Pantsula-Tanz: Aus den Townships in die Schweiz

Die ersten freien Wahlen Südafrikas liegen gut 20 Jahre zurück, die erste Generation seit dem Apartheidsregime ist nun erwachsen. Der Schweizer Dokumentarfilm «Life In Progress» hat junge Südafrikaner über vier Jahre begleitet – mit Blick auf ihre Leidenschaft: das Tanzen.

Zwei junge Menschen tanzen vor einer bemalten Wand.

Bildlegende: Seipati (links) beim Pantsula-Tanz, der vom Alltag in den Townships geprägt ist (Filmszene). Recycled TV AG/Big World Cinema

Seipati, Venter und Tshidiso: Die drei Jugendlichen sind Tänzer und leben im südafrikanischen Township Katlehong. «Katlehong» heisst Fortschritt – doch Fortschritte gibt es in den Townships kaum. Das Leben ist von Hunger, Krankheiten, mangelnder Bildung und schwierigen Familienverhältnissen geprägt.

Leben ohne Perspektive

Ein Mann mit orangefarbenem T-Shirt steht auf der Strasse, im Hintergrund steigt grauer Rauch gegen den Himmel.

Bildlegende: Venter, Tänzer bei der Gruppe Taxido. Recycled TV AG/Big World Cinema

Mitten in die schwierige Lebenssituation vieler Bewohner hinein gründete Jerry Zwane 2003 die Tanzgruppe Taxido. Sie soll Kindern und Jugendlichen Hoffnung geben und ihren Alltag ausfüllen. Ein Projekt, das bis heute erfolgreich besteht. Auch Seipati, Venter und Tshidiso tanzen bei Taxido. Sie sind die zentralen Personen in Irene Loebells Film «Life In Progress».

Die Regisseurin hat die jungen Erwachsenen über vier Jahre lang begleitet und weiss, wie wichtig ihnen das Tanzen ist. Sie stellte fest, dass Tanzen ihnen zwar Hoffnung und Ablenkung, den wenigsten aber eine Zukunftsperspektive gibt. Sei es, weil es viele gute Tänzer gibt, oder weil die Jugendlichen irgendwann keine Zeit zum Tanzen mehr finden, weil sie Geld verdienen müssen.

Distanz zwischen Kulturen überwinden

Ein Film kann zwar Realitäten zeigen – und dennoch bleibt eine Distanz zum Schweizer Publikum bestehen. Diese Distanz zwischen den Kulturen, den unterschiedlichen Lebensgeschichten, möchte der Film «Life in Progress» überwinden. Vier Tänzer von Taxido sind zusammen mit ihrem Tanzlehrer Jerry Zwane und Irene Loebell für einen Monat in der Schweiz unterwegs. Hier begleiten sie Filmvorführungen und geben Schulklassen Pantsula-Tanzkurse.

Pantsula ist ein typisch südafrikanischer Tanz, der in den 1950er-Jahren entstanden ist. Damals wie heute ist er geprägt vom Alltag in den Townships: Ein normales Laufen, ein Grüssen auf der Strasse, ein Würfelspiel um Geld – alles wird dabei zum Tanz.

Auch der Film «Life In Progress» lebt vom Pantsula-Tanz. Dank ihm kennen sich die Protagonisten, er ist Ankerpunkt im Dokumentarfilm, der Rahmen um den Flickenteppich einzelner Geschichten. Auch in der Schweiz stellt der Tanz die Verbindung zwischen den unterschiedlichen Kulturen her, wie eine Schülerin sagt: «Alle können tanzen. Die einen besser, die anderen weniger gut, man muss nur Freude daran haben.»

Zurück ohne Ausbildung

Die Tänzer der Gruppe Taxido freuen sich, in der Schweiz zu sein. Doch hier bleiben wollen sie nicht. Es sei auf den Strassen so ruhig, die Menschen seien verschlossen und das Leben viel zu schnell. Hier eine Ausbildung zu machen und wieder nach Südafrika zurückzugehen – das können sie sich aber vorstellen. So könnten sie der Armut in den Townships entgegenwirken und den anderen helfen.

Ende März wird die Tänzergruppe Taxido wieder nach Südafrika zurückreisen. Was hier bleibt, ist der Film «Life In Progress».

Kinostart: 5.3.2015.

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