Oscars 2013: Wie Hollywood sein Trauma bewältigen wird

In zwei Tagen wird in Los Angeles der begehrteste Filmpreis der Welt verliehen. Und schon jetzt ist klar: Hollywood wird seine höchste Auszeichnung dieses Mal innerhalb der Landesgrenzen verleihen und damit das amerikanische Oscar-Trauma bewältigen.

Die diesjährigen Oscar-Favoriten haben etwas gemeinsam: Sie erzählen durch und durch amerikanische Geschichten. «Argo» und «Zero Dark Thirty» handeln von Heldentaten der CIA, «Lincoln» und «Django Unchained» setzen sich mit der Sklaverei auseinander – einem der dunkelsten Kapitel der US-Geschichte.

Das kommt nicht von Ungefähr. Der Oscar für den besten Film ging in den letzten beiden Jahren ins Ausland: 2012 nach Frankreich an «The Artist», 2011 nach England an «The King’s Speech». Eine Schmach für die stolze Filmnation Amerika, die sich kein drittes Mal wiederholen soll. Hollywood wird seine höchste Auszeichnung dieses Mal innerhalb der Landesgrenzen verleihen und damit das amerikanische Oscar-Trauma bewältigen.

Mit Kassenschlagern gegen Zuschauerschwund

Der verletzte Patriotismus ist aber nicht alleine ausschlaggebend dafür, dass nun amerikanische Filme von amerikanischen Autoren im Vordergrund stehen. Die Oscar-Verleihung kämpft seit Jahren schon gegen rapide schwindendes Zuschauerinteresse. Der Grund dafür liegt nicht zuletzt an abnehmenden Kinoeintritten. Wenn Filme für den Oscar nominiert werden, die im Kino niemand gesehen hat – dann interessiert sich auch niemand dafür, ob diese Filme einen Preis gewinnen.

«Lincoln», «Django Unchained», «Argo» und «Zero Dark Thirty» hingegen waren in den USA Kassenschlager. Sechs der neun Filme, die für den Hauptpreis nominiert sind, haben die magische Grenze von 100 Millionen Dollar an den US-Kinokassen geknackt. Rekord!

Wer gewinnt einen Oscar?

Anhänger von Quentin Tarantino werden wohl genauso Grund zur Freude haben wie Fans von «Lincoln» und «Argo». Es ist durchaus denkbar, dass die Preise dieses Jahr gleichmässig verteilt werden: Tarantino ist mit «Django Unchained» Favorit auf den Oscar für das beste Originaldrehbuch, Jessica Chastain hat als Bin-Laden-Jägerin in «Zero Dark Thirty» gute Chancen auf die Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin und Daniel Day-Lewis wird zweifellos für seine brillante Interpretation von US-Präsident Abraham Lincoln reüssieren.

Steven Spielbergs monumentaler Film «Lincoln» führt mit insgesamt zwölf Nominierungen das Feld an und gilt alleine deshalb als Favorit auf den Hauptpreis. In Hollywood ist es jedoch ein offenes Geheimnis, dass «Argo» den Oscar für den besten Spielfilm gewinnen wird. Ben Afflecks dritte Regiearbeit ist ein überraschender Beleg dafür, wie ein durchschnittlicher Schauspieler zu einem hervorragenden Filmemacher heranwachsen kann.

«Argo» wurde bereits von den amerikanischen Produzenten-, Schauspiel-, Regie- und Autorengilden ausgezeichnet und gewann den «Golden Globe» als bester Film. Wer mit solchen Vorschusslorbeeren ins Oscar-Rennen startet, kann nur gewinnen.

Die Show: Musik, Musik, Musik!

Bei der Oscar-Zeremonie wird ein weiterer amerikanischer Fixpunkt im Vordergrund stehen: das Musical. Wie die Organisatoren bekannt gaben, werden Stars wie Hugh Jackman, Anne Hathaway, Catherine Zeta-Jones und Jennifer Hudson auf der Oscar-Bühne auftreten, um Musicalfilme des letzten Jahrzehnts zu zelebrieren.

Geplant sind zudem Auftritte der Popsängerinnen Adele, Norah Jones, Shirley Bassey und Barbara Streisand. Und schliesslich soll Moderator Seth MacFarlane ganz am Ende in einer gemeinsamen Gesangsnummer mit der populären Sängerin Kristin Chenoweth die Preisverleihung feierlich ausklingen lassen.

Szene aus dem Film «Ted», links Mark Wahlberg, rechts der übergrosse Plüschteddy

Bildlegende: Plüschtier «Ted» (rechts), den Seth MacFarlane zum Leben erweckt. Keystone

Komiker als Gastgeber

Mit der Wahl von MacFarlane als Oscar-Host versuchen die Organisatoren, ein breiteres und vor allem jüngeres Fernsehpublikum zu erreichen. Der amerikanische Komiker landete mit der Animationsserie «Family Guy» schon einen riesigen TV-Hit und hat letzten Sommer mit der rüden Komödie «Ted» den Sprung ins Kino-Business geschafft. Folgerichtig wird der fluchende und kiffende Teddybär (dem MacFarlane seine Stimme lieh) in der Oscar-Nacht als einer der Preisverleiher auftreten.

Dies ist allerdings keine Garantie für einen erfolgreichen Abend: Schon 2011 wurden mit Anne Hathaway und James Franco zwei junge Oscar-Hosts auf die Bühne gebeten. Der Schuss ging nach hinten los, Presse und Talkshows machten sich wochenlang über den missglückten Auftritt des Duos lustig. Ob MacFarlane als Gastgeber eher überzeugt und bei welchen Stars bald die Korken knallen – wir wissen’s Sonntag Nacht, wenn es wieder heisst: «And the Oscar goes to…»

«Oscars» bei SRF

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