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Kritik zu «Little Women»
Aus Kultur-Aktualität vom 30.01.2020.
abspielen. Laufzeit 03:42 Minuten.
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Neu im Kino Ein Klassiker mit Coolness: «Little Women»

Vieles hätte schief gehen können, aber Greta Gerwig macht mit ihrer Verfilmung des Romanklassikers «Little Women» alles richtig.

Millionen von Mädchen und jungen Frauen sind mit der Geschichte der vier Schwestern und ihrer Mutter aufgewachsen: Der Klassiker «Little Women» von Louisa May Alcott aus dem Jahr 1868 gehört in den USA zum Volksgut, wie bei uns «Heidi» von Johanna Spyri.

Die erste, heute verschollene, Verfilmung von 1917 war ein Stummfilm. Seither gab es alle paar Jahre eine neue Kino- oder Fernsehadaption von «Little Women». Die jüngste Version hat die Autorenfilmerin und Schauspielerin Greta Gerwig realisiert.

Es ist offensichtlich: Gerwig liebt das Buch «Little Women». Alles, was den Leserinnen und Lesern ans Herz gewachsen ist, ist in diesem Film zu finden.

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Trailer zu «Little Women»
Aus Kultur-Clips vom 30.01.2020.
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Freudiges Wiedersehen

Da wäre die rebellische Jo March, gespielt von Saoirse Ronan, dann die sanfte Beth, von Emma Watson gespielt. Florence Pugh in der Rolle der kühl-realistischen Meg und Laura Dern als Marmee, die Mutter der vier Teenager.

Da sind die Romanzen, die tragischen Momente und die Freundschaft der Schwestern mit dem reichen Nachbarsjungen Laurie.

Und da ist auch die reiche Grosstante Aunt March, sarkastisch-komisch gespielt von Meryl Streep. Etwa, wenn sie der wilden Jo die Hoffnung auf Selbständigkeit auszutreiben versucht.

«Ich beabsichtige, meinen eigenen Weg zu gehen», sagt Jo zu Aunt March. Diese quittiert das mit bitterem Lachen und dem Hinweis, dass das niemand könne, schon gar keine Frau, auch Jo werde vermögend heiraten müssen. Was Jo nicht erschüttert: Schliesslich sei sie, Aunt March, ja auch nicht verheiratet. «Das liegt daran, dass ich reich bin», sagt March.

5 Frauen kuscheln sich aneinander.
Legende: Hochkarätig besetzt: Saoirse Ronan (oben links), Laura Dern (oben rechts), Eliza Scanlen, Emma Watson und Florence Pugh. Sonic Pictures

Sie driften, streiten, lieben

Die Filmautorin Greta Gerwig erzählt aus dem Leben ihrer «Little Women», wie es das Buch vorgibt. Die Schwestern vergnügen sich, streiten sich, driften auseinander und wieder zusammen, verlieben sich oder auch nicht.

Aber sie arbeitet gezielt die Selbständigkeit und das Selbstverständnis der vier jungen Frauen heraus. Unter anderem, indem sie die Chronologie des Buches auflöst, mit dem Film in der Zeit vor- und zurückspringt, und so den Lebensweg jeder Schwester neu und anders ausleuchtet.

Die energische Jo etwa, die ihre Geschichten erfolgreich einem Verleger verkauft, aber bockt, als dieser von ihr für das Buch «Little Women» ein Happy End mit Heirat für die Heldin verlangt. «Das ist nicht das richtige Ende», sagt Jo. «Das richtige Ende ist, was sich verkauft», sagt der Verleger.

Feministisches Potenzial

Wie wir aus der Romanvorlage wissen, gibt die Autorin am Ende nach und lässt Jo mit einem wunderbaren Mann aus Deutschland eine Schule für Knaben gründen.

Was Regisseurin Greta Gerwig ihrerseits mit grossem Augenzwinkern als weichgezeichnetes Disney-Ende inszeniert, mit der Gründung einer Schule für Knaben und Mädchen.

Das ist nur ein Beispiel dafür, wie Greta Gerwig das feministische Potential des beliebten Klassikers herausarbeitet, ohne die Vorlage zu verändern.

Eine Frau am Strand.
Legende: Geht ihren eigenen Weg: Saoirse Ronan als Jo. Sony Pictures

Greta Gerwigs Kinofassung von «Little Women» ist wunderbar. Der Filmemacherin ist es gelungen, den romantischen Geist des Buches zu erhalten, der es seit über 150 Jahren zum ewigen Bestseller macht.

Und mit wenigen geschickten Zügen zugleich das befreiende Potenzial herauszuarbeiten, das ebenfalls seit mehr als 150 Jahren einen Teil der Attraktivität von «Little Women» ausmacht.

Sendung: SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 30.01.2020, 7:20 Uhr

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