Schweizer Blut und Spielfilm-Armut: Seraina Rohrer redet Klartext

In Solothurn ist das einheimische Kino beim Ringen um den «Prix de Solheure» ganz unter sich. In diesem Jahr stimmt das nicht. Auch eine österreichische Produktion kämpft auf der Werkschau des Schweizer Films um den höchstdotierten Preis. Direktorin Seraina Rohrer erklärt, wie es dazu kommen konnte.

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5 Fragen an Direktorin Seraina Rohrer

3:45 min, vom 25.1.2016

Was die drei wichtigsten Kriterien für den «Prix de Solheure» sind, ist klar: Qualität, humanistischer Inhalt und Schweizer Herkunft. Aber wann ist ein Film humanistisch? Und wie, wenn nicht über das Produktionsland, definiert sich die Herkunft? Fragen über Fragen, die wohl niemand besser beantworten kann als die Chefin selbst.

Festival-Direktorin Seraina Rohrer findet einen Film dann humanistisch, wenn er sich für die Würde des Menschen stark macht. Am besten funktioniert das in Filmen, die zu gesellschaftlich relevanten Fragen Stellung beziehen. «Wie die anderen», eine feinfühlige Studie über das Leben in einer Jugendpsychiatrie, entspricht in dieser Hinsicht ganz dem geforderten Profil. Umstritten ist bei der 95-minütigen Dokumentation dagegen die Herkunft.

Ganz nüchtern betrachtet, ist «Wie die anderen» nämlich eine durch und durch österreichische Produktion. «Wir definieren die Nationalität eines Filmes über die Regie», verteidigt Seraina Rohrer die Nominierung für den «Prix de Solheure» vehement. «Weil Regisseur Constantin Wulff Schweizer ist, erfüllt der Film unsere Richtlinien.»

Eigentlich löblich, dass in Solothurn nicht nur darauf geschaut wird, woher das Geld kommt. Aber müssten dieser Logik folgend dann nicht auch Marc Forsters Hollywood-Dramen für den «Prix de Solheure» berücksichtigt werden? Wir sind gespannt, was geschieht, wenn der Schweizer Hollywood-Export seinen nächsten Film à la «Monster’s Ball» abliefert.