings ohne Ambitionen, das weibliche Geschlecht zu verführen. Stattdessen versucht er einen Jungen von der Strasse für den Secret Service zu casten und gleichzeitig einen durchgeknallten Grössenwahnsinnigen (Samuel L. Jackson) zu stoppen.

    • Filmszene von Kingsman, in der sich die Kontrahänten begegnen: Taron Egerton und Colin Firth als Geheimagenten, Samuel L. Jackson als Bösewicht.

      Bildlegende: Kleinkrimineller Strassenjunge (Taron Egerton, links) trifft auf grössenwahnsinnigen Bösewicht (Samuel L. Jackson, re... WARNER BROS.

      Die Botschaften

      Erstens: «Manieren machen uns zu Menschen.» Das Lebensmotto von Geheimagent Harry Hart (Colin Firth). Sein Lieblingsschüler: Eggsy (Taron Egerton), der allerdings noch lernen muss anzuklopfen, bevor er ins Zimmer kommt. Zweitens: Traue keinem Telekommunikationsunternehmen, das dich kostenlos telefonieren lässt. In diesem Fall gehört es dem Bösewicht Richmond Valentine, lispelnd von Samuel L. Jackson gespielt. Wer mit dieser Technik telefoniert, wird zur mordenden Bestie.

    • Die gezeichneten Comichelden Eggsy und Harry Hart zielen mit ihren Waffen auf den Betrachter des Bildes.

      Bildlegende: Die Comicvorlage von Mark Millar und Dave Gibbons erschien im Februar 2012. PANINI COMICS

      Die Schöpfer

      Hinter «Kingsman – The Secret Service» stecken die Comicautoren Mark Millar und Dave Gibbons. Bereits als 17-Jähriger wünschte sich Millar, eines Tages mit seinem Vorbild und Erfinder der Comicserie Watchmen, dem zwanzig Jahre älteren Gibbons, zusammen zu arbeiten. Die Erfüllung des Wunsches heisst «Secret-Service» und erschien im Februar 2012 im Comicformat. Gemeinsam mit Regisseur Metthew Vaughn («Kick-Ass», «X-Men») wurde schliesslich ein Film daraus.

    • Die Schauspieler Taron Egerton und Colin Firth stehen für Kingsman vor der Kamera.

      Bildlegende: Aus dem Comic wurde ein Film: Taron Egerton als Eggsy und Colin Firth als Harry Hart. WARNER BROS.

      Hinter den Kulissen

      Die eigentliche Idee zu Comic und Film kam Regisseur Matthew Vaughn während der Dreharbeiten zu «Kick-Ass». Er unterhielt sich mit dem Graphic-Novel-Autor Mark Millar über einen Zeitungsartikel. In dem stand, wie Regisseur Terence Young im ersten Bond-Film «Dr. No» gegen den Willen des Autors Ian Fleming Sean Connery als 007 besetzte. Um den ungehobelten Connery zum englischen Gentleman zu machen, musste dieser erst einmal Anstand lernen. Die wahre Anekdote wurde zur Story für den Comic und schliesslich zum Film: Ein Strassenjunge im Benimmkurs oder auch «My Fair Lady» mit ein paar mehr Toten.

    • Taron Egerton geht mit einem Maschinengewehr zwischen am Boden liegenden Körpern umher. Im Raum funkt und raucht es.

      Bildlegende: Das Finale - ein Feuerwerk. Der Strassenjunge wurde domestiziert und rettet die Welt. Der Rest liegt kopflos am Boden. WARNER BROS.

      Das Urteil

      In den Hinterräumen eines Schneiderateliers arbeitet die geheime Organisation Kingsman: Gentlemen im Agenteneinsatz, allzeit bereit, die Welt zu retten. Der Bösewicht: Richmond Valentine (Samuel L. Jackson), ein irrer Weltverbesserer, der nicht weniger als die Menschheit vernichten möchte, um die Klimakatastrophe zu verhindern. Immerhin – hehre Absichten. Angereichert wird die Story durch Eggsy (Taron Egerton), einen jugendlichen Kleinkriminellen, der das Handwerk des höflichen Superspions erlernen soll. Die unterhaltende Comicverfilmung hat nicht nur Kalauer zu bieten. Der Humor ist zwar keinesfalls subtil, doch rutscht die Komödie nur selten ins Klamaukige. Während des Showdowns schliesslich explodieren Köpfe – ein finales Feuerwerk im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist bunt, das ist laut und das bringt Spass.