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Neu im Kino Drei verstörende Tage mit Romy Schneider

Der Spielfilm «3 Tage in Quiberon» zeigt eines der letzten Interviews mit der Schauspielerin. Und eine zerrissene Frau.

Legende: Video Kinostart: «3 Tage in Quiberon» abspielen. Laufzeit 1:41 Minuten.
Vom 18.04.2018.
  • «3 Tage in Quiberon» ist zehnmal für den Deutschen Filmpreis nominiert.
  • 1981 gab Romy Schneider dem «Stern» ein sensationelles dreitägiges Interview. Darum geht es im Film.
  • Nur ein Jahr nach dem Interview starb die Schauspiel-Ikone.

Labil und stark. Verzweifelt und lebensfroh. Und vor allem schmerzhaft ehrlich. So ist Schauspielerin Romy Schneider (Marie Bäumer) 1981 während ihres letzten Interviews mit einem deutschen Journalisten. Es findet während drei Tagen in einem Kurhotel in der Bretagne statt.

Diese 72 Stunden zeigt der Film «3 Tage in Quiberon». Regisseurin Emily Atef («Töte mich») wollte bewusst kein Biopic über Romy Schneiders ganzes Leben drehen, sondern einen kurzen, dafür umso intensiveren und konzentrierteren Einblick geben.

Zei Frauen spazieren am Strand, links ein Häuserkomplex. Die beiden lächeln.
Legende: Jugendfreundin Hilde (rechts, Birgit Minichmayr) leistet Romy Schneider in Quiberon Gesellschaft. Look Now

Das Interview ist eindringlich. Was die Schauspielerin dem «Stern»-Reporter Michael Jürgs (Robert Gwisdek) gesteht, berührt. «Ich bin eine unglückliche Frau von 42 Jahren und ich heisse Romy Schneider», sagt sie an einer Stelle. Ein unglaublicher Satz aus dem Mund einer Frau, die eine irrsinnige Karriere gemacht hat.

Schulden in Millionenhöhe

Der Journalist bohrt weiter. Ob sie pleite sei, fragt er. «Sehe ich etwa so aus?», entgegnet Romy Schneider. Doch ihr Stiefvater soll einen Grossteil ihres Geldes veruntreut haben. Auch ein Grund, warum sie zwei bis drei Filme pro Jahr drehte – sie brauchte die Gage. Am Ende ihres Lebens umfasste ihre Filmografie rund 60 Werke, trotzdem stand sie vor einem Schuldenberg. Die französischen Steuerbehörden forderten Nachzahlungen in Millionenhöhe.

Affären, Scheidungen, Schlagzeilen

Dem Journalisten ist nichts zu privat. Ob sie denn nicht gemerkt habe, dass sich ihr Ex-Mann Harry Meyen umbringen wolle, will der Journalist im Interview wissen. Romy Schneider verschlägt es die Sprache. Der Regisseur und Schauspieler Harry Meyen war der Vater ihres Sohns David. Vier Jahre nach der Scheidung, im Jahr 1979, nahm er sich das Leben.

Kritik: «3 Tage in Quiberon»

Zehnmal ist «3 Tage in Quiberon» für den Deutschen Filmpreis nominiert. Unter anderem ist Marie Bäumer im Rennen als beste Hauptdarstellerin. Nicht nur dank ihrer äusserlichen Ähnlichkeit überzeugt sie als Romy Schneider. Auch verkörpert sie die verschiedenen Facetten der Ikone glaubhaft und erlaubt so einen intimen Einblick in deren Leben.

Das Privatleben der Schauspielerin wurde nicht nur im Interview von 1981 von der Presse breitgetreten. Romy Schneider war immer für eine Schlagzeile gut – als Frau der vielen Affären, Opfer der Männer oder der Drogen. Sie galt als labil, tabletten- und alkoholsüchtig. Und natürlich machte auch das Ende ihrer zweiten Ehe mit Daniel Biasini Schlagzeilen.

In Frankreich der Star, in Deutschland die Sissi

Warum sie der deutschen Presse ein Interview gebe, wenn sie diese doch verabscheue, bohrt der Journalist in Quiberon weiter. Romy Schneider leugnet, dass es da ein Problem gäbe. Aber tatsächlich war ihr Verhältnis zur Presse schwierig – und auch zu Deutschland.

Der Durchbruch gelang der damals 17-Jährigen 1955 mit dem Film «Sissi». Das Image der süssen Kaiserin wurde sie nie mehr los. Auch nicht, als sie nach Frankreich zog und international zum Superstar wurde. Unter anderem gewann sie zwei Césars und war für einen Golden Globe nominiert.

In Deutschland wurde diese Karriere weitgehend ignoriert. Für viele war es in der Nachkriegszeit ein Verrat, dass «ihre Sissi» zum Feind Frankreich wechselte.

Hommage an die ungeschminkten Bilder

Das intime Interview mit der Schauspiel-Ikone erschien im April 1981 in der Illustrierten «Stern». Die ungeschminkten Bilder von Romy Schneider, die der Fotografe Robert Lebeck (im Film gespielt von Charly Hübner) aufgenommen hat, wurden berühmt. Dass «3 Tage in Quiberon» in schwarz-weiss gehalten ist, ist eine Hommage an diese Fotos.

Eine Frau sitzt am Meer auf einem flachen Felsen, durch den Stein haben sich kleine Bäche gefressen. Die Frau sitzt vor einer Wasserpfütze und lächelt. Sie trägt die Haare locker zusammengebunden, einen Schal und eine Strickjacke.
Legende: Wie dieses Filmbild sind viele Szenen den Fotos von Robert Lebeck nachempfunden. Look Now

Der Film, so betont Regisseurin Emily Atef, habe keinen Anspruch auf eine wahrheitsgetreue Wiedergabe der Ereignisse in Quiberon, er sei Fiktion, die sich an die Tatsachen anlehne.

«Ein beschämender Film»

Nicht alle sind glücklich damit. Romy Schneiders Ex-Mann Daniel Biasini etwa sagt in einem Interview mit dem österreichischen Magazin «News», der Film sei beschämend, da er Romy Schneider als labil darstelle.

Das Interview von 1981 ist nicht nur wegen seines Inhalts noch heute bekannt. Es ist auch das letzte lange Interview, das Romy Schneider gab. Nur wenige Monate danach starb ihr Sohn David bei einem Unfall. 1982 wurde die 43-jährige Romy Schneider tot aufgefunden. Die Todesursache bleibt ungeklärt. Im September würde Romy Schneider 80 Jahre alt.

1 Kommentar

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Das ist alles reine Fake-News! So macht die Filmindustrie heute mit verzerrten Lebensgeschichten verfilmte „Verläumdungen“. Wir können dagegen aber eines unternehmen: Lasst diese Filme einfach links liegen, sie werden von den Produzenten gedreht, die alles Abnormale als normal erscheinen lassen. Zusammen mit vielen Fake-News Medien versuchen sie die Welt zu zerstören. Sie glorifizieren Schwule, Drogen, Globalisierung, Sex. usw. einfach alles was unsere bisherigen Werte waren. Also, Hände davon.
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