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Neu im Kino Kiffen, töten, hoffen

Eine Kolumbianerin will den Mörder ihres Vaters umbringen. Doch die Rache verläuft nicht plangemäss. Lässt sich die Gewaltspirale überhaupt noch stoppen?

Eine Frau in einem Nachtclub
Legende: Lita kifft gelegentlich – ein wenig zuviel gar, wird ihr gesagt. © Xenix Filmdistribution GmbH

Jesús lebt von Gelegenheitsjobs. In der kolumbianischen Grossstadt Medellín lässt er sich anheuern, wofür auch immer man ihn nimmt. Und weil sich im Quartier regelmässig Banden und Drogenkartelle bekriegen, gehören auch Auftragsmorde dazu.

Jesús' Gewaltbereitschaft ist kein Ausdruck von Hass. Sondern von Abstumpfung und Perspektivenlosigkeit: Er braucht das Geld.

Mit vier Kugeln niedergestreckt

Doch die Geschichte von «Matar a Jesús» beginnt eigentlich ganz woanders: Die junge Lita (Natasha Jaramillo) ist Fotografiestudentin, ihr Vater ein einflussreicher Intellektueller. Beide engagieren sich politisch.

Dem Vater wird dies zum Verhängnis: Weil seine Ansichten einigen Kriminellen in der Stadt ein Dorn im Auge sind, wird er eines Tages mit vier Kugeln niedergestreckt.

Zwei junge Leute auf einem Mofa.
Legende: Als Lita auf Jesús trifft, ist sie angesäuselt, er zugedröhnt. © Xenix Filmdistribution GmbH

Keine Hoffnung auf Gerechtigkeit

Die dabei anwesende Tochter Lita hat das Gesicht des Schützen kurz erblickt. Sie ist überzeugt, ihn jederzeit wiedererkennen zu können. Doch die Arbeit der Polizei verläuft im Sand.

Lita verliert jegliche Hoffnung auf Gerechtigkeit. Bis sie mitten im Nachtleben auf das bekannte Gesicht stösst und nun auch den zugehörigen Namen erfährt: Jesús.

Rachsucht im Drogenrausch

Es werden reichlich Drogen konsumiert in «Matar a Jesús»: Lita kifft gelegentlich – ein wenig zuviel gar, wird ihr gesagt. Als Lita auf Jesús trifft, ist sie angesäuselt, er zugedröhnt. Was die beiden – und auch ihre Kollegen – allerdings nicht daran hindern wird, ohne Helm mit dem Motorrad die Party-Locations zu wechseln.

Jesús glaubt an einen heissen Flirt, als er Lita begegnet. Lita hingegen glaubt fest daran, dass sie hier den Mörder ihres Vaters vor sich hat.

Als Lita Jesús nach seiner Handy-Nummer fragt, weiss das Publikum: Sie hat soeben eine tödliche Falle aufgestellt. Gleichzeitig sind die beiden in den frühen Morgenstunden schlicht zu benebelt, um ernsthaft über die Konsequenzen ihres Aufeinandertreffens nachdenken zu können.

Ein Mann zeigt einer Frau, wie sie schiessen soll.
Legende: Die Gewalt ist omnipräsent. © Xenix Filmdistribution GmbH

Stirbt die Hoffnung zuerst?

Der Film «Matar a Jesús» zeichnet ein düsteres Bild des zeitgenössischen Kolumbiens: Die Gewalt ist omnipräsent. Illusionen macht sich hier niemand; die Jugend erst recht nicht. Da helfen auch die Drogen nicht.

Lita profitiert als Tochter eines vermögenden Akademikers zwar vom Privileg eines Fotografiestudiums. Aber nach dem Tod ihres Vaters greift auch sie rasch zur Waffe und taucht ab in die Unterwelt.

Gewalt erzeugt in diesem Hexenkessel unweigerlich Gegengewalt. Alles andere wäre in dieser Welt ein Wunder.

Frust von der Seele

Die Autorin und Regisseurin Laura Mora Ortega widmet den Film im Abspann ihrem Vater – und dies aus einem guten Grund: Auch er kam – wie der Vater im Film – unter gewaltsamen Umständen ums Leben.

Dieser Tod war für die Filmemacherin schliesslich der Auslöser, die Geschichte von «Matar a Jesús» zu erzählen. Sie hat sich viel Wut und Frust von der Seele geschrieben, aber auch nach Lösungen gesucht.

Ein blutiges Ende mit Hoffnungsfunken

Erst in den letzten Minuten des Films, nach etlichen nervenaufreibenden Wirrungen und weiteren Gewaltausbrüchen, löst Laura Mora Ortega die fast unterträgliche Situation auf. Es ist ein durchaus blutiges Ende, aber eines, das den Zuschauer immerhin mit einem Funken Hoffnung entlässt.

Lita blickt danach von einem paradiesischen Aussichtspunkt auf die Stadt Medellín hinunter. Vielleicht denkt sie an den Menschen, dank dem sie diesen Ort erst richtig entdeckt hat: Jesús.

Kinostart: 15.3.2018

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 15.3.2018, 17:20 Uhr.

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Legende:Getty Images / Bildmontage

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