Wenn im Kopf eines Jugendlichen plötzlich ein Porno-Film abläuft

Porno-Plattformen und Cybermobbing – wie gehen Jugendliche mit den neuen Medien um? Die Schweizer Filmemacherin Irene Ledermann verarbeitet ihre Erfahrungen als Gymnasiallehrerin in dem Kurzfilm «Best Buddies». In Solothurn feiert das eindrückliche Drama Premiere.

Zwei Jungs liegen im Gras.

Bildlegende: «Best Buddies»: Milo (Flurin Giger) und Luc (Ivo Starke) sind beste Kumpels. Gaetan Varone

Luc und Milo sind beste Kumpel: Sie klauen Süssigkeiten, machen Veloausflüge zum Fluss und filmen sich beim Masturbieren. Im Kurzfilm «Best Buddies» von Newcomerin Irene Ledermann verbringen die beiden Jugendlichen jeden Tag ihrer Sommerferien zusammen. Doch dann verliebt sich Luc in Milos Schwester Flo und ihre Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt.

Doch im Kurzfilm geht es nicht nur um die Freundschaft zweier Jungs. Es geht um weit mehr: Um den Konsum von Pornos und das Verschicken von persönlichem Bildmaterial über Facebook. Als engagierte Kunstlehrerin einer Kantonsschule kennt Filmemacherin Irene Ledermann diese Problematik aus ihrem eigenen Arbeitsalltag: «Es ist eine Sexualisierung da, durch die Medien und unsere Gesellschaft. Doch gleichzeitig stelle ich bei den Jugendlichen eine grosse Befangenheit fest – da ist ein grosses Fragezeichen, wenn es um die eigene Sexualität geht.»

Drei Jugendliche sitzen am Flussufer und schauen zum Wasser.

Bildlegende: Aus zwei werden drei? Die Freundschaft von Luc und Milo wird auf die Probe gestellt. Gaetan Varone

Bildstark und dialogarm

In «Best Buddies» kommt es zum sexuellen Übergriff von Luc auf Flo. «Ich habe das nicht ausgespart. Man sieht: Beide sind überfordert. Luc mit seinen Hormonen genauso wie das Mädchen.» Im Kopf des sonst schüchternen und vorsichtigen Luc läuft plötzlich ein Pornofilm ab. Er und das Mädchen sind nach der ersten sexuellen Erfahrung verunsichert. «Beide fragen sich: Muss ich beim Sex dem Bild entsprechen, das Pornos liefern? Das Thema ist wichtig und wahnsinnig aktuell.»

Bereits für ihren letzten Kurzfilm «Schonzeit» drehte Ledermann mit Jugendlichen – ein grosser Erfolg. 2010 gewann sie dafür in Saarbrücken den Max-Ophüls-Preis. Auch in Zukunft wird die Filmemacherin für Aufsehen sorgen: Momentan schreibt sie das Drehbuch für ihren ersten Kinofilm. Nach der eindrucksvollen Bildgestaltung und den realitätsnahen Dialogen von «Best Buddies» können wir von Irene Ledermann starkes Kino erwarten.