«Liquid Land» - wenn Abfall klingt und New Orleans improvisiert

Improvisieren gehört zum Alltag, aber in New Orleans vielleicht ein bisschen mehr als an anderen Orten. Das mag auch der Grund sein, weshalb die Abfall-Instrumente von Simon Berz dort auf unvoreingenommene Ohren stossen. «Liquid Land» heisst der daraus entstandene Musik-Dokumentarfilm.

Materialen des Instrumentenbaus: Eine Prothese, eine Fuss einer Statue, ein Tonherz.

Bildlegende: Requisiten für ein neues Instrument. echolot films

Am Anfang stand ein Projekt, das der Schweizer Schlagzeuger Simon Berz und der holländische Musiker und Produktedesigner Kaspar Koenig in Berlin realisierten: Sie luden die Besucher einer Galerie ein, ihnen Abfallprodukte zu bringen; Materialien, die sie anschliessend zu Instrumenten bzw. zu Klangobjekten zusammenbauten.

Nutzloses bekommt einen neuen Sinn

2010 besuchten sie auf einer Reise durch die USA auch New Orleans und entwickelten das Projekt weiter: Dieses Mal luden sie Musikerinnen und Musiker vor Ort ein, mit ihnen auf den neu gebauten Abfall-Instrumenten zu improvisieren.

Es geht dem Musiker Simon Berz bei seinen klanglichen Erkundungen darum, der scheinbaren Nutzlosigkeit von Dingen eine neue Aufmerksamkeit zu geben. Er will herausfinden, was Leute in Berlin, in Zürich oder eben in New Orleans wegwerfen, und welche Geschichten dahinter stecken: Bei einer defekten Gitarre, die beim Hurrikan Katrina im Wasser gelegen ist, etwa - und was Objekte wie diese beim Finder auslösen.

Und dann kam die Filmemacherin ins Spiel

Doppelporträt

Bildlegende: Die Filmemacherin (Michelle Ettlin) und der Musiker (Simon Berz). echolot films

Die Filmemacherin Michelle Ettlin hat diese Begegnungen zwischen den Musikern dokumentiert. Mit der Kamera hat sie die Bewegungen festgehalten, die Energie, die zwischen den Instrumentalisten entsteht. Und auch die Bilder der Stadt, als poetische Entsprechung zum Klanglichen, eingefangen: Telefonkabel in der Luft, die plötzlich an Cello-Saiten erinnern.

Die Stadt auf «flüssigem Grund»

Daraus ist der Musik-Dokumentarfilm «Liquid Land» entstanden. Simon Berz sagt: «Wenn eine Eisenbahn an einem vorbei fährt, so zittert der Boden – in New Orleans aber schwabbelt er.»

New Orleans liegt unter dem Meeresspiegel, und Liquid Land heissen die Gebiete im Sumpf, die von Pflanzen derart überwuchert sind, dass der Eindruck von festem Boden entsteht. Doch es handelt sich nicht um etwas Statisches, sondern um Wasser, das ständig in Bewegung ist - eine Metapher für die Stadt und ihre Musikszene.

«Liquid Land» von Michelle Ettlin ist an verschiedenen Orten in der Schweiz zu sehen - zusammen mit einem Live Act von Simon Berz und Musikern aus New Orleans.