«Pacific Rim» - Von Monstern und Maschinen

Der Starregisseur Guillermo del Toro meldet sich mit dem Science-Fiction-Blockbuster «Pacific Rim» zurück. Der bekannte emotionale Touch des mexikanischen Regisseurs ist zwar da, fällt aber weitgehend der gigantischen Materialschlacht zum Opfer.

Riesiger Roboter in einer nächtlichen Stadt.

Bildlegende: Muss von zwei neuronal miteinander verbundenen Menschen gesteuert werden: «Jaeger» in Pacific Rim. Keystone

Spätestens seit seinem vielfach prämierten Meisterwerk «Pan's Labyrinth» (2006) kennt man Guillermo del Toro als tiefgründigen, sorgfältigen und ideenreichen Genreregisseur mit Herz. Schon zuvor hatte er mit seinen beiden «Hellboy»-Comicverfilmungen einen der liebenswertesten Anti-Superhelden überhaupt geschaffen. Und obwohl mittlerweile die letzte Regiearbeit von del Toro fünf Jahre her ist, hält der Filmemacher seinen Namen geschickt im Gespräch, indem er an Drehbüchern mitschreibt, sich als Förderer von jungen Talenten betätigt und die Rechte an interessanten literarischen Stoffen aufkauft.

Nun hat del Toro endlich wieder auf dem Regiestuhl Platz genommen, wobei «Pacific Rim» eigentlich nicht das attraktivste Projekt war, das in den letzten Jahren mit seinem Namen in Verbindung gebracht wurde: Eine gigantische, endzeitliche Materialschlacht zwischen 100 Meter hohen Urzeitbestien und Riesenrobotern. Das klingt zuerst einmal wie ein aufwändiger, aber doch ziemlich herkömmlicher Blockbuster des Kinosommers 2013.

Japanische Vorbilder

Um das Projekt zu legitimieren, gab del Toro in Interviews zum Film deutlich zu verstehen, wie akribisch er sich mit den beiden japanischen Filmtraditionen auseinandergesetzt hatte, die seinem Werk zugrunde liegen: Dem «Kaijū Eiga» (Katastrophen-Realfilme wie «Godzilla») aus den Fünfzigern einerseits, und den «Mecha-Animes» (Roboter-Zeichentrickfilme wie «Goldorak») aus den Siebzigern andererseits. Wobei die bei del Toro «Jaeger» genannten Mechas gar keine Roboter sind, sondern strombetriebene Exoskelette, da sie nicht von Chips, sondern von Menschen gesteuert werden.

Komplexer noch: Jeweils zwei persönlich aufeinander abgestimmte Menschen müssen gemeinsam einen «Jaeger» steuern, und die beiden Piloten müssen hierzu neuronal miteinander vernetzt werden. Nur so können die «Kaijus» bekämpft werden, die durch ein submarines Zeit-/Raumportal ans Land gespült werden und die Erde zu vernichten drohen.

Menschliche Dimension

Die Geschichte beinhaltet also durchaus anspruchsvolle Science-Fiction-Elemente, und man spürt heraus: Del Toro und sein Drehbuchautor Travis Beacham haben ihre Vorbilder aus Japan mit viel Ernst und Sachverstand in ihr Werk übernommen. Unübersehbar sind auch die Bemühungen, dem Schlachtentreiben eine humane Dimension zu unterlegen, die etwa den «Transformers»-Filmen von Michael Bay so schmerzlich abgeht.

Bewusst hat del Toro seine Figuren mit menschlichen Makeln ausgestattet und sie nicht mit Stars aus der Action-A-List von Hollywood besetzt, sondern mit vergleichsweise unbekannten Charakterdarstellern wie Charlie Hunnam, Idris Elba und Rinko Kikuchi. Hinter dem ganzen Getöse zwischen Monstern und Maschinen soll sich schliesslich auch ein menschliches Drama abspielen.

Doch leider finden dieses Drama und der technologische Überbau nie wirklich auf einen gemeinsamen Nenner. Wie in einem «Jaeger» scheinen hinter diesem Film zwei Piloten zu stecken: Ein abgeklärter Filmemacher, der sein Handwerk versteht, und ein elfjähriger Junge, der es mit seinem Spielzeug einfach gern krachen lässt.

Sendung zu diesem Artikel