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Ms. Marvel – die neue Serie
Aus Audio Aktuell SRF 3 vom 13.06.2022.
abspielen. Laufzeit 2 Minuten 44 Sekunden.
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Neue Serie im Stream «Ms. Marvel» – die erste muslimische Superheldin

Muslimische Figuren sind in Hollywood eine Seltenheit. Wenn sie mal auftauchen, sind es meist Terroristen oder Flüchtende. Ms. Marvel ist da komplett anders – eine Wohltat.

Eine Moschee, ein bärtiger Prediger, Menschen beten, verneigen sich und rufen Allah an. Erwartungshaltung der Film- und Serienzuschauer: Schnitt in ein Hinterzimmer, wo grimmige Typen einen Anschlag planen.

Im Kino sind Muslime eben oft die Terroristen. «Ms. Marvel» räumt mit Stereotypen und über Jahre antrainierten Sehgewohnheiten auf.

Moschee, Prediger, Gläubige, Gebet – aber dann die jugendliche Heldin Kamala Khan, die sich beschwert, dass man vom Frauenbereich der Moschee nur schlecht sehen könne. Der Prediger reagiert mit der Gelassenheit eines leicht genervten Grossvaters.

Ms Marvel schaut sich im Spiegel an.
Legende: Iman Vellani wurde unter anderem für die Rolle der Ms. Marvel ausgewählt, weil sie privat ein grosser Fan der Avengers ist. Disney

Kamala Khan ist eine 16-jährige pakistanisch-amerikanische Schülerin aus Jersey City, die Superhelden-Fanfiction schreibt, zeichnet und gerne Videospiele spielt: ein ganz normaler US-amerikanischer Nerd.

Das mit dem «normal» ist vorbei, als sie plötzlich Superkräfte entwickelt. Durch einen magischen Armreif kann sie Dinge entstehen lassen kann. Eine übergrosse Faust zum Beispiel. Oder schwebende Scheiben in der Luft, auf denen sie gehen kann.

Vom Comic zur Serie

Kamala Khan alias Ms. Marvel ist die erste muslimische Superheldin des Verlagshauses Marvel. Die Comicvorlage gibt es seit 2013.

In der Serie wird die Figur von der pakistanisch-kanadischen Newcomerin Iman Vellani gespielt, Muslimin und Fan der Comicvorlage. «Es hat mich einfach umgehauen, dass ein Superhelden-Comic das Fest des Fastenbrechens zum Thema hat», erinnert sie sich im Interview mit dem «Hollywood Reporter» an ihr erstes Leseerlebnis.

Ms Marvel kampfbereit
Legende: Ms. Marvel in den Comics. Sana Amanat, die die Figur mitentwickelt hat, ist Co-Executive Producer der Serie. Marvel

Gegen Islamophobie

Chefautorin die Serie war die britisch-pakistanische Comedian und Autorin Bisha K. Ali («Sex Education», «Loki»), auch ein Fan der Comicvorlage. Aufgewachsen als Muslimin in London, nach den Anschlägen auf die World Trade Center, ist Islamfeindlichkeit immer wieder ein Thema für sie gewesen.

Die 32-jährige hofft von «Ms. Marvel», dass sie «Muslimen eine andere Möglichkeit gibt, in der Welt gesehen zu werden». Sie und ihr Autorenteam haben sich darüber intensiv ausgetauscht.

Dem Team ging es darum Tradition und Moderne nicht als gut oder schlecht darzustellen. Sie wollten Muslime «liebevoll, mit verschiedenen Ansätzen, nuanciert, unterschiedlich, komplex, ganz und schön sehen. Das war eines unserer höchsten Ziele», erklärte Bisha K. Ali der Filmseite «slashfilm.com».

Keine Muslime in Hollywood

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Rund 24 Prozent der Weltbevölkerung sind Muslime. In den Blockbustern von Hollywood merkt man das nicht.

Eine Studie der «USC Annenberg Inclusion Initiative» aus dem Jahr 2021 untersuchte unter anderem die 100 erfolgreichsten US-Filme zwischen 2017 und 2019.

91 der 100 untersuchten US-Filme enthielten keine muslimische Figur.

Die meisten muslimischen Figuren, die vorkamen, waren Migranten oder Geflüchtete und sprachen mit Akzent.

Mahershala Ali war 2016 der erste muslimische Schausspieler, der einen Oscar erhielt. Für die Beste Nebenrolle in dem Drama «Moonlight.» 2018 gewann er nochmal.

Riz Ahmed war 2021 der erste muslimische Schauspieler, der als bester Hauptdarsteller (in «Sound of Metal») für einen Oscar nominiert wurde.

Eine Coming-Of-Age-Geschichte

Das Ziel wird erreicht, soweit man es nach zwei Folgen sagen kann. «Ms Marvel» ist eine Komödie übers Erwachsenwerden.

Ein psychotischer Highschool-Direktor, ein Schuhdieb in der Moschee, ein viel zu hübscher Typ und Kamalas Bruder, der die ganze Familie nervt, weil er es mit den Gebeten übertriebt: Der Hauptgegner der Heldin ist das Leben, nicht ein Superkrimineller.

Schauspielerin Iman Vellani sieht seltsam und bunt aus.
Legende: Kamalas Kinodebüt ist auch schon geplant und wird im Film «The Marvels» sein, der 2023 veröffentlicht wird. Disney

Das Ganze ist ein wunderbares, kulturelles Durcheinander, nicht frei von Klischees, die aber schnell gebrochen werden. Dazu ein cooler Soundtrack aus US-Pop und pakistanischem Hip Hop. Hörenswertester Song: «Rozi» von Eva D.

Vor starker Symbolik wird nicht zurückgewichen: In der Comicvorlage erhält Kamela Khan ihre Kräfte durch einen mysteriösen Nebel, in der Serie durch einen Armreif, den ihr die Grossmutter aus Pakistan schickt.

Die Kraft kommt also aus dem kulturellen Erbe. Eine starke Botschaft.

Die Serie läuft seit dem 08.06.2022 auf Disney +.

SRF 3, 13.06.2022, 16.10 Uhr

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