«Sonita»: Eine Afghanin rappt gegen die Zwangsheirat

Die afghanische Teenagerin Sonita soll zwangsverheiratet werden. Doch sie widersetzt sich – mit Rap. Dies in einem Land, wo Mädchen nicht mal öffentlich singen dürfen.

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Sonita - Rappen gegen die Zwangsheirat

91 min, aus CH:Filmszene vom 21.7.2017

Als Kind wurde Sonita in den Iran gebracht, um sie vor den Taliban in Afghanistan zu schützen. Im Iran ist sie aber auf sich selbst gestellt, eine Sans-Papiers. Dennoch kann sie sich über Wasser halten. Kraft gibt ihr das Rappen.

Eine Frau mit Baseballcap macht mit dem Zeigefinger eine «Pssst»-Geste, an der Wand hinter ihr macht eine gesprayte Frau dasselbe.

Bildlegende: Sonita war 18, als man sie in Afghanistan zwangsverheiraten wollte. Aus Protest stellte sie einen Rapsong auf Youtube. CAT&Docs

Sonita hat sich den Sprechgesang selbst beigebracht. Doch selbst im relativ aufgeklärten Iran dürfen Mädchen nicht öffentlich singen, geschweige denn rappen. Also rappt Sonita nur im engen Kreis ihrer Vertrauten.

Leid teilen per Youtube

Die Tradition in Sonitas Familie will es, dass die Mädchen zwecks einer Heirat verkauft werden. Das gilt auch für Sonita. Doch das Mädchen schafft es, sich zu widersetzen.

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Sonita: «Brides for sale»

3:49 min, vom 8.4.2016

Zu ihrem Song «Brides for sale» produziert sie ein Video und postet dieses auf Youtube. Sie will ihr Leid nicht für sich behalten, sondern mit Menschen in anderen Ländern teilen. Sonita wird erhört – in den USA. Ein Internat in Utah ist bereit, der jungen Frau zu helfen.

Filmemacherin kauft Sonita frei

Sonita kommt in Kontakt mit der Filmemacherin Rokhsareh Ghaem Maghami. «Zuerst traute ich ihr nicht, doch dann wurden wir Freundinnen», sagt sie. Sonita beginnt sich zu öffnen – und rappt auch vor Ghaem Maghami.

Die Freundschaft mit Sonita bringt die Filmemacherin während der Dreharbeiten in einen professionellen Konflikt. Denn Sonitas Zwangsheirat erscheint mit einem Mal unvermeidbar.

Die Filmemacherin will ihr helfen und sie freikaufen. Die Mittel dafür hätte sie, aber sie würde damit in den Plot des Films eingreifen. Eine Entscheidung, die für alle Beteiligten schwierig ist und dem Film «Sonita» eine zusätzliche, emotionale Ebene gibt.

Der Familie vergeben

Jetzt, da Sonita in Amerika lebt und Chancen auf Erfolg hat, gehört ihre Familie plötzlich zu ihren Fans und unterstützt ihr Vorhaben.

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Sonita über die Kraft, die in schlechten Momenten steckt

0:39 min, vom 23.3.2016

Die Familie selbst hat den Dokumentarfilm über ihre Tochter noch nicht gesehen und wahrscheinlich ist ihr noch nicht bewusst, wie schlecht sie im Film wegkommt.

Doch Sonita vergibt ihrer Familie, obwohl sie diese als Kindsbraut verkaufen wollte. Und sie hofft, dass dieser Film Menschen wie ihrer Familie helfen wird. Familien, die ihre Töchter lieben, aber ihre Tradition nicht loslassen können und keine Alternativen sehen. Und die nicht wissen, dass Mädchen ebenfalls stark sind.

Sommerdoks 2017

Die «CH:Filmszene» zeigt im Sommerprogramm herausragende Schweizer Dokumentarfilme, immer freitags um 22:25 Uhr auf SRF 1.

Sendung zu diesem Artikel

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Gegen die Zwangsheirat: die Afghanin Sonita rappt sich frei

    Aus Kulturplatz vom 23.3.2016

    Ihr Schicksal war vorbestimmt, wie das unzähliger anderer afghanischer Mädchen: Sonita soll von ihrer Familie als Braut verkauft werden - für 9000 Dollar. Doch sie wehrt sich - mit Musik. Ihr Rapsong, mit dem sie die Zwangsverheiratung junger Afghaninnen anprangert, macht Furore und ebnet ihr den Weg in die Freiheit. Heute studiert Sonita in den USA, von wo aus sie für Frauenrechte kämpft. Ihre unglaubliche Lebensgeschichte wird nun in einem berührenden Dokumentarfilm erzählt.

    Meili Dschen

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