«Schweizer Helden»: Wilhelm Tell und die Asylbewerber

Einen schwarzen Tell? Gibt es nicht? Gibt es doch! Im Film «Schweizer Helden» probt Hausfrau Sabine das Stück von Schiller mit Asylbewerbern. Kurz vor dem grossen Auftritt wird aber der afrikanische Tell-Darsteller von der Polizei ausgeschafft. Migrationsprobleme als Komödienstoff.

Video «Keine 3 Minuten: «Schweizer Helden»» abspielen

Keine 3 Minuten: «Schweizer Helden»

1:36 min, vom 12.11.2014

Ein Haus. Abgeschottet von der Zivilisation. Tausend Meter über Meer. Umgeben von Schnee und sonst nichts. Hier wohnen die Asylbewerber. Sie warten auf den erlösenden Brief, der ihnen einen Aufenthalt im Paradies – in der Schweiz – erlaubt.

Stattdessen kommt Sabine: Frustriert-verlassene Hausfrau, die sich nach Anerkennung in der Gesellschaft sehnt. Sie hat Grosses vor: Schillers «Wilhelm Tell» inszenieren – mit den Asylsuchenden. Hürden gibt es viele: Sprache, Motivation und dann wird auch noch der Wilhelm-Tell-Darsteller ausgeschafft.

    • Porträt Sabine mit Kappe mit Bergen mit Schnee im Hintergrund.

      Bildlegende: Sabine in «Schweizer Helden». Frenetic Films

      Das stärkste Zitat

      Hauptfigur Sabine ist zum ersten Mal im Asylzentrum. Sie erkundigt sich bei einem Mann, den sie für einen Flüchtling hält, nach dem Direktor des Durchgangszentrums. Sabine: «Entschuldigung? Ich suche Heimleitung. Kannst du mir sagen, wo ist Heimleiter?» Timon: «Mou, mou, das sett möglich sii. I gebe hie de Dütschunttericht.»

    • Porträt Peter Luisi.

      Bildlegende: Regisseur Peter Luisi. Keystone

      Der Regisseur

      Das Drehbuch zu seinem neusten Film hat der Schweizer Regisseur Peter Luisi («Der Sandmann», 2011) gleich selber geschrieben. Eine erste Version davon entwarf der 39-Jährige bereits 2002. Erst zwölf Jahre später konnte er den Film realisieren. Luisi wollte diese Migrations-Komödie möglichst realitätsgetreu umsetzen. Deshalb verbrachte er zwei Wochen in einem Durchgangszentrum.

    • Porträt Punishment, Asylbewerber im Film.

      Bildlegende: Punishment Frenetic Films

      Fakten, die man wissen sollte

      Die Flüchtlinge in der Komödie sind keine Laiendarsteller, sondern Schauspieler. Der Regisseur Peter Luisi wollte ursprünglich mit Asylsuchenden drehen, um eine gewisse Echtheit zu erreichen. Schliesslich entschied er sich aber für Profis. Nur kleinere Sprechrollen wurden schliesslich mit Laien besetzt.

    • Schauspielbub mit Apfel auf dem Kopf vor einer weissen Wandtafel

      Bildlegende: Walterli in «Schweizer Helden». Frenetic Films

      Das Urteil

      Der Film «Schweizer Helden» ist eine unterhaltsame Komödie. Deshalb wurde sie wohl mit dem Publikumspreis in Locarno ausgezeichnet. Der Film nimmt sich dem heiklen und aktuellen Thema der Migration an. Die Rollen der Asylbewohner sind allerdings zu stereotyp. Das schadet der Geschichte. Ein paar echte Konflikte hätten dem Film mehr Authentizität verliehen. Persönliches Fazit: Gute Unterhaltung durch witzige Dialoge, ohne dabei Stellung zur aktuellen Flüchtlingsdebatte zu beziehen.

Hinweis

«Schweizer Helden» von Peter Luisi ist eine SRF-Koproduktion.