«The Counselor»: ein Film zum Haare raufen

Pulitzer-Preisträger Cormac McCarthy wagt sich mit 80 Jahren an sein erstes Filmdrehbuch – und scheitert kläglich. Regisseur Ridley Scott braucht nach dem Riesenflop «Prometheus» ein Erfolgserlebnis – er wird es mit «The Counselor» nicht kriegen. Da stehen nicht nur Javier Bardem die Haare zu Berge.

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Filmbesprechung: «The Counselor»

3:31 min, vom 28.11.2013

«The Counselor» handelt von einem Anwalt (Michael Fassbender), der mehr oder weniger für die Drogenmafia arbeitet. Er steigt mit ein ins Drogengeschäft - wahrscheinlich um seiner Verlobten (Penelope Cruz) einen luxuriösen Lebensstil bieten zu können. Durch einen unglücklichen Zwischenfall, den der Anwalt ausgelöst haben soll, läuft bei einer Lieferung über die mexikanische Grenze einiges schief, doch die Drogen erreichen das Ziel. Das Kartell scheint aber trotzdem nach Rache zu sinnen.

Figuren ohne Beweggründe

Ein Regisseur steht hinter einer Film-Kamera.

Bildlegende: Regisseur Ridley Scott. Warner Bros./Kerry Brown

Diese kurze Zusammenfassung muss in der Wahrscheinlichkeitsform bleiben, weil nie genau klar ist, was in diesem Film wirklich los ist. Die Figuren haben keine ersichtlichen Beweggründe für ihr Tun. Der Zuschauer ist völlig auf sich allein gestellt und muss sich auf seine eigenen Interpretationsfähigkeiten verlassen. Das kann spannend sein, ist aber nach einer Weile ganz schön ermüdend. Des Ratespiels überdrüssig werden viele irgendwann aufgeben, einschlafen, rausgehen.

Damit das nicht passiert haben die beiden Herren Scott und McCarthy ein paar Altherrenphantasien in den Film eingebaut: darunter die jetzt schon viel bemunkelte Szene einer masturbierenden Frau auf der Windschutzscheibe eines Ferraris. Die Sequenz wird bestimmt bald auf YouTube kursieren und der Schauspielerin Cameron Diaz (die ist es nämlich, die’s dort treibt) einen neuen, verruchten Ruf bescheren.

Ein Pulitzer-Preisträger begnügt sich mit Plattitüden

Cormac McCarthy hat mit «The Counselor» sein erstes Filmdrehbuch abgeliefert. Er begnügt sich darin leider mit Dialogen voller Plattitüden. Seine Figuren sind, wenn überhaupt, schlecht gezeichnet. Das ist erstaunlich, hat dieser Schriftsteller doch Ausnahmewerke wie «No Country for Old Men» und «The Road» hervorgebracht. Für «The Road» erhielt er im Jahr 2007 sogar den Pulitzerpreis, den wichtigsten Preis der amerikanischen Literatur.

Beide Werke wurden verfilmt. «No Country for Old Men» (2007) von den Brüdern Joel und Ethan Coen. Dafür gab’s vier Oscars. «The Road» (2009) von Regisseur John Hillcoat war zwar weniger erfolgreich an der Kinokasse, aber ein von der Kritik viel beachteter Film mit einem starken Viggo Mortensen (Aragorn aus «Der Herr der Ringe»).

Zurück zur Schreibmaschine

Ein älterer Herr mit grauen Haaren, rotem Hemd und grauem Jackett.

Bildlegende: Pulitzerpreisträger Cormac McCarthy. AP/Knopf/Derek Shapton

Jahrzehntelang wusste ausserhalb der Literaturszene kaum jemand, dass es McCarthy gab. Der Journalist Richard B. Woodward nannte ihn in der «New York Times» einmal «den unbekanntesten Schriftsteller Amerikas». Das änderte sich schlagartig nach den ersten Verfilmungen seiner Werke. Doch auch heute bleibt Cormac McCarthy der Aussenwelt verschlossen und gibt äusserst selten ein Interview. Wenn man ihn denn mal zu Gesicht bekommt, scheint er ein netter, bescheidener älterer Herr zu sein. Sein bisher einziges Interview mit Oprah Winfrey über sein Buch «The Road» kann man sich online anschauen.

Mit dem Drehbuch zu «The Counselor» hat sich McCarthy wirklich keinen Gefallen getan. Romane schreiben kann er. Und so kann man nur hoffen, dass er zurück zu seiner Schreibmaschine kehrt und weitere Ausnahmewerke runtertippt, die des Namens McCarthy würdig sind.