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Neu im Kino Leben nach dem Burnout – zwischen WC-Rollen und Streichhölzern

In Sören Senns Dokfilm «Weg vom Fenster» erzählt ein Manager von seinem plötzlichen Absturz und dem schweren Weg zurück.

Legende: Video 5 Fragen an Sören Senn abspielen. Laufzeit 5:31 Minuten.
Vom 24.01.2017.

Mehrere Monate nach seiner Einlieferung in die Psychiatrie sollte der ehemalige Geschäftsführer Matthias N. Kaltgetränke mit Eiswürfeln bestücken – und war noch immer überfordert damit.

Die frappierende Anekdote zeigt, wie massiv die psychische Beeinträchtigung durch ein Burnout sein kann. Bei Stressfolgekrankheiten lässt sich der Heilungsprozess besonders schwer steuern. Er verläuft meist sehr individuell, weil er die gesamte Lebenssituation umfasst.

Legende: Video Zu viel Stress! abspielen. Laufzeit 5:41 Minuten.
Vom 03.03.2017.

Nichts geht mehr

Matthias N. hatte sich jahrelang chronisch überanstrengt, ohne es sich einzugestehen. Dadurch manövrierte er sich nicht nur beruflich, sondern auch sozial und familiär völlig ins Abseits.

Erst als der Körper streikte, begab sich der Burnout-Betroffene in Behandlung. Und wurde dabei mit Aufgaben konfrontiert, die ihm lächerlich erschienen.

Worin der therapeutische Zweck besteht, Dinge aus Streichhölzern und WC-Rollen zu kreieren, erschloss sich ihm damals nicht. Wenn er davon erzählt, wie sehr er sich dazu überwinden musste, hat die Doku ihre stärksten Momente.

Kontraproduktives Arbeitsethos

«Wer nichts leistet, ist nichts wert.» Wie viele Menschen, die ausbrennen, war Matthias N. bis zu seinem Zusammenbruch jemand, der sich primär durch seinen Beruf definierte.

Plötzlich ein paar Gänge zurückzuschalten, fiel dem Workaholic schwer. Mehr als das: Entspannt zu basteln, statt nonstop zu ackern, stellte sein ganzes Selbstverständnis infrage.

Stets wollte er seine noch vorhandene Leistungsfähigkeit beweisen. Zugleich wurde die Angst vor erneutem Scheitern immer grösser. Erst nach einer monatelangen Leidenszeit gelang ihm der Durchbruch: Indem er zu einer grundsätzlich neuen Haltung zur Arbeit und zum Leben fand.

Verdienstvolles Zeitdokument

Regisseur Sören Senn hat mit seiner 66-minütigen Doku «Weg vom Fenster» den Nerv der Zeit getroffen. Schliesslich fühlt sich mittlerweile jeder dritte Schweizer am Arbeitsplatz chronisch gestresst. Und in den Medien ist das Thema Burnout längst ein Dauerbrenner.

Senns grösstes Verdienst sind aber die atmosphärischen Bilder, die er für «Weg vom Fenster» gefunden hat. Diese brennen sich im Gedächtnis ein und legen ein stimmiges Zeugnis ab von unserer Gegenwart. Einer Zeit, die nach Wärme schreit.

Kinostart: 18.1.2018

SRF-Koproduktion

Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat diesen Film koproduziert.

2 Kommentare

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