«Liberace» – zwei Schweizer Drag-Queens über das Showbiz

Wo berühren sich Kino und das wahre Leben? Für die beiden Schweizer Drag-Queens Tara La Trash und Sean war der Showstar Liberace eine inspirierende Figur. Sie haben sich den Film «Liberace» angeschaut: Wie gut hat das Biopic den schillernden Pianisten wiedergegeben?

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Tara La Trash: «Liberace war kein glücklicher Mensch»

3:40 min, vom 14.10.2013

Luca Papini alias Tara La Trash erinnert sich: Es ist Heidi Abel, die ihm vor mehr als 30 Jahren den ersten Eindruck von Las Vegas' Glitzerwelt bescherte. In ihrer Sendung «Musik und Gäste» sah Papini einen Auftritt von Liberace: «Mit dem Mantel, dem Rolls Royce, dem Klavier, dem Chandelier auf dem Klavier – das hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen.» Auch wenn Papini sich für seine Kunstfigur Tara La Trash später mehr von Künstlerinnen wie Diana Ross inspirieren lassen sollte.

Fast etwas zu «tuntig»

Auch für Sean, der sich selbst eigentlich gar nicht als Drag Queen bezeichnet, sondern als fantastisches, androgynes «Wesen», war Liberace immer präsent. «Ich behaupte mal, selbst Elton John kriegt das nicht so hin wie Liberace, mit dem ganzen Schmuck, dieser Bühnenpräsenz. Der kam auf die Bühne – nein, er kam nicht, er wurde gefahren – und die Bühne gehörte ihm.»

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«Liberace» – der Trailer

1:56 min, vom 14.10.2013

Mit dem Film «Behind the Candelabra» erzählt Regisseur Steven Soderbergh die Geschichte des Entertainers. «Liberace», wie der Film in der Schweiz heisst, war nahezu Pflicht für die beiden Drag-Queens. Und beide sind voller Respekt für Michael Douglas' Charakterisierung des kultigen Showstars. «Millimetergenau», findet Sean, «nicht aufgesetzt und übertrieben, sondern wirklich authentisch.» Dafür sei ihm Matt Damon in der Rolle des jüngeren Liebhabers fast etwas zu tuntig gespielt. «Aber diese Gratwanderung vom Macho zum Lover hat er schon gut gemeistert. I love Matt Damon.» Auch Papini, mittlerweile im Outfit von Tara, zieht den Hut: «Ich hätte nie gedacht, dass sich Matt Damon für so eine Rolle hergeben würde. Fantastisch.»

Für ihn ist klar, dass Liberace kein glücklicher Mensch war. «Allein diese Unzufriedenheit mit seinem Gesicht, seinem Äusseren. Dieses ­covern wollen mit dem Liften und allem was dazu gehört: Eigentlich sehr traurig.» Für ihn ist klar: «Liberace hat gewusst oder gemeint zu wissen, dass die Gesellschaft ihn für das verurteilen würde, was er in seinem Privatleben ausgelebt hat.»