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Film & Serien «The Legend of Tarzan»: Viel Gebrüll, wenig Schwung

Der berühmteste Lianenschwinger der Kinogeschichte liefert ein durchzogenes Comeback ab. Nicht zuletzt, weil sich Regisseur David Yates nicht so recht entscheiden kann, welche Geschichte er mit «The Legend of Tarzan» erzählen will.

Legende: Video Im Kino: «The Legend of Tarzan» abspielen. Laufzeit 1:49 Minuten.
Aus Keine 3 Minuten – Die Filmkritik für Eilige vom 27.07.2016.

Tarzan (Alexander Skarsgård) lebt mittlerweile als Adliger John Clayton glücklich mit seiner Frau Jane (Margot Robbie) in London. Als er vom belgischen König Leopold II eingeladen wird, sich persönlich von dessen humanitären Errungenschaften im Kongo – Tarzan und Janes alter Heimat – zu überzeugen, lehnt er trotz Zureden von mehreren britischen Parlamentariern ab.

Schliesslich bewegt der Amerikaner George Washington Williams (Samuel L. Jackson) Tarzan unter vier Augen dazu, der Einladung zu folgen. Williams vermutet nämlich, dass im Auftrag des Königs mehrere Kongolesen versklavt werden. Mit Tarzans Hilfe will er dieser Sache auf den Grund gehen.

Jane lässt es sich nicht nehmen, die beiden auf ihrer Expedition zu begleiten – nicht zuletzt aus Heimweh. Bei ihren alten Freunden im Kongo angekommen, stellt sich schnell heraus, dass Leopolds eloquenter und kaltblütiger Scherge Léon Rom (Christoph Waltz, gewohnt eloquent und kaltblütig) die Einladung veranlasst hat – allerdings nicht aus diplomatischen Beweggründen.

  • 1. Das pathetischste Zitat

    Margot Robbie und Alexander Skarsgård in «The Legend of Tarzan».
    Legende: Er Tarzan, sie Jane: Alexander Skarsgård und Margot Robbie funktionieren gut als Leinwandpaar. WARNER BROS.

    «Ein normaler Mann kann das Unmögliche tun, um die Frau zu retten, die er liebt. Mein Mann ist kein normaler Mann.» Diese Warnung spricht Jane beim erzwungenen Tête-à-Tête mit Léon Rom aus.

  • 2. Der Schauspieler

    Alexander Skarsgård posiert für die Fotografen.
    Legende: Auch als Serien-Schauspieler erfolgreich: Alexander Skarsgård. IMAGO

    Alexander Skarsgård ist 1976, als ältestes von acht Kindern des schwedischen Schauspielers Stellan Skarsgård,in Stockholm geboren. Im Alter von sieben Jahren erhielt er seine erste Filmrolle, mit 13 erlangte er durch den Erfolg des Dramas «Hunden som log» nationale Berühmtheit. Ernüchtert von den negativen Aspekten seines plötzlichen Ruhms, zog er sich aus der Schauspielerei zurück. Mit 19 absolvierte er die Ausbildung der Anti-Terror-Einheit der schwedischen Marine. Daraufhin lebte und studierte er ein halbes Jahr im nordenglischen Leeds. Während dieser Zeit fasste er den Entschluss, zur Schauspielerei zurückzukehren. Nach dem Studium der Theaterkunst in New York wirkte er an diversen schwedischen und US-amerikanischen Produktionen mit. Der internationale Durchbruch gelang ihm als Vampir Eric Northman in der HBO-Erfolgsserie «True Blood» (2008 – 2014). In Lars von Triers preisgekröntem Psychodrama «Melancholia» spielte er 2011 an der Seite seines Vaters. Als Titelheld in «The Legend of Tarzan» ist der Schwede zum ersten Mal in der Hauptrolle eines US-Blockbusters zu sehen.

  • 3. Fakten, die man wissen sollte

    Alexander Skarsgård als Tarzan.
    Legende: Alexander Skarsgård quälte sich ab, um für die Rolle des Tarzan in Form zu kommen. WARNER BROS.

    Für die eindrückliche körperliche Verfassung, in der Alexander Skarsgård sich im Film präsentiert, musste der Schwede leiden – und das nicht bloss im Kraftraum. Auch sein Ernährungsplan machte ihm zu schaffen: Während acht Monaten bestand seine Diät praktisch vollumfänglich aus täglich mehreren Portionen Hähnchenbrust mit Broccoli. In einer Late-Night-Show erinnerte sich Skarsgård unlängst an den «Cheat Day» zurück, den ihm sein persönlicher Fitnesstrainer nach fünf Monaten der Tortur zugestanden hat. Fast schon zu Tränen gerührt, berichtet, Link öffnet in einem neuen Fenster er vom Ausflug in ein italienisches Restaurant, der von Pasta, Pizza und Tiramisu gekrönt war.

  • 4. Das Urteil

    Ein Affe brüllt in «The Legend of Tarzan».
    Legende: «The Legend of Tarzan»: Viel Gebrüll, wenig Schwung. WARNER BROS.

    «The Legend of Tarzan» bemüht sich, möglichst alle Aspekte der Tarzan-Geschichte zu beleuchten – dabei entstehen lauter lose Enden. Der fehlende Fokus hat letztlich auch zur Folge, dass Regisseur David Yates seinem Publikum eine erschreckend holprige Story präsentiert. Die Idee, die Handlung mit Tarzan als vollständig resozialisiertem, britischem Adligen zu beginnen, ist durchaus interessant. Die vielen Rückblenden, die diese Entscheidung mit sich bringt, wirken dann doch eher so, als wären sie nach Gutdünken gesetzt worden. Das liesse sich alles noch verschmerzen. Dass trotz einer derart talentierten Besetzung die emotionalsten Momente weitgehend den computergenerierten Tieren überlassen werden, erstaunt dann doch. Tarzan bietet im Jahr 2016 ausreichend Action, den Charme und den Schwung vieler seiner Vorgänger lässt Yates Film allerdings schmerzlich vermissen.

Kinostart: 28.7.2016