«Ich wurde in der Schule als Fettwanst gehänselt»

Regisseur Bruno Deville kennt die Leiden eines «Bouboule», eines «Fettwanst» – deshalb sein gleichnamiger Film. Seine Coming-of-Age-Komödie über einen fettleibigen Jungen ist dick im Geschäft: Sie ist für den besten Schweizer Spielfilm nominiert und gewann am Zurich Film Festival den Förderpreis.

Regisseur Bruno Deville sitzt an einem Tisch und schaut seitwärts in die Kamera.

Bildlegende: Regisseur Bruno Deville wurde 1976 in Ottignies, Belgien geboren. SRF/David Oesch

Warum thematisieren Sie das Erwachsenwerden eines fettleibigen Jungen?

Fettleibigkeit ist ein Problem unserer Wohlstandsgesellschaft. Viele Leute sind betroffen und man liest häufig in der Presse darüber. Ich war selber ein «Bouboule» («ein Fettwanst»), hatte als Kind zu viel Speck auf den Hüften, hängende Brüste, eine besorgte Mutter und wurde in der Schule gehänselt. Der Film ist aber nicht autobiografisch. So spannend ist mein Leben auch wieder nicht.

Wie sind Sie zu dem Projekt gekommen?

Ich habe zuerst mit Antoine Jaccoud das Drehbuch ausgeheckt. Ich wollte eine dramatische, aber auch poetische Komödie drehen über ein Thema, in das ich mich hineinversetzten kann. Ich komme ursprünglich aus Belgien und wollte den Film dort drehen, wo ich aufgewachsen bin. Dass eine Koproduktion zustande kam, war ein Glücksfall für die Produktion. Die Crew war ein wildes Durcheinander aus Schweizern, Franzosen und Belgiern.

Was war das Schwierigste bei der Realisation des Films?

Kennen Sie die Filmer-Weisheit: «Dreh deinen Film nie mit Kindern und Tieren?» – da ist etwas dran. Wir hatten sieben Kinderdarsteller und einen Kampfhund mit Trainer am Set – ein Abenteuer! Und auch das Casting war eine Knacknuss. Ich sass Kindern gegenüber, die unzufrieden mit ihren Körpern waren und sich lieber verstecken als zeigen wollten. Genau dieses Gefühl musste meine Hauptfigur vermitteln. In drei Ländern haben wir Castings veranstaltet, bis ich zufällig auf David Thielemans gestossen bin. Er hat die Rolle grossartig gemeistert.

Was bedeutet der Schweizer Filmpreis für Sie?

Es ist lustig. Ich fühle mich, als wäre ich in eine Grossfamilie aufgenommen worden. Noch vor neun Monaten büffelte ich Schweizer Geschichte, um meinen Pass zu bekommen. Die Nomination ehrt mich sehr, denn so sieht meine Schweiz aus: multikulturell. Lausanne und Genf sind Städte mit enorm vielen Ausländern, die zur Schweiz dazugehören – so wie ich.

Was machen Sie mit den 12'500 Franken, die Sie für die Nomination bekommen?

Das Geld erlaubt mir eine längere berufliche Auszeit für das Drehbuchschreiben. Als ich am Zurich Film Festival den Förderpreis gewann, habe ich einen Monat lang nur geschrieben. Ich werde kurze Zeit abtauchen, um mich vollständig in meinem neuen Projekt zu verlieren.

Fünf Fragen an ...

Wir haben den Regisseuren, die in der Kategorie «Bester Spielfilm» für den Schweizer Filmpreis nominiert sind, je fünf Fragen gestellt.

Zur Person

1976 in Belgien geboren und aufgewachsen, zieht es Bruno Deville nach seinem Kunststudium in die Schweiz. Dort studiert von von 1995 bis 2000 in Lausanne an der ECAL Regie und gewinnt für seine Kurzfilme zahlreiche Preise. Sein Spielfilmdebüt «Bouboule» ist eine schweizerisch-belgische Koproduktion und wurde in seinem Heimatort in Belgien gedreht.