20-Jahr-Jubiläum «Lost Highway» – Das unheimliche Verwirrspiel

Surreal und schräg: Um was es in David Lynchs «Lost Highway» wirklich geht. Ein Filmschatz für Rätselfreunde.

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Filmschatz: «Lost Highway»

4:34 min, vom 15.2.2017

Das Wichtigste in Kürze:

  • Vor 20 Jahren kam der Kultfilm «Lost Highway» in die Kinos.
  • «Lost Highway» ist eine Mischung aus Psychothriller, Horrorfilm und Neo-Noir.
  • Regisseur David Lynch gilt als Meister des Surrealen.

Saxophonist Fred Madison wird für den Mord an seiner Frau Renee zum Tod verurteilt. In der Gefängniszelle verwandelt sich Fred plötzlich in einen jüngeren Mann namens Pete.

Fred sitzt im Dunkeln hinter dem Steuer seines Wagens.

Bildlegende: Was ist Freds Geheimnis? Imago

Da Pete nichts verbrochen hat, wird er freigelassen. Er arbeitet in einer Autowerkstatt und hat eine Affäre mit Alice, der Geliebten eines Gangsterbosses. Diese sieht der ermordeten Renee verdächtig ähnlich…

Verloren in «Lost Highway»

Die Ereignisse aus «Lost Highway» sinnvoll nachzuerzählen, ist nicht einfach. Im Film vermischen sich Realität und Wahnsinn. Es geht um Eifersucht, Verlangen, Gewalt, Identität und das Unterbewusstsein.

Die Interpretation des Filmes ist ein Thema, dass Kenner des Kultfilms beschäftigt, seit er 1997 in die Kinos kam. Drei bekannte Theorien:

  1. Fred ist ein Pakt mit dem Teufel eingegangen. Dafür hat er ein neues Leben erhalten.
  2. Die ganze Geschichte spielt sich in Freds Kopf ab. Er ist der Mörder seiner Frau. Die Verwandlung in Pete ist sein Versuch in einer alternativen Realität seine Schuldgefühle zu überwinden.
  3. Fred bildet sich die ganze Geschichte kurz vor seiner Hinrichtung ein. Er schafft sich in Gedanken eine Welt, in der er nicht sterben kann, da sich die Ereignisse immer wieder wiederholen.
David Lynch posiert vor einem seiner Gemälde.

Bildlegende: David Lynch 2007 an einer Ausstellung seiner Gemälde in Paris. Keystone

Der Meister des Surrealen

Der Regisseur von «Lost Highway», David Lynch, ist ein Universalkünstler. Angefangen hat er als Maler, doch die Einschränkung, dass sich Gemälde nicht bewegen, brachte ihn zum Film. Mit Werken wie «Blue Velvet» und «Twin Peaks» schrieb er sich in die Film- und Fernsehgeschichte.

Nebst Maler und Regisseur beschäftigte sich David Lynch auch als Drehbuchautor, Produzent, Schauspieler, Fotograf, Designer von Möbeln und Komponist. Was all seine Werke gemeinsam haben, ist ein surrealer Einschlag.

Deshalb sind seine Filme oft verwirrend und scheinen auf den ersten Blick keine Logik zu haben. In der Filmwelt ist er eine umstrittene Figur. Für manche ist er ein genialer Künstler, für andere ein grossspuriger Provokateur.

Die drei Schauspieler und David Lynch posieren Schulter an Schulter für die Kamera.

Bildlegende: Die Schauspieler und der Regisseur: Balthazar Getty, Bill Pullman, David Lynch und Natasha Gregson Wagner (v.l.n.r.). Reuters

(Alb-)traumhaft-unwirklich

«Lost Highway» verstört mit seiner nicht-linearen Erzählweise, der bedrohlichen Musik und der unheimlichen Atmosphäre. Es ist wie ein mit Farben und Formen überladenes Bild. Bei dem man bei jeder Betrachtung etwas Neues entdeckt und doch das Werk nie in seiner Gesamtheit erfassen kann.

Der Film ist eine Mischung aus Psychothriller, Horrorfilm und Neo-Noir. Er ist erotisch, halluzinogen und mysteriös. Am besten man lässt sich einfach auf die Achterbahnfahrt aus Ereignissen, Tönen und Farben ein. Nach Möglichkeit an einem Abend, an dem man nachher nicht mehr aus dem Haus muss.