«Suicide Squad»: Selbstmord auf Raten

Dieser Superheldenfilm soll anders sein. Statt Helden retten Schurken die Welt. «Suicide Squad» will mit Antihelden eine kontroverse Geschichte erzählen. Doch den Mut dazu hatten die Macher nicht. Schon wieder ein millionenteurer Film, der Hollywoods Risikoarmut zum Opfer fällt.

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Im Kino: Suicide Squad

1:40 min, aus Keine 3 Minuten – Die Filmkritik für Eilige vom 17.8.2016

Superman, der Vater aller guten Metawesen, ist tot. Um nicht mehr Helden zu verheizen, schickt die US-Regierung gefangene Schurken auf ein Himmelfahrtskommando gegen noch Bösere. Doch es handelt sich nicht um normale Knackis, sie alle besitzen entweder eine übernatürliche Gabe oder sind so durchgeknallt, dass sie auch ohne Superkräfte gefährliche Waffen sind. Die US-Regierung pflanzt ihrem neuen Kampfspielzeug Sprengsätze in den Hals. Für den Fall, dass es zu Handhabungsschwierigkeiten kommen sollte. Ein skrupelloser Plan.

Die Guten unterwerfen die Bösen und das Gesetz macht aus Menschen Kampfmaschinen. Solche kontroversen Ansätze gab es im filmischen Superhelden-Universum bisher noch nicht. Die Erwartungen an den Actionfilm der anderen Art waren enorm hoch. Aber nur die Fans zufrieden zu stellen, das war den Macher nicht genug. Alle zahlenden Zuschauer sollten glücklich sein. Ob jung oder alt. Fan oder Frischling. Doch aus der Idee, es allen Recht machen zu wollen, ist selten Einzigartiges entstanden.

    • 1.
      Das stärkste Zitat
      Mann mit Feuerhand

      Bildlegende: Typ Hispanic Gangster: Feuerteufel Diablo. Warner Bros.

      «Ich bin ein Mensch und keine Waffe!»

      Kontert der Feuerteufel Diablo, als er in seiner Zelle dazu gezwungen wird sich dem Selbstmordkommando-Team anzuschliessen.

    • 2.
      Die Schauspielerin
      Schauspieler Margot Robbie

      Bildlegende: Margot Robbie als durchgeknallte Braut vom Oberschurken Joker (Batmans Erzfeind). Warner Bros.

      Margot Robbie ist eine heissbegehrte Newcomerin. Die 26-Jährige Australierin bringt Männer nicht nur durch ihr Aussehen aus dem Konzept. Zu spüren bekam das Schauspielkollege Leonardo DiCaprio. Bei einem Vorsprechen für eine Rolle in Martin Scorseses «Wolf of Wall Street» sollte die damals unbekannte Margot Robbie den grossen DiCaprio nach einem Streit küssen. Das tat sie nicht. Stattdessen verpasste sie ihm eine Ohrfeige und beschimpfte ihn. Ihr Mut zahlte sich aus und Margot Robbie bekam die Rolle. Es war ihr Durchbruch. Heute spielt sie an der Seite der grossen Hollywoodstars. Als Harley Quinn in «Suicide Squad» werden wir sie sogar noch öfters sehen. Erst kürzlich unterschrieb sie einen Vertrag, der sie länger an die Rolle der durchgeknallten Ex-Psychologin bindet.

    • 3.
      Fakten, die man wissen sollte
      Superhelden im Lift

      Bildlegende: «Suicide Squad» ist der zweite Film von insgesamt zehn neuen DC-Comicverfilmungen. Warner Bros.

      Der Kampf der grossen Verlagshäuser DC und Marvel geht in die nächste Runde. «Suicide Squad» ist Teil zwei einer Reihe neuer Comicverfilmungen aus dem Verlagshaus DC. DC, das ist die Geburtsstätte von Superman und Batman. Doch das Traditionsunternehmen steht seit rund zehn Jahren im Kino-Schatten seines Erzkonkurrenten Marvel. Das sind die mit Spiderman, Captain America und Co. Gerade in den vergangenen drei Jahren feuerte Marvel einen Comichelden nach dem anderen auf die Leinwand. Mit Erfolg. Marvels «Avengers» Teil eins und zwei, gehören zu den Top Ten der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Der Zug schien für DC abgefahren zu sein. Doch das Comic-Haus will es noch mal wissen und startete im März mit «Batman v Superman» eine neue Film-Reihe. Bis 2020 will DC das Kino-Publikum mit insgesamt 10 Spektakeln zurückerobern. Marvel kontert mit 19 Produktionen. Bleibt zu hoffen, dass, im Eifer des Konkurrenzgefechts, das Publikum nicht vergessen wird.

    • 4.
      Das Urteil
      Will Smith und Margot Robbie

      Bildlegende: Schauspieler Will Smith kann nicht böse. Warner Bros.

      Wie gerne hätten wir Will Smith, den Schauspieler mit dem Sauberimage, als eiskalten Killer gesehen. Wie gerne hätten wir gesehen, wie ein Trupp richtig fieser Schurken auf die Welt losgelassen wird, um gegen noch Bösere zu kämpfen. Wie gerne hätten wir ein Superheldenspektakel gesehen, das gegen die aalglatten Hollywoodstandards verstösst und es konsequent böse krachen lässt. Doch das traute sich Warner Brothers nicht. Das Produktionsbudget von ca. 175 Millionen US-Dollar scheint die Risikobereitschaft des Studios ausgebremst zu haben. Statt die Zerrissenheit der Figuren zu wahren, bekommen die Bad-Boys und Girls alle ein Herz am rechten Fleck verpasst. Trotzdem, das Publikum war neugierig. Nicht zuletzt wegen dem ganzen Werbezirkus, der um den Film seit Monaten veranstaltet wird. Seit dem US-Start Anfang August spielte «Suicide Squad» rund 471 Millionen-US-Dollar ein. Ein erfolgreicher Start. Doch nach dem zweiten Wochenende brach der Umsatz um 67 Prozent ein.

      Jugendgerechte Dialoge und Mainstreamtauglichkeit sind eben keine Garantie dafür, dass das Publikum ins Kino rennt. Wer das Risiko scheut, bringt kaum neue Ideen auf die Leinwand. Bedeutet der Machtkampf zwischen den Produzenten den schleichenden Tod der Superheldenfilme? Floppt eine Multimillionen-Dollar-Kiste, könnte es das Aus vieler Folgeproduktionen bedeuten. Ein Dilemma, das erklärt, warum wir so oft das Gefühl haben, immer mehr vom immer Gleichen zu sehen.

Kinostart: 18.08.2016