Mit «Duck Dynasty» erobern Hinterwäldler das US-Fernsehen

Bärtige Männer, die Enten und Eichhörnchen jagen, Sprüche klopfen und den amerikanischen Traum leben. Die Reality-Soap «Duck Dynasty» ist zurzeit die meistgesehene Show im US-Kabelfernsehen.

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Ausschnitt aus «Duck Dynasty»

1:47 min, vom 15.9.2013

Schaut man sich die Männer der Familie Robertson an, so könnte man sie für Mitglieder der Hells Angels oder für Obdachlose halten. Umso überraschender ist die Tatsache, dass die Robertsons aus Louisiana in Wahrheit Millionen verdienen. Womit bloss, fragt man sich – denn einen seriösen Eindruck machen diese tätowierten, zauselbärtigen Südstaatler in Camouflage-Hosen nicht. Sind sie im Drogengeschäft? Produziert die Familie Pornofilme? Oder brennt sie Schnaps?

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Wenn harte Männer quaken: Szene aus «Duck Dynasty»

0:31 min, vom 15.9.2013

Nein. Die Robertsons stellen hübsche Lockpfeifen für die Entenjagd her, so genannte «duck calls». Und weil sich keine anderen «duck calls» so gut verkaufen wie die der Robertsons, schwimmt die Familie im Geld. So kurios das alles klingt: Die Geschichte ist nicht erfunden. Der kauzige Clan, das Familienunternehmen mit dem nach Videospiel klingenden Namen «Duck Commander» und auch die langen Bärte – alles echt.

Der US-Fernsehsender A&E hat das Potenzial der Robertsons erkannt und den Familienclan ins Fernsehen gebracht. Es hat sich gelohnt: Die Realityshow «Duck Dynasty» und die Robertsons sind in Amerika zum Kult geworden.

Kurioses aus dem Hinterland

Komisch, kurios, befremdlich – mit «Duck Dynasty» reist man tief in die amerikanische Pampa, wo Rinder nur ein einziges Recht haben, nämlich auf dem Grill zu landen und Waffengebrauch so alltäglich ist wie Zähneputzen. Die Frauen stehen am Herd, die Männer gehen jagen.

Vier Männer mit Vollbärten und Camouflage-Kleidung

Bildlegende: Eine Vorzeigefamilie? Die Männer der Robertsons punkten zumindest schon mal mit imposanten Bärten. A&E

Wenn die Rednecks nicht ihre Lockpfeifen herstellen, sind sie mit Tarnanzug und Gewehr in der Wildnis von Louisiana unterwegs. Der Zuschauer verfolgt, wie die Robertson-Männer Wespennester ausräuchern und Kleintiere jagen. Fische werden gehäutet und Frösche geköpft. Was die Robertsons jagen, das essen sie auch. Von Bieberbrust, über Froschbeine bis Eichhörnchen-Hirn landet alles beim gemeinsamen Abendessen auf dem Teller.

Höhepunkte der einzelnen Folgen sind die Momente, in denen die Robertson-Erpel ihr gewohntes Terrain verlassen und beispielsweise ihre Töchter zum Shopping in die Mall begleiten, dabei im Jagdoutfit in Modeboutiquen rumhängen und ihre Meinung über Abendkleider abgeben.

Fernsehen für das konservative Amerika

«Duck Dynasty» boomt. Fast zwölf Millionen Menschen sassen bei der Premiere der aktuellen vierten Staffel vor dem Fernseher. Die Serie wurde bewusst konzipiert für das konservative Amerika. Das Amerika, das gegen Abtreibungen protestiert und Homosexualität verachtet. Das Amerika, das auf Waffen nicht verzichten will und den Glauben an Gott als Pflicht ansieht. Das Amerika, das Vegetarier als Schwächlinge ansieht und Menschen, wie den New Yorker Bürgermeister Bloomberg, die sich für eine gesündere Ernährung einsetzen, als Nahrungs-Nazis beschimpfen.

Die Tea-Party-Ikone und Politikerin Sarah Palin hat sich als Fan geoutet und erklärte die Robertsons zur Vorzeigefamilie. Dass die Rednecks aus Louisiana selbst in die Politik einsteigen, ist nicht auszuschliessen. Vater Phil tourt bereits als Prediger durchs Land.

Tiefe Einblicke

«Duck Dynasty» gibt einen Einblick in das Denken und Handeln der Leute, für die die Wahl von US-Präsident Obama die schlimmste Katastrophe seit der Sintflut war. Wenn man den Entenjägern mit Millionen auf dem Konto zuschaut, weiss man nicht, ob man Lachen, den Kopf schütteln oder vor Verzweiflung weinen soll. Das Schöne an «Duck Dynasty» ist, dass man es als absurdes Theater, als Satire oder als Sozialstudie betrachten kann. Egal welchen Blickwinkel man wählt, die Lockpfeifen-Hersteller aus Louisiana sind ein Faszinosum.

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