Mike Leigh bringt das Alltägliche zum Leuchten

Regisseur Mike Leigh wird 70 – und noch immer treiben ihn Geschichten aus dem Alltag an. Sein Markenzeichen ist das Ungeschminkte: Leigh ist der Gegenentwurf zu allem Gelackten, seine Helden sind die sympathischsten Verlierer, die es nur ausserhalb von Hollywoods Siegermaschine geben kann.

Mike Leigh, der britische Film- und Theaterregisseur wurde weltbekannt, als er mit seinem intensiven Familiendrama «Secrets & Lies» 1997 die Goldene Palme des Filmfestivals von Cannes bekam, es folgten moderne Kino-Klassiker wie «Naked», «Happy Go Lucky» und «Another Year».

Start ohne Drehbuch

Dieser Kern ist seine sehr spezielle Arbeitsmethode, Figuren und Drehbücher zusammen mit den Schauspielern zu entwickeln. Wenn er ein Projekt anfange, habe er noch kein Drehbuch, sagt er. Dann beginne die Arbeit mit den Schauspielern und bei Drehbeginn hätten sie dann sehr präzise Vorgaben. Dabei gehe es nicht darum, den Schauspielern mehr Freiheit zu gewähren: Bevor er mit ihnen die Figuren und die Geschichte entwickele, existiere schlicht noch gar nichts.

In der Tradition von Chaucer und Shakespeare

Leight ist bekannt und berüchtigt dafür, dass er mit seinen Schauspielerinnen und Schauspielern die Figuren bis ins Detail ihrer Vorgeschichte entwickelt, ihnen aber dann nicht genau erklärt, was beim Dreh aus der Begegnung der Figuren entstehen soll. Das führt zu intensiven Momenten. Diese aber werden, wie alles beim Film, erst beim Schnitt wirklich zu einer Geschichte.

Die Vorbereitungsarbeiten seien vom Moment des ersten Drehs an nicht mehr wichtig. Dabei sieht sich Mike Leigh in der grossen britischen Tradition von Drama und Schauspiel, von Geoffrey Chaucer über Shakespeare bis zu den modernen Autoren.

Das schmerzvolle Leben treibt ihn an

Bei allem, was er mache, treibe ihn etwas ganz Einfaches um: Seine Motivation ist der Blick auf das Leben. Und eigentlich müsse das ja für alle Filmemacher gelten. Nach rund 25 Filmen und mehr als 20 Bühnenproduktionen in knapp 50 Jahren hat Mike Leigh jedenfalls noch lange nicht genug davon, auf möglichst wahrhaftige echte Art ins Leben der Menschen einzudringen: Er will wissen, wie andere Menschen diese schmerzvolle Reise namens Leben bewältigen. Das ist das, was ihn interessiert und antreibt.

Und auch mit über 70 Jahren denkt Mike Leigh nicht ans Aufhören. Sein jüngstes Projekt ist ein Film über den romantisch-impressionistischen Maler J.M.W. Turner, von dem man erst weiss, dass er 2014 fertig sein soll. Und dass Timothy Spall die Titelrolle verkörpert. Alles andere wird wahrscheinlich demnächst in intensiven Workshops mit Mike Leigh erarbeitet werden.