«Les Revenants»: Zombies, das sind die anderen

Lebende Tote versetzen die Bewohner eines französischen Bergdorfes in Angst und Schrecken. Und das obwohl – oder gerade weil – sie menschlich sind. Die französische Erfolgsserie «Les Revenants – Sie kehren zurück» läuft jetzt im Schweizer Fernsehen.

Eine Menschenmasse läuft im Nebel mitten auf einer Strasse.

Bildlegende: «Les Revenants»: Über Fabrice Goberts' Serie hängt ein Trauer-Schleier der Melancholie. SRF

«Ich will nur ein ganz normales Leben führen, so wie vorher.» Das ist kaum möglich für die 15-jährige Camille. Sie ist eigentlich tot, eine lebendige Tote.

Drei Jahre nach einem tödlichen Busunglück taucht Camille wieder am Unfallort auf und kehrt zurück zu ihrer Familie: unverändert und ohne Erinnerung an den Tod. Nur die anderen sind nicht mehr wie vorher. Sie haben sich mit dem Tod ihrer Tochter, Schwester oder Freundin abgefunden. Mit Camilles Rückkehr nimmt der Tod eine neue Gestalt an. Das Unerklärliche versetzt sie in Angst und Schrecken.

Fremd im eigenen Leben

Zwei Mädchen stehen nebeneinander und schauen in die Kamera.

Bildlegende: Camille (Yara Pilartz, re.) ist nach ihrer Rückkehr vier Jahre jünger als ihr Zwillingsschwester Léna (Jenna Thiam). SRF

So wie Camille, kehren auch andere Tote – vor langer Zeit, oder kürzlich Verstorbene – in ein französisches Bergdorf zurück. Da ist Simon, der am Tag seines Todes heiraten wollte, und der zehn Jahre später zu seiner Liebe Adèle zurückkommt. Sie hat mittlerweile einen anderen Mann. Und da ist ein kleiner, stummer Junge auf einer Brücke, der schon so lange tot ist, dass sich niemand mehr an ihn erinnert.

Sie alle haben eins gemeinsam: Sie fühlen sich fremd in ihrem Leben, in der Gesellschaft, die sie nicht da- und wahrhaben will.

Sind die Toten wie alle anderen auch?

«Les Revenants – Sie kehren zurück» ist keine gewöhnliche Zombie-Geschichte. Die Toten laufen nicht bewusstlos und mit schlafwandlerisch ausgestreckten Armen durch die Gegend. Sie sind zum Anfassen anwesend, scheinen «ganz normal» zu sein, haben menschliche Gefühle.

Trotzdem fürchten sich die Angehörigen vor ihnen und davor, die Zurückgekehrten könnten plötzlich wieder verschwinden. Dem Zuschauer drängt sich die Frage auf: Sind die Toten dadurch nicht wie alle anderen auch? Und: Sind es nicht die Lebenden, die sich im Anblick des Todes wie Zombies verhalten?

Soziales Albtraum-Netz

Der Tod stellt zwischenmenschliche Beziehungen infrage, das ist die Stärke der Serie. Diese wird allerdings erst ab der zweiten Folge deutlich. Die erste Folge ist zusammenhanglos, ohne erkennbaren Beweggrund taucht ein Toter nach dem anderen auf – 60 Minuten lang. Unerklärliche Geschehnisse verstärken die Rückkehr der Toten: Ein aufgespiesster Schmetterling fliegt vom Brett und ein Stausee verliert unergründlich Wasser.

Ab der zweiten Folge zieht «Les Revenants – Sie kehren zurück» in einen mysteriösen Bann. Lebende und Tote laufen sich in dem kleinen Dorf über den Weg, die Erzählstränge führen zusammen, es entspinnt sich ein soziales Albtraum-Netz.

Der Soundtrack der schottischen Band «Mogwai» verstärkt die sonderbare Stimmung: Sich wiederholende Klavier-Akkorde und verstörende Synthie-Klänge ziehen rein, und runter.

Emmy für die beste Dramaserie

Im Produktionsland Frankreich wurde «Les Revenants» (2012) gefeiert, in England gewann die Serie 2013 den Emmy für die beste Dramaserie, die Redaktion des Guardian wählte sie zur besten des Jahres.

Und auch das Serien-Land Nummer eins, die USA, hat die französische Produktion ausgestrahlt und arbeitet an einem Remake – mehr Anerkennung ist kaum denkbar.

Sendeplatz

«Les Revenants»: Montags um 23:45 Uhr auf SRF 1.

Zur Serie

Fabrice Gobert schrieb «Les Revenants – Sie kehren zurück» mit Unterstützung des Schriftstellers Emmanuel Carrère. Das Drehbuch basiert lose auf dem gleichnamigen Film von Robin Campillo (2004).

Die Serie wurde 2012 auf Canal+ erstausgestrahlt.

Zum Trailer (französisch)

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