«Rosie» - Marcel Gislers Rückkehr zum Spielfilm

Lange war es still um den Ostschweizer Regisseur Marcel Gisler, der Ende der 90er Jahre mit seinem Werk «F. est un salaud» für Furore gesorgt hatte. Jetzt präsentiert er mit «Rosie» einen berührenden Spielfilm über eine Mutter, die pflegebedüftig wird und ihre Kinder, die sich zusammenraufen müssen.

Sibylle Brunner als Rosie.

Bildlegende: Sibylle Brunner hat für die Darstellung der sturen «Rosie» den Schweizer Filmpreis erhalten. Look Now!

Marcel Gisler ist ganz pragmatisch, wenn er nach den Gründen für seine lange Abwesenheit als Filmregisseur gefragt wird. Nach dem «Fögi» («F. est un salaud» von 1998), erzählt Gisler, habe er erst einmal eine grosse Krise gehabt und dann habe das Geld für ein neues Projekt gefehlt.

«Fögi» verhiess Aufbruch im Schweizer Film

Dabei war damals der Film um einen Jungen, der sich in einen älteren Musiker verliebt, eine der Entdeckungen am Filmfestival von Locarno 1998. «Dr Fögi isch e Souhung» oder, im Originaltitel «F. est un salaud» war eine wunderbare melancholische und tragische Liebesgeschichte, eine schwule Amour Fou. Der Film liess hoffen: Da war ein junger Schweizer Regisseur, der dem angestaubten Schweizer Film neuen Schwung geben konnte.

Produktive Versenkung

Doch dann kam nichts mehr - und das verheissungsvolle junge Regietalent geriet, wie das so oft im unbarmherzigen Kulturgeschäft der Fall ist, bald etwas in Vergessenheit. Aber Marcel Gisler ist nicht verbittert, wenn er in die Vergangenheit blickt. Muss er auch nicht: denn der Filmschaffende hat zwar keinen Kinofilm gedreht zwischen dem «Fögi» und der «Rosie», er blieb aber beim Film und bildete sich weiter - als Autor, als Lehrer und als Filmer. Für die Schweizer Schokoladen-Seifenoper «Lüthi und Blanc» schrieb er viele Folgen. Das habe ihm viel Routine gebracht, erzählt Gisler. Auch das Unterrichten ist dem Schweizer, der die Hälfte seines Lebens in Berlin verbringt, wichtig. Er ist unter anderem Dozent an der Film- und Fernsehakademie in Berlin.

Sohn, Tochter und Mutter «Rosie».

Bildlegende: Tochter und Sohn setzen sich für ihre Mutter ein. Look Now!

Der Autorenfilmer ist zurück

Für Marcel Gisler waren und sind das Tätigkeiten, die ihn als Filmemacher weitergebracht haben, handwerklich und erzählerisch. Und die ihm vor allem das Rüstzeug bieten, für das, was er wirklich sein will und ist: ein Autorenfilmer. Zurück ist er mit einem ganz persönlichen Werk. «Rosie» berührt mit seiner Altersproblematik nicht nur genau im richtigen Moment ein heisses Thema der Schweizer Gesellschaft. Es ist auch Marcel Gislers Geschichte - oder besser die seiner Mutter. Seine Rosie, gespielt von der wunderbar frischen, bis jetzt im Kino unbekannten Sibylle Brunner, ist ein Porträt seiner eigenen Mutter und der Ort Altstätten auch Gislers eigene Herkunft.

Berührendes und persönliches Werk

Mit dem Film «Rosie» ist der Ostschweizer Marcel Gisler nicht nur wieder in der Schweizer Kinolandschaft aufgetaucht, er ist auch ganz bei sich angekommen. «Rosie» ist ein persönliches Werk, wie es nur mit viel Erfahrung und auch Reife erzählt werden kann. Auf der Basis einer sehr persönlichen, autobiographischen Geschichte ist ein wunderbar berührendes, alle angehendes Werk entstanden. Und der Wechsel vom Französischen in «F. est un salaud» zum Schweizerdeutschen in «Rosie» verstärkt diesen Eindruck noch.

Marcel Gisler ist also zurück in der Kinolandschaft der Schweiz - und bleibt dieses Mal auch. Drei Projekte sind bereits wieder in Arbeit: ein Spielfilm und zwei Dokumentarfilme sind in Planung und Produktion.

Sendung zu diesem Artikel