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Ein Schweizer Schachtalent auf den Spuren von «Fahim»
Aus SRF Kultur vom 23.11.2019.
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Neu im Kino «Fahim»: Wenn Schach Leben rettet

Französisches Feelgood-Kino, basierend auf einer wahren Geschichte: Ein Junge setzt für seinen Traum alles aufs Spiel.

Der 11-jährige Fahim und sein Vater Nura sind aus Bangladesch nach Frankreich geflüchtet, um dort Asyl zu beantragen.

Weil ihr Antrag zu scheitern droht, sieht Fahim nur eine Chance: Er hofft, sich durch eine erfolgreiche Teilnahme bei der französischen Schachmeisterschaft eine Aufenthaltsbewilligung zu erspielen.

Zu Beginn gleicht Fahim als Schachspieler einem frisch gefundenen Edelstein. Er funkelt bereits, ist aber noch ein Rohling, der geschliffen werden muss. In die richtige Form bringt ihn schliesslich der strenge Schachtrainer Sylvan (Gérard Depardieu) in einem Pariser Vorort.

Fahim integriert sich rasch, seinem Vater fällt dies hingegen schwer. Da er die französische Sprache nicht beherrscht, findet er keinen Job. Während Fahim an Schachmeisterschaften teilnimmt, kämpft sich sein Vater auf der Strasse durch.

Parallelen auf und neben dem Brett

Assad Ahmed, der Fahim spielt, stammt wie seine Filmfigur aus Bangladesch. Es ist nicht die einzige Eigenschaft, die er mit dem echten Fahim teilt.

Eine Gruppe von Jugendlichen und eine Frau sitzen am Strand um ein Lagerfeuer herum.
Legende: Auf dem Weg zur Schachmeisterschaft in Marseille erblickt Fahim zum ersten Mal das Meer. JMH DISTRIBUTIONS

Auch der junge Schauspieler packte die Gelegenheit beim Schopf. Durch seinen Aufenthalt in Ausland lernte Assad – ähnlich wie Fahim – in kürzester Zeit Französisch. Und entdeckte nebenbei das Schachspiel für sich – nicht nur weil der Regisseur taktisches Geschick am Brett für die Rolle voraussetzte.

Zum Abschied ein herzliches «Bon Appétit!»

«Fahim» ist trotz der Flüchtlingsthematik, die dem Film Aktualität verleiht, kein schweres Drama. Das absehbare Happy-End und humoristische Finessen verleihen dem Feelgood-Movie die beabsichtigte Leichtigkeit.

Ein Vater mit sienem Sohn befinden sich mit Koffer an der Seine in Paris.
Legende: Fahim und sein Vater Nura versuchen sich in Paris durchzuschlagen. JMH DISTRIBUTIONS

Auch die omnipräsenten sprachlichen Missverständnisse dienen primär der Komik. Zum Beispiel, wenn Fahims Vater Nura glaubt, endlich etwas begriffen zu haben. Als er im Asylzentrum untergebracht wird, verdeutlicht ihm eine Angestellte, sich bei den Esswaren zu bedienen. «Bon appétit!» rufend, verlässt sie den Raum.

Nura versteht den Ausruf falsch und wird sich den ganzen Film hindurch konsequent mit «Bon appétit!» verabschieden.

Schach sei Dank

Als Fahim die Aufenthaltsbewilligung erteilt wurde, stellte er sich oft folgende Frage: Muss man der Beste sein, um als Flüchtling aufgenommen zu werden?

Ein Jugendlicher steht vor einer grauen Wand und blickt in die Kamera.
Legende: Der echte Fahim und seine Familie haben bis heute die französische Staatsbürgerschaft nicht erhalten. KEYSTONE/MAXPPP/LP/AURÉLIE LADET

Fakt ist: Wenn er nicht französischer Schachmeister geworden wäre, hätte er wohl keine Papiere erhalten. Weil sich wahrscheinlich niemand für seinen Fall interessiert hätte. Diesen gesellschaftskritischen Gedanken äusserte Fahim in einem Interview vor einigen Jahren.

Ein wahres Wunder, das berührt

«Fahim» gelingt ein seltenes Kunststück: Eine Flüchtlingsgeschichte zu erzählen, die einen zum Nachdenken anregt, ohne einen emotional runterzuziehen.

Man verspürt Mitleid mit dem schlecht integrierten Vater und freut sich für Fahim, der aufgrund seiner ausserordentlichen Schachbegabung zum Helden avanciert.

Ein junge aus Bangladesh und ein älterer Mann spielen gegeneinander Schach.
Legende: Fahim und sein Schachlehrer spielen das erste Mal gegeneinander. JMH DISTRIBUTIONS

Einzig die Raffung der Ereignisse gibt Anlass zu Kritik: Weil durch diese Fahims Seelenleben ein Mysterium bleibt. Vor allem nachdem er von einem Tag auf den anderen seinen Vater kaum mehr sehen kann.

Fortan ist er bei seinem chronisch schlechtgelaunten Schachtrainer untergebracht. Doch das scheint den kleinen Fahim kaum zu stören. Eines von vielen Wundern, das dieser märchenhafte Film offenbart.

Kinostart: 21.11.2019

3 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Das Buch habe ich vor einiger Zeit gelesen, wunderbare Geschichte. Frauen spielen übrigens ganz ander Schach als Männer. Wie merken sich Frauen Gesamtstellungen oder Eröffnungen auf dem Feld. Sie stellen sich Gesichter vor. Wenn also Frauen dasselbe können wie Männer dann immer auf eine andere Art.
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  • Kommentar von Philipp Pan  (Pan)
    "Asylantenheim"? Das ist ein Begriff, der in die Mottenkiste rechts hinten im Estrich gehört und nicht in einen Artikel im Jahr 2019, finde ich. Ich fände es toll, wenn die Autorin sich 5 Minuten Zeit nehmen könnte, sich kurz über den Begriff "Asylant" und dessen Verwendungskontext zu informieren - um ihn dann am besten schnell mit einem angemessenen Ausdruck ersetzen.
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    1. Antwort von SRF Kultur (SRF)
      @Philipp Pan Sie haben recht – der Begriff wird teilweise als abwertend empfunden. Wir haben ihn ersetzt.
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